Gefahren: Jagdspinne Can-Am Spyder RSS

Redakteur: Jens Rehberg

Die perlweiße Special Edition des dreirädrigen Sport-Roadsters gibt der spaß-maximierten Fahrmaschine einen raffinierten Design-Kick.

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Man will sofort drauf und dann nicht wieder runter.
Man will sofort drauf und dann nicht wieder runter.
( Archiv: Vogel Business Media )

Hochdynamisch, stylisch, spaßgeladen und einzigartig wollen so viele Produkte der Kfz-Industrie sein. Die Can-Am-Reihe von BRP-Rotax kann das alles tatsächlich erfüllen. Die dreirädrige Fahrmaschine ist ein nahezu perfekt designtes Spaßmobil, das ein komplett neues Fahrerlebnis bietet, ohne dabei in eine exotische, völlig alltagsferne Dimension abzurutschen. Man kann das Fahrzeug, das in fast allen Belangen hohe Qualität und Alltagstauglichkeit beweist, trotz seiner unkonventionellen Konstruktion sowohl gut handeln als auch sehr sportlich fahren. Das einzige Problem dabei ist, dass man nur ein sehr vages Gefühl dafür hat, wann man in Grenzbereiche eintritt und es wirklich kritisch wird. Die hohe Dynamik des Ein-Liter-Zweizylinders mit 106 PS lädt jedenfalls permanent ein, entsprechend zu experimentieren.

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Dem Spyder RS, der schon einige Zeit auf dem Markt ist und seit kurzem von einer auf Reisekomfort ausgelegten Touring-Variante flankiert wird, hat BRP nun eine Auffrischung in Form eines Sondermodells verpasst. Die „RSS“-Variante gibt es ausschließlich in einer weißen Effektlackierung mit hochwertigerem Sitz, einem in das vordere Staufach eingepassten Trolley, polierten 6-Speichen-Alufelgen sowie einer 5-Gang-Halbautomatik. Die Fun-Granate hat mit rund 19.700 Euro allerdings ihren Preis.

Schon der Eindruck des stehenden Kraftfahrzeugs ist phänomenal. Der Spyder sieht aus jeder Perspektive heraus verdammt gut aus. Dabei ist kein Aspekt so aufdringlich, dass das Gesamtbild zu dick aufträgt.

Das Startritual ist schnell verinnerlicht: Ein lässiger Tritt auf die Feststellbremse (es sei denn, die Kanone steht grad steil in der Auffahrt) und mit dem Schlüssel die Zündung aktiviert, so dass die Elektronik hochfahren kann. Dann ein Fuß auf die Raste und das andere Bein über den Sitz geschwungen. Jetzt wird durch einen Knopfdruck über dem Display bestätigt, dass Einem klar ist, was es bedeutet, unangeschnallt in 4,5 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen. Mit herzlichem Gruß aus der Rechtsabteilung von Bombardier. Dann kann bei getretener Fußbremse gezündet werden.

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Der Rotax-Block grüßt gefällig mit sattem, heiserem Zwei-Zylinder-Sound. Falls rangiert werden muss, hilft jetzt der Rückwärtsgang ungemein. Mit ein bisschen Übung kann der „R-Knopf“ gehalten und dabei der Schalter der Halbautomatik von hinten angetippt werden – für diesen Vorgang braucht man zu Beginn zwei Hände und außerdem wird gerne auch mal die Hupe gestreift. Danach wieder zwei Mal nach vorne geschaltet und der erste Gang ruckt ein.

Jetzt wird alles ganz einfach. Fahrspaß schickt massenweise Glückshormone im Gehirn an den Start – bereits in der Stadt begeistert das vollkommen neue Fahrgefühl: Der Spyder muss nämlich mit nicht unerheblichem Einsatz des Oberkörpers um die Ecken gedreht werden. Das nimmt man aber nicht als mühevoll wahr. Ganz im Gegenteil, es überwiegt die immense Befriedigung, eine großartige Maschine zu bändigen und dabei nicht abgeworfen zu werden. Schließlich neigt sich der Spyder in Kurven wenn überhaupt eher nach außen und nicht wie vom Zweirad gewohnt fliehkraftgünstig nach innen.

Feuerbereite Raketenhalterungen

Die Perspektive vom Fahrersitz aus ist spektakulär. Unten sieht man das Fahrwerk arbeiten und die Schutzbleche der beiden Vorderreifen sehen von oben aus wie feuerbereite Raketenhalterungen. Dass man überhaupt mal den einen oder anderen Blick zur Seite oder sonstwohin riskieren kann, ist dem Zwei-Spur-Konzept zu verdanken. Wo beim Motorrad stets die Regel gilt: „immer nach vorne gucken“, kann man mit dem Spyder auch mal auf ein paar Meter ereignisfreien Geradeauslauf vertrauen und sich zwischendurch kurz dem Umfeld widmen.

Die Halbautomatik performt bereits bei langsamer Fahrt ausgesprochen komfortabel: Die durch Antippen des Schalters ausgelösten Gangwechsel gehen nahezu ruckfrei über die Bühne, auch ohne dass Gas weggenommen werden muss. Beim Abbremsen wird automatisch heruntergeschaltet. Kommt der Spyder zum Stillstand, legt das System den ersten Gang ein.

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