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Gas Gas: Die Hürde des Überlebens

Der spanische Offroad-Hersteller Gas Gas musste am 18. Mai 2015 Insolvenz anmelden. Die Schulden drücken, das eingeleitete Restrukturierungsprogramm will nicht so recht greifen. Wie geht's weiter?

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Ina Wilde wurde 2014 auf Gas Gas TXT 300 Trial-Europameisterin.
Ina Wilde wurde 2014 auf Gas Gas TXT 300 Trial-Europameisterin.
(Foto: Gas Gas)

Beim spanischen Motorradhersteller Gas Gas klemmt der Gashahn. Am 18. Mai 2015 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Es geht mal wieder um das liebe Geld, das fehlt, um das Unternehmen, das sich seit geraumer Zeit im Restrukturierungsprozess befindet, die Schulden abzubauen. Nicht jeder der Eigentümer, die Israelis um Yariv Gilat (70 Prozent Anteile), die Regionalverwaltung Katalonien (10 Prozent) und der vormalige Eigentümer und bis Februar 2015 Geschäftsführer Ramon Puente (20 Prozent) ist offenbar gewillt, Cash nachzuschießen.

Dem Unternehmen Gas Gas ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass es die Insolvenz selbst eingeleitet hat und nicht in den Konkurs gerutscht sei, wie in einigen Medien bereits kolportiert wurde. Denn das bedeutet, dass im Idealfall die Marke weitermachen kann, wenn der Insolvenzverwalter Investoren findet, die Kapital aufbringen. So erhält sich die Traditionsfirma, die seit 1985 Motorräder für die Supermoto-, Enduro-, Offroad- und Trialszene baut, eine Chance auf ein Weiterleben.

Das Offroad-Internet-Portal Baboons zitiert Ronald März, den Generalimporteur für Deutschland und Österreich. Nach seinen Informationen sei die Insolvenz in letzter Instanz von der Region Katalonien ausgelöst worden, da man dort entweder kein oder nicht genug Geld bereitstellen wollte, um den Hauptgläubiger bei der Stange zu halten. Ronald März gegenüber Baboons: „Die Situation ist schwierig, aber keinesfalls hoffnungslos. Die Marke wird weiterleben. Worst Case ist die Zerschlagung der Firma, das halte ich für unwahrscheinlich. Vorher würde das Unternehmen als Ganzes angeboten und vermutlich einen Käufer finden.“ Laut März sei die Ersatzteilversorgung und Garantieabwicklung gesichert. Das habe man ihm jedenfalls in der spanischen Zentrale in Salt bei Girona versichert. Dort hat seit der Demission von Geschäftsführer Puente der Israeli Cobi Moise das Sagen. Ihm gehe es wie seinen israelischen Landsleuten nicht nach dem Motto „Wie- können-wir-hier-schnell-viel-Geld-herausziehen“ sondern um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, so März gegenüber Baboons.

Trotz aller Durchhalteparolen steht die Zukunft der Marke Gas Gas auf dem Spiel. Zwar gibt es eine kleine, aber feine Kundenklientel, die – aus welchen Gründen auch immer – unbedingt eine Alternative zu den beiden dominierenden Offroad-Marken KTM und Husqvarna sucht und somit Potenzial für die Zukunft bietet, obwohl der Markt in der Nische insgesamt überschaubar ist. Als da wären Gas Gas, Sherco oder Betamotor. Die beiden letztgenannten Player haben sich zuletzt mit einer sehr soliden Modellpolitik, einem funktionierenden Ersatzteil- und Bestellwesen sowie einem funktionierenden Händlernetz auf dem Markt etabliert. Da wird es Gas Gas nicht leicht haben, wieder Fahrt aufzunehmen.

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