Gefahren: Aprilia Caponord 1200 Rally

Gründliche Revision des bisherigen Modells

| Autor / Redakteur: sp-x/Ulf Böhringer / Stephan Maderner

Die neue Aprilia Caponord Rallye, getestet jüngst auf Sardiniens Straßen.
Die neue Aprilia Caponord Rallye, getestet jüngst auf Sardiniens Straßen. (Foto: Aprilia)

Aprilia hat das bislang erfolglose Modell Caponord 1200 überarbeitet und die neue Rally-Version zu einer ernsthaften Reiseenduro weiterentwickelt.

Warum nicht gleich so? Der Gedanke drängt sich auf, wenn man die ersten fünf Kurven mit der neuen Aprilia Caponord 1200 Rally gefahren ist und sich spontan auf die nächsten 500 freut. Der italienische Hersteller hat nach zweijähriger Bauzeit sein Modell Caponord 1200 einer gründlichen Revision unterzogen und mit der Rally genannten Version einen ernstzunehmenden Wettbewerber im lukrativen Reiseenduro-Segment auf die Räder gestellt. Ganz offensichtlich hat Aprilia verstanden, dass man mit halbherzigen Angeboten gegen BMW, KTM und Ducati keinen Erfolg landen kann.

Ganze 81 Fahrzeuge hat Aprilia im vergangenen Jahr vom 2013 präsentierten Modell Caponord 1200 in Deutschland verkauft; vermutlich kaum eines davon zum Listenpreis. Kein Erfolg also bisher. Allein von der KTM 1190 Adventure sind 20-mal so viele Fahrzeuge in den Verkehr gebracht worden, von BMWs R 1200 GS gar 100-mal so viele. Warum? Weil funktionale Aspekte bei der Caponord nicht ernst genug genommen worden waren. Die noch im Angebot befindliche Caponord 1200 Travel Pack ist mit fast 260 Kilogramm nicht nur deutlich schwerer als die Konkurrenz, sie fährt sich auch so. Und das schätzen die anspruchsvollen Reise-Enduristen gar nicht.

Aprilia geht auf's Ganze

Deshalb ging es bei der Rally genannten Caponord-Zweitauflage nun ums Ganze. Das 17 Zoll-Vorderrad aus Leichtmetallguss wurde durch ein 19 Zoll großes Drahtspeichenrad, das sechs Zoll breite Hinterrad durch ein fünfzölliges Rad ersetzt, dessen Bereifung nun erheblich schmaler ist. Zusammen mit geringfügigen Änderungen an der Fahrwerksgeometrie ergibt sich bei der Rally-Version trotz ihres beträchtlichen Gewichts von 275 Kilogramm inklusive diverser schützender Stahlbügel sowie Givi-Kunststoffkoffern ein freudvoll-agiles Fahrverhalten. Die Rally lenkt leicht ein, umrundet Biegungen aller Radien stabil und stellt sich auch beim Bremsen in Schräglage nicht unziemlich auf.

Ausgewogenes Fahrverhalten

Zu verdanken hat die Caponord Rally das nun ausgewogene Fahrverhalten nicht zuletzt ihrem semiaktiven Dämpfungssystem ADD (Aprilia Dynamic Damping), das es freilich auch in der Travel Pack-Version bereits gibt. Das mit Hardware von ZF bestückte System reguliert die Dämpfereinstellung innerhalb weniger Millisekunden vollautomatisch in Abhängigkeit von zahlreichen Parametern. Zusammen mit BMW, Ducati und neuerdings auch KTM ist Aprilia in punkto Fahrwerksinnovation ganz vorne mit dabei; das Ergebnis vermag zu überzeugen. Aber eben erst im Modell Rally, weil das ADD dank der nun agileren Fahrwerksgeometrie zeigen kann, wozu eine semiaktive Fahrwerksregelung in der Lage ist.

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