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Gefahren: BMW R 1200 GS, die sportlichste GS der Geschichte

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Martina Eicher

Selten hat ein Modellwechsel einen so großen Unterschied beim Fahrgefühl verursacht wie bei der BMW R 1200 GS. Und das, obwohl sich Leistung und Gewicht kaum geändert haben.

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Über das Design der neuen BMW R 1200 GS lässt sich sagen, dass es dem großen Verkaufserfolg des Modells immerhin nicht im Wege steht.
Über das Design der neuen BMW R 1200 GS lässt sich sagen, dass es dem großen Verkaufserfolg des Modells immerhin nicht im Wege steht.
(Foto: Maderner)

Ja, ist denn die Welt verrückt geworden? Bei der Entwicklung der neuen GS scheinen sich die BMW-Leute an der Benelli Trek orientiert zu haben – so rotzig, laut und leistungsstark agiert der neue Boxer. Schon beim Druck auf den Startknopf brüllt er seine neue Sportlichkeit hinaus, sodass es BMW-Freunden vor Freude weiß-blau vor Augen werden dürfte – mancher Nachbar könnte sich von dem lauten Klappenauspuff aber auch gestört fühlen.

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Im Vergleich zu seinem bereits sehr leistungsstarken Vorgänger, der aber immer noch das klassische BMW-Gemütlichkeitsgen in sich trug, wirkt der Wasserboxer schon mit seinem Sound fordernder und aggressiver. Obwohl in der Leistung nur moderat gesteigert (von 110 auf 125 PS), fährt er sich viel dynamischer und explosiver als das alte Modell und lässt keinerlei Leistungswünsche offen. Nur im Drehzahlkeller wirkt er etwas schwächer als der alte, aber das kann auch Einbildung sein, weil Zehntelsekunden später diese Abrissbirne einschlägt und das Motorrad nach vorn schleudert. Die abrupte Gasannahme und die etwas schwierig zu dosierende Kupplung machen es außerdem schwer, beim Anfahren keinen peinlichen Rennstart hinzulegen. Dank der besser und gleichmäßiger gekühlten Brennräume ist der neue Motor übrigens nicht nur stärker, sondern erreicht seine volle Leistung auch mit Super 95. Der luftgekühlte 1200er wollte noch mit teurem Super Plus gefüttert werden.

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Technische Daten
Technische Daten

Motor: Zweizylinder-Boxer, wassergekühlt; Hubraum: 1.170 cm3; Bohrung x Hub: 101 x 73 mm; Nennleistung: 92 kW/125 PS bei 7.700 min-1; max. Drehmoment: 125 Nm bei 6.500 min-1; Höchstgeschwindigkeit: über 200 km/h; Sitzhöhe: 850 mm; Leergewicht: 238 kg; Tankvolumen: 20 l; Verbrauch: 5,5 l pro 100 km; Reifen: 120/70 R 19 vorn, 170/60 R 17 hinten; Bremsen: Doppelscheibe vorn (305 mm), Einzelscheibe hinten (276 mm), teilintegral, ABS; Preis: 14.400 Euro

Die neue Sportlichkeit hat auch das Fahrwerk erreicht. Bis zur letzten (mit BMW-Logo gekennzeichneten) Schraube neu entwickelt, bietet es trotz fast identischer Geometrie und Masse eine Leichtigkeit des Seins, die die Vorgängerin klar in den Schatten stellt. Auch der breitere Hinterreifen (170/60 R 17 statt 150/70 R 17) hat da keine negativen Auswirkungen. Der gesamte Fahreindruck macht klar: BMW hat die Herausforderung angenommen, die mit neuen, extrem fahraktiven Konkurrentinnen wie der Ducati Multistrada und KTM 1190 Adventure auf den Marktführer zukamen. Die GS kann deren Tempo mitgehen. Erst bei sehr fordernder Fahrweise macht die GS mit zunehmenden Motorvibrationen und hakelndem Getriebe deutlich, dass sie trotz all ihrer Talente keine Supermoto ist. Dafür hat sie sich mehr als KTM und Duc einen Sinn für Langstreckenkomfort bewahrt.

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