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Gefahren: BMW C 650 GT

| Autor / Redakteur: Jens Rehberg / Jens Rehberg

Mit Blick auf den gefloppten „C1“ muss man BMW dafür Respekt zollen, dass sie seit Jahresmitte an der Rollerfront mit dem Geschwisterpaar C 600 Sport und C 650 GT auffahren.

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BMW C 650 GT mit hochgestelltem Schild.
BMW C 650 GT mit hochgestelltem Schild.
(Foto: Rehberg )

Mit Blick auf den gefloppten „C1“ muss man BMW dafür Respekt zollen, dass sie seit Jahresmitte an der Rollerfront mit dem Geschwisterpaar C 600 Sport und C 650 GT auffahren. Denn auch der erneute Versuch, zweiradaffine Städter mit einem extravaganten Kurzstreckenfahrzeug zu begeistern, ist vergleichsweise hoch eingepreist. Für den C 650 GT müssen freudige Fahrer mit knapp 11.500 Euro mehr als für die direkten Segment-Konkurrenten hinlegen. Für dieses Geld kann man zudem seit Anfang Oktober alternativ den hippen Opel-Mini Adam bestellen. In dessen Kofferraum passt zwar auch nur eine kleine Reisetasche, aber die Kunden kriegen – Premium hin oder her – ein vollwertiges und schickes Ganzjahresfahrzeug.

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Nichtsdestotrotz erhofft sich BMW durch die beiden neuen Maxi-Scooter einen Boost, der im zweiten Halbjahr 2012 die Gesamtverkaufszahlen wieder auf Rekordkurs bringen soll. In Deutschland wurden in den ersten Verkaufsmonaten pro Monat und Modell um die 300 Einheiten neu registriert. Weltweit will BMW Motorrad 2012 insgesamt 10.000 Einheiten der neuen C-Serie absetzen.

Aber zurück zum Produkt: Der erste Eindruck hält dem Premium-Anspruch stand. Die getestete C 650 GT mit Zusatzpaket – Tagfahrlicht, Sitzheizung, beheizbaren Griffen und einer Reifendruckkontrolle – ist erstklassig verarbeitet. Schloss, Schalter, Klappen und Hebel – alle beweglichen Bedienelemente vermitteln einen sehr wertigen Eindruck. Lediglich bei dem via Zündlenkschloss zu öffnenden Deckel über dem Tankverschluss hat BMW offenbar gespart. Der Mechanismus kapitulierte während unseres Tests nach der zweiten Anwendung. Die 60 Liter Stauraum unter dem Sitz sind gut nutzbar, weil der Raum dankenswerterweise kaum zerklüftet ist.

Was man auf den ersten Blick schon vermutet, bestätigt sich beim Aufstieg: Die neue BMW-C-Klasse entspricht in Sachen Handlichkeit nicht wirklich dem, was man von einem Motorroller erwartet. Die mächtige Mittelkonsole gewährt nicht die klassische Rollerfreiheit für die Beine. Dafür hat BMW die Trittbretter vorne so stark angeschrägt, dass man beim Fahren mit ausgestreckten Beinen exzellenten Halt hat.

Das Rangieren auf engeren Abstellplätzen wird mit dem 260-Kilo-Bike auch wegen der stattlichen Ausmaße kein filigranes Ballett. Ebenso das Scootermäßige Durchschlängeln im Ampel-Stau ist auf dem bulligen Großroller wenig empfehlenswert. Ist man allerdings erst einmal in Bewegung, lässt sich das Bike erstaunlich leicht handeln, auch schnelle Ausweichmanöver sind kein Problem.

Das Thema Beschleunigung kann man komfortabler kaum umsetzen: Das stufenlose CVT-Getriebe folgt keinem konventionellen Drehmomentverlauf, sondern stellt bei schwungvoller Betätigung des Gaszugs nahezu die volle Leistung unverzüglich und dauerhaft bereit.

Gerät der Ampelstart zu übermotiviert, fängt die großzügig ausgelegte Bremsanlage mit einer Doppelscheibenbremse vorne und einer Einzelscheibenbremse hinten den Fahrer souverän wieder ein. Die Anlage wird über zwei Griffhebel geregelt, woran man sich aber schnell gewöhnt.

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Technische Details

Abmessungen (L/B/H): 2.155/877/780 mm; Gewicht: 261 kg; Motor: Zweizylinder-Reihenmotor, wassergekühlt; Hubraum: 647 cm3; Leistung: 44 kW (60 PS); Max. Drehmoment: 66 Nm bei 6.000 min-1; Höchstgeschwindigkeit: 175; Beschleunigung 0-100: 7,5 sek.; Kraftübertragung: CVT; Bremsen: Doppelscheibenbremse vorn, Einscheibenbremse hinten; Reifen: 120/70 R15 vorn, 160/60 R15 hinten; Radaufhängung vorne: Upside-Down-Gabel; Radaufhängung hinten: Einarm-Gussschwinge; Tankinhalt: 16 Liter; Preis: 11.450 Euro

Passiert man die Stadtgrenze, wird es Zeit, nach dem Schalter zum Hochstellen des Windschilds zu tasten, denn sonst ist es zumindest oberhalb des Schulterbereichs vorbei mit der Sitzgemütlichkeit. Rutscht man dann noch ein wenig auf der Sitzbank herum, um sich der neuen Fahrsituation anzupassen, fällt die sehr gut ausgeformte Lendenwirbelstütze auf, für die man auf längeren Touren zunehmend dankbar ist.

Auf der Landstraße zeigt der große Scooter erneut, dass die Bezeichnung „Roller“ eigentlich nicht angemessen ist. Das Fahrwerk fühlt sich eher nach Motorrad an. Selbst bei annährend sportlicher Belastung wiegt und windet sich schlicht gar nichts. Die Rückmeldungen des Fahrwerks sind jederzeit unmissverständlich, was zu frühen Grenzbereichsannährungen in Kurvendurchfahrten verleitet. Auf gerader Strecke läuft der Großroller auch bei hohen Geschwindigkeiten absolut stabil. Der Reihenzweizylinder mit 60 PS genügt dafür völlig – und läuft zudem gefällig. Lautstärke und Klangfarbe fallen allerdings wieder derart aus dem Rollerrahmen, dass man versucht ist, nach versteckten Lautsprecherboxen zu suchen.

Der Windschild schützt bestens bis Tacho 180.

Ist man wieder entspannter unterwegs, fällt leider die eingeschränkte Übersicht nach hinten auf. Was den sehr guten Gesamteindruck aber nur unmerklich schmälert.

Irgendwann wird der C 650 dann doch abgestellt, wofür man in der Regel die Seitenstütze benutzt, denn zum Aufbocken muss man sich ordentlich ins Zeug legen.

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