Gefahren: BMW R nineT Urban G/S

Ein Zeitensprung

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Vivian Wetschera

Die G/S fühlt sich in den Bergen wohl.
Die G/S fühlt sich in den Bergen wohl. (Bild: BMW Motorrad)

Die neue BMW R nineT Urban G/S knüpft gekonnt an die erste R 80 G/S der BMW-Historie von 1980 an und vermittelt ein herrlich analoges Fahrgefühl.

Wir sind schnell Freunde geworden, die jüngste Boxer-Kreation aus München, und ich. Obwohl sie es mir mit ihrem blöden Namen erst einmal schwer gemacht hat: R nineT Urban G/S: Wie kann man nur! Was an einer G/S – diese Modellbezeichnung stand anno 1980 für Gelände/Straße – kann denn urban sein? Taugt sie vielleicht nur dazu, den Münchner Boulevard Leopold entlangzubrummen? Oder wollen ihre Taufpaten möglicherweise allzu hohe Erwartungen an die Geländetauglichkeit dämpfen? Wir gehen der Sache auf den Grund und starten zu einer mehr als 1.000 Kilometer langen Alpentour nach Südtirol und ins Veneto.

Die Urban G/S ist eine von mittlerweile fünf Varianten der überaus erfolgreichen R nineT. Die meisten Bauteile sind identisch, ihre Individualität erhält die Urban G/S durch geringfügig mehr Federweg an der Hinterhand, ein 19-Zoll-Vorderrad, ihr weißes Windschild und ihre gelungene Farbgebung in weiß und blau mit dem roten Sitz als „Eyecatcher“. An die seligen Zeiten der ersten großvolumigen Reiseenduro erinnern auch die Gummi-Faltenbälge an der konventionellen Telegabel sowie der schmale, lange Schnabel. Die Entwickler haben aber nicht nur das Erscheinungsbild gekonnt reduziert, sondern auch die Ausstattung aufs Essentielle zurückgestutzt: Ein einziges Rundinstrument informiert über Geschwindigkeit, Motoröl-Temperatur, Uhrzeit und die gefahrenen Kilometer. Drehzahlmesser? Hatte die erste G/S vor 37 Jahren auch nicht. Semiaktives Fahrwerkssystem Dynamic ESA? Haha, wer braucht solchen Schnickschnack! An der Bremsanlage hat BMW zum Glück nicht gespart: Die G/S lässt sich bei Bedarf zusammenstauchen, dass man für die Existenz und die hohe Regelungsgüte des ABS dankbar ist.

Die Erfinder der unendlich scheinenden Aufpreisliste im Motorradsektor haben es trotz der Ausstattungs-Reduzierung auch bei der 13.000 Euro kostenden Urban G/S geschafft, Interessenten in preistreibende Versuchungen zu bringen: Motor-Unterschutz, Handschützer, Griffheizung und zahlreiche Frästeil-Pakete können dieses Modell zu einem Schmuckstück herausputzen. Die Testmaschine ist für BMW-Gepflogenheiten nur sparsam dekoriert: Griffheizung und Kreuzspeichenräder – das ist alles. Wir empfinden diese Besinnung aufs Wesentliche nicht als Nachteil. Und verzichten deshalb auf die Mitnahme eines Navigationssystems; eine Straßenkarte im Maßstab 1:200.000 muss genügen, um die schönsten Alpenpässe anzusteuern.

Die G/S zeigt sich auf der Autobahn bockstabil, entfaltet ihr wahres Wesen freilich im bergigen und kurvigen Geläuf der bayerischen Voralpen und der Alpen. Gleich zweimal darf sie den Sellastock mit den vier Pässen Sellajoch, Pordoijoch, Campolongopass und Grödner Joch im Eiltempo umrunden. Wie von selbst lenkt die 221 Kilogramm wiegende Maschine ein, entpuppt sich in Serpentinen wie auch in Links-Rechts-Links-Rechts-Kombinationen als wahres Kurven-Suchgerät. Müheloser lässt sich kein anderes Modell der Bayern fahren.

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