Gefahren: BMW G 310 GS

Auf die clevere Tour

| Autor / Redakteur: Ulf Böhriger/SP-X / Stephan Maderner

Die G 310 GS ist das zweite Modell, das in BMW-Auftrag bei TVS in Indien gefertigt wird.
Die G 310 GS ist das zweite Modell, das in BMW-Auftrag bei TVS in Indien gefertigt wird. (Bild: BMW/Daniel Kraus)

Mit der neuen G 310 GS schafft es BMW, ein kleines, leichtes Einzylinder-Abenteuerbike auf die Räder zu stellen, das echtes GS-Feeling transportiert.

Es klingt nicht sonderlich attraktiv, wenn man ein paar Meter vom Mittelmeerufer entfernt in Barcelona steht und erfährt, dass an die 300 Kilometer Land- und Bergstraßen bis zum Übernachtungsziel in 2.100 Metern Höhe zu absolvieren sind – und zwar mit gerade einmal 34 PS aus lediglich 313 Kubikzentimetern Hubraum. Zehn Stunden später, nach diversen Kaffeestopps, zahlreichen Foto-Abstechern und einigen kleinen Offroad-Einlagen, schmeckt das Ankunfts-Bier in einem herbstlich verwaisten Skiresort in Andorra kein bisschen weniger gut, als wäre man auf einer BMW R 1200 GS durch die Pyrenäen geschnürt. BMW hat es geschafft, der neuen, ab 5.800 Euro lieferbaren Einzylinder-GS einen souveränen Erst-Auftritt zu verschaffen: Die G 310 GS fühlt sich beim Fahren auf den kurvenreichen Pyrenäen-Bergstraßen unerwartet erwachsen an.

Das Kürzel G/S

Die Buchstabenkombination GS ist die wahrscheinlich am besten beleumundete der gesamten Zweiradbranche. Erstmals kam sie 1980 auf. Getragen hat sie eine damals neuartige Achthunderter-BMW, die R 80 G/S. „Gelände/Straße“ sollte das Kürzel heißen und so vermitteln, dass die im Lauf der Zeit zur Urmutter aller Reiseenduros gereifte R 80 eine Art „eierlegender Wollmilchsau“ darstelle. Nahezu 40 Jahre später eilt BMW nicht zuletzt dank seiner inzwischen sechs Versionen umfassenden GS-Modelle zu immer neuen Produktionsrekorden. Eine GS gilt etwas in der Motorradszene. Ihre besondere Wertigkeit bezieht jede GS aus ihrer Souveränität und dem Wissen ihres Fahrers: „Ich könnte ja, wenn ich wollte…“ Am Motorrad jedenfalls würde die Tour zum entlegensten Zipfel der Welt kaum scheitern.

Wie schlägt sich die Baby-GS?

Das ist einerseits ein gewaltiges Marketing-Pfund, zugleich für Entwickler auch eine große Herausforderung, denn jede GS-Generation muss natürlich noch besser sein als die vorherige. Im Fall der G 310 GS liegt der Fall noch komplizierter, denn im Grunde handelt es sich bei ihr um eine Art Baby-GS: Klein, leicht und verhältnismäßig schwach motorisiert. Erstaunlicherweise stellt sich auf der zweitägigen Tour von Barcelona durch die Pyrenäen nach Andorra und zurück dennoch echtes GS-Feeling ein: „Egal wohin – Hauptsache unterwegs sein!“ Und zwar je kurvenreicher, umso lieber.

Glückliche Abstimmung aller Komponenten

Es sind denn auch nicht die einzelnen Komponenten dieses Motorrads, also Motor, Fahrwerk, Bremsen oder Ergonomie, welche die G 310 GS so besonders gelungen erscheinen lassen, sondern deren glückliche Abstimmung. Der ebenso drehfreudige wie laufruhige Einzylindermotor passt bestens zum sehr handlichen, spurstabilen Fahrwerk, das sich zudem durch einen hohen Federungskomfort. Die ausgezeichnete Ergonomie lässt selbst lange Fahrtage mit endlosen Kurvenorgien kurzweilig erscheinen. Ein kurzer Zug am breiten Lenker, schon nimmt die 310er die gewünschte Schräglage ein, unspektakulär, ganz ohne Widerstand. Auch aus Schräglage verzögern lässt sich die 310er, ohne dass eine nennenswerte Aufstellneigung spürbar wird.

Metzeler Tournace – der perefkte Pneu für dieses Bike

Womit wir bei der Bereifung vom Typ Metzeler Tourance sind. Der an sich bekannte Reifen ist eine nagelneue Sonderentwicklung, extra abgestimmt auf dieses 169,5 Kilogramm leichte Motorrad. Er passt wie die legendäre „Faust aufs Auge“ und haftet so, dass sich sehr hohe Kurventempi und gewaltige Schräglagen realisieren lassen – ohne lästigen Bodenkontakt irgendwelcher Bauteile.

Gebaut bei TVS in Indien

Die G 310 GS ist das zweite Modell, das in BMW-Auftrag bei TVS in Indien gefertigt wird. Die Verarbeitungsqualität erscheint tadellos, das Finish kann auch im Detail überzeugen. Das gilt auch für das leicht wie präzise schaltbare Sechsganggetriebe, beim Erstmodell G 310 R anfangs noch ein Problempunkt. Dem GS-Anspruch gerecht wird auch die Ausstattung: Der große Gepäckträger bietet reichlich Auflagefläche und gute Verzurrmöglichkeiten, die Sitzposition ist bequem, der Sitzbezug griffig. Wer will, kann zu einer höheren oder einer niedrigeren Sitzbank greifen; für einen 1,77-Meter-Durchschnittsmann ist die Serienbank perfekt.

Obwohl beim flotten Fahren stets hohe Drehzahlen anliegen, gibt sich der Einzylindermotor bescheiden: 3,4 Liter Benzin genügen für 100 spaßige Kilometer, was einen Radius von 300 Kilometern möglich macht. Die Betriebskosten sind damit auf einem ähnlich vorteilhaften Niveau angesiedelt wie der Kaufpreis von 5.800 Euro. Dafür bekommt der Käufer eine ausgesprochen leicht zu handhabende kleine, zugleich aber sehr erwachsen wirkende BMW, deren GS-DNA auf Tour absolut spürbar wird, weil sie sich auf jedem Untergrund gut anfühlt. Insofern: Clever gemacht, diese G 310 GS.

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