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Gefahren: Buell 1125 CR

Redakteur: Jan Rosenow

Die 1125-Baureihe hat Buell mit Karacho in den Abgrund gestürzt – und so fährt sie sich auch

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( Archiv: Vogel Business Media )

Wie hätte ich wissen können, dass es meine Abschiedstour auf einer Buell werden würde – die Testfahrt mit der 1125 CR im vergangenen Herbst? Damals überlegte ich noch, wie ich mir das Fahrerlebnis auf der Wasser-Buell schönreden könnte. Schließlich war ich seit meinen ersten Fahrten mit den traditionellen, luftgekühlten Modellen der Marke ein schwerer Fan von Erik Buell.

Das Design? Half hier nicht weiter. Die tief heruntergezogene Frontverkleidung mit dem fast unsichtbaren Scheinwerfer und die ausladenden Kühlerhutzen strahlten höchstens so etwas wie die brutale Variante von Charme aus – wie ein fieser Klassenschläger aus dem Problemviertel in einer Montessorischule.

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Konnte wenigstens das Fahrverhalten den ungünstigen optischen Eindruck korrigieren? Auf den ersten Kilometern im dichten Stadtverkehr zeigte sich die 1125 CR genauso stur und zickig, wie sie aussah. Ein Fahrwerk mit so kurzem Radstand und die geringe Masse sollten ein Motorrad eigentlich handlich machen, doch die Buell fuhr sich wie ein Panzer. Vorder- und Hinterrad arbeiteten mehr gegen- als miteinander, was vor allem in engen Kreisverkehren für Überraschungseffekte sorgte, und die wie eine Klapperschlange zubeißende Kupplung und der ruckelnde Motor machten es nicht besser. Irgendwie schaffte ich es trotzdem bis zur Stadtgrenze; auf den gut ausgebauten Landstraßen im Outback südlich von Würzburg fühlte sich die Maschine dann erkennbar wohler. Je größer die Radien, desto besser funktionierte das Fahrwerk mit seinen extremen Kennwerten. Stabil selbst auf schlechtem Belag und mit unergründlicher Schräglagenfreiheit trug es mich immer wieder in Temporegionen, die auf deutschen Landstraßen absolut nicht mehr angemessen sind. Gut, dass die riesige Einscheibenbremse nur die Kraft zweier Finger brauchte, um die Maschine vehement einzubremsen.

Der Motor verbraucht so viel wie ein Auto

Und der Motor? Erstmals hatte Buell kein getuntes Sportster-Aggregat verwendet, sondern bei Rotax einen modernen, wassergekühlten Kurzhub-V2 entwickeln lassen. Doch leider fehlt dem Motor – außer enormer, auf Landstraßen nicht mehr abrufbarer Leistung – alles, was ein Motorradfahrer an seinem Aggregat lieben könnte (Klang, Laufruhe, harmonische Leistungsentfaltung usw.). Der Auspuffsound ist für einen großen Zweizylinder eine Enttäuschung, die mechanische Geräuschkulisse klingt so, als würde er gerade einen Eimer Schrauben fressen, und mit dem Benzinverbrauch könnte man auch ein geräumiges Familienauto betreiben.

Insgesamt bietet die 1125 CR gegenüber den alten Langhubschlegeln keinen Vorteil – jedenfalls nicht beim drehmomentorientierten Streetsurfing auf der Landstraße, dem Haupteinsatzgebiet einer Buell. Was sich Herr Buell bei dem Ganzen gedacht hat, weiß ich auch nicht. Trotzdem wuchs mir das böse, schwer atmende Gerät im Laufe jenes langen Tages irgendwie ans Herz. Und heute, da ich weiß, dass es keine fabrikneuen Buells mehr geben wird, denke ich fast schon mit Zuneigung an die fiese Kiste zurück.

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