Gefahren: BMW R 1200 GS Rallye

Weniger ist mehr

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Joram Schweizerhof

Die R 1200 GS Rallye ist allerdings nicht gerade billig. Rund 16.000 Euro kostet die Basis und mit ein paar Extras hat man schnell 20.000 Euro erreicht.
Die R 1200 GS Rallye ist allerdings nicht gerade billig. Rund 16.000 Euro kostet die Basis und mit ein paar Extras hat man schnell 20.000 Euro erreicht. (Bild: Jörg Künstle)

Die Meisten bewegen ihre BMW R 1200 GS ausschließlich auf Asphalt. Die neue Rallye-Version der GS beherrscht diese Disziplin zwar auch, macht aber darüber hinaus auch im Gelände eine gute Figur.

Weniger ist manchmal mehr. Dann nämlich, wenn Üppigkeit geschmeidigem, leichtem Handling im Wege steht. Auf Basis dieser Grundüberlegung hat BMW an der Rallye-Version seines Erfolgsmodells R 1200 GS ein paar komfortorientierte Ausstattungsdetails weggelassen und auf diese Weise die fraglos vorhandenen sportlichen Gene dieses Fahrzeugtyps schärfer zutage gefördert. So kappte man unter anderem zwecks besseren Überblicks den voluminösen Windschild, ließ den Hauptständer weg und ersetzte die verstellbare, zweiteilige Sitzbank durch eine dünnere und schlankere 1,75-Personen-Bank, die dem Fahrer mehr Bewegungsfreiheit gewährt. Das Ergebnis ist ein Motorrad, das dermaßen sportlich ist, dass nicht wenige GS-Besitzer ins Grübeln kommen dürften. Zu Recht.

Erstmals in der seit 1980 währenden GS-Geschichte hat sich Projektleiter Reiner Fings Gedanken machen dürfen, wie man die unendlichen Möglichkeiten, die dem GS-Gedanken innewohnen, stärker spreizen kann. Heraus kam ein technisches und optisches Update für das Grundmodell R 1200 GS, dazu gibt es künftig das Stylingpaket „Exclusive“, welches einige optische Veredelungen zum Inhalt hat, und zusätzlich gibt es mit „Rallye“ ein weiteres Stylingpaket, das einige funktionale Details enthält, aber auch optisch seine Wirkung nicht verfehlt: Der Hauptrahmen in „Codobablau“, der Antriebsstrang in Schwarz, die einteilige Sitzbank in schwarz/weiß, goldfarben lackierte Bremssättel, Kreuzspeichenräder, der kurze (weiterhin verstellbare) Windschild-Sport, dazu eine auffallende Lackierung in „Lupinblau-Metallic“ samt schickem Tankdekor.

Die besonders gute Nachricht ist allerdings, dass BMW sich bei dieser GS-Variante nicht auf die Optik beschränkt hat. Sie lässt sich leicht mit ein paar Details noch geländegängiger machen. 300 Euro zusätzlich kostet die Sportfederung mit zwei Zentimeter längeren Federwegen (aus der GS-Adventure ganz einfach zu übernehmen) samt einem längeren Seitenständer. Wer jetzt noch Stollenräder montiert, hat ein Motorrad, mit dem man über jedes Gelände fahren kann. Und das sehr schnell: Ein Test im andalusischen Küstengebirge machte deutlich, dass das Offroad-Potenzial der Boxer-GS mit wenigen, konsequent eingesetzten Mitteln deutlich steigerbar ist. Das Fahren im Stehen (auf den breiteren Enduro-Fußrasten) fällt deutlich leichter, ebenso wie die Kontrolle des schlingernden Fahrzeugs mittels Gasgriff, wenn das Fahrprogramm „Enduro Pro“ angewählt und die Traktionskontrolle deaktiviert ist.

Überhaupt: Die neueste GS-Generation ist ein Ausbund an Technologie-Innovationen. Voraussetzung ist freilich, dass der Käufer nicht knausert und großzügig Ausstattungspakete („Touring“, „Comfort“ und „Dynamik“ kosten zusammen immerhin 3.660 Euro) ordert. Dann erst bekommt er den prima funktionierenden Schaltassistenten für kupplungsloses Herauf- und Runterschalten, die elektronische Reifendruckkontrolle, das Dynamic-ESA „Next Generation“ mit automatischer Fahrlageneinstellung und automatischer Dämpfungsanpassung, LED-Scheinwerfer und -Blinker, die „Fahrmodi Pro“ (inclusive „Enduro Pro“ und Kurven-ABS). Fürs echte Rallye-Feeling braucht es dann aber noch die breiten Enduro-Fußrasten, den verstellbaren Bremshebel, den verstellbaren Schalthebel, die auch auf Asphalt griffigen, schlauchlosen Offroad-Pneus von Metzeler, die Aluminium-Motorschutzplatte, die Zylinderschutzbügel, und, und, und. Wir sind inzwischen bei rund 20.000 Euro – noch ohne Gepäcklösung, Navigationsgerät und andere Nebengeräusche. Aber egal: Wer in die Vollen geht, macht keinen Fehler, lassen sich doch GS-Modelle bestens wiederverkaufen, je „voller“, desto leichter.

Vor dem Wiederverkauf dürften freilich in den meisten Fällen einige Jahre voller Fahrspaß liegen. Den bietet eine BMW R 1200 GS im Style „Rallye“ in der Tat. Durchzug, Fahrstabilität, Handlichkeit – in diesen Punkten setzt „die GS“ schon seit Jahren bei den Reiseenduros den Maßstab, legt die Messlatte von Generation zu Generation höher. So weit oben wie im Falle der Rallye-Variante lag sie nie zuvor, sieht man mal vom wenige Jahre gebauten, sündteuren Sondermodell HP2 Enduro ab.

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