Gefahren: Kawasaki Ninja ZX-10R

Und noch ein Zehntel – Kawasaki macht Ninja ZX-10R fit für die Rennstrecke

| Autor / Redakteur: Heinz May/SP-X / Judith Leiterer

Mit der ZX-10R lässt es sich trotz der extremen Zielsetzung gut leben. Man hat sein Auskommen auf der Landstraße und im Alltag, sie bietet aber auch beim Trip über die Nordschleife feinste Voraussetzungen für gute Rundenzeiten.
Mit der ZX-10R lässt es sich trotz der extremen Zielsetzung gut leben. Man hat sein Auskommen auf der Landstraße und im Alltag, sie bietet aber auch beim Trip über die Nordschleife feinste Voraussetzungen für gute Rundenzeiten. (Bild: Kawasaki)

Das Rennen um den besten Supersportler setzt sich fort. In diesem Jahr hat Kawasaki seinen Boliden Ninja ZX-10R modernisiert – und zwar vor allem mit Blick auf den Rennstreckeneinsatz. Doch wie funktioniert das im Alltagsbetrieb?

Es gibt Stimmen von Führungspersönlichkeiten der Motorradindustrie, die Supersportler auf die Rennstrecke verbannen wollen: 200 PS bei ebenso viel Gewicht in Kilo und ein Spitzentempo um die 300 Stundenkilometer hätten im öffentlichen Straßenverkehr nichts zu suchen. In der Tat erreichte der Wettlauf um den potentesten Racer in den vergangenen Jahren Dimensionen, die sich wirklich nur noch auf Rennstrecken erfahren lassen. Hochgezüchtete Motoren und viele Elektronikfeatures lassen sich nur noch dort an die Grenzen bringen; wer das auf der Landstraße versucht, riskiert nicht nur seinen Führerschein.

Dass auch die am Wettlauf Beteiligten dies einsehen, mag die neue Evolutionsstufe der Kawasaki Ninja ZX-10R belegen. Die Änderungen gegenüber der Vorgängerin zielen vor allem darauf ab, sie auf der Rennstrecke nach vorne zu bringen. So blieb der bekannte Vierzylindermotor weitgehend unverändert; es wurde aber die Schwungmasse der Kurbelwelle verringert, um ihm mehr Drehmoment in den unteren Drehzahlbereichen zu verleihen. Das mag sich bei der Zeitenhatz in Hockenheim in Zehntelbereichen bemerkbar machen; im Alltagsbetrieb spürt man davon wenig, da auch die unteren Gänge des Sechsganggetriebes verlängert wurden, um dem Bike beim Rausbeschleunigen mehr Spritzigkeit zu verleihen. Auf der Landstraße, wo man eher untertourig unterwegs ist und nur selten den ersten Gang bemüht, tut sich der Motor dann – gemessen an seiner Potenz – doch überraschend schwer. Erst ab 7.000 Umdrehungen packt er so richtig zu und zeigt, was in ihm steckt.

Hat man mal die Chance zum Durchbeschleunigen, dann überraschen die drei oberen Gänge indes mit ihrer kurzen Auslegung, so dass man recht schnell wieder mit dem linken Fuß aktiv werden muss. Hierzu wird man vom bunten Drehzahlbalken, der die Armaturen über deren gesamte Breite dominiert, mit wildem Blinken aufgefordert. Mit Ausnahmen der Ganganzeige und dem Tacho sind alle anderen Anzeigen indes sehr klein geraten, so dass man meist zweimal hinschauen muss, um zu erkennen, welches Fahrprogramm eingelegt oder welche Stufe der Traktionskontrolle aktiv ist.

Nicht vergessen sollte man, dass die ZX-10R der erste Supersportler unter dem Diktat von Euro 4 ist, was sich auch an den seitlichen Reflektoren erkennen lässt. Vielleicht liegt es an der neuen Abgasregelung, dass der Sound etwas weniger emotional ausfällt. Vielmehr wird er geprägt von den mechanischen Laufgeräuschen aus dem Treibsatz. Der wuchtige Auspuff-Endtopf, immerhin aus leichtem Titan gefertigt, steuert wenig dazu bei.

Aber Obacht! Wir kritteln hier auf sehr hohem Niveau. So ist der Motor auch unter 7.000 Touren keineswegs schwächlich, es mangelt ihm halt lediglich im Vergleich mit der Konkurrenz ein wenig an Punch. Und sicherlich ist es eine Frage der Gewöhnung, vor Kurven auch mal den ersten Gang zu bemühen, denn das vorzügliche Getriebe verhagelt nur selten den schnellen Wechsel in den zweiten Gang – auch mit Schaltassistent. Der fiel übrigens dadurch auf, dass bei seiner Benutzung eine spürbare Zugunterbrechung auftritt. Beim Runterschalten ist nach wie vor die Betätigung der Kupplung vonnöten.

Was die schnelle Kawa aber für den Landstraßenritt vor allem prädestiniert, ist die vergleichsweise bequeme Sitzposition, die weniger kompromisslos ist wie bei anderen Supersportlern. Auf ihr lassen sich auch langsam gefahrene Kilometer ertragen, ohne dass die Handgelenke schmerzen. Geht es dann halt doch mal auf die Renne, gelingt es auch auf ihr, sich hinter die gut schützende Scheibe zu ducken.

Jenseits aller Kritik bewegen sich Bremsen und Fahrwerk. Für die neue Generation der ZX-10R sattelte man auf Brembo-Monoblocs des Typs M50 um und setzt nun vorne auf 330er Scheiben, die auf der Landstraße unterfordert sind. Hier überzeugen sie mit gut definiertem Druckpunkt und dem Gefühl, dass da noch viel mehr geht. Gleiches gilt für das Fahrwerk. Als erster Hersteller montiert Kawasaki eine Gabel mit Ausgleichsbehälter, der letztlich eine konstante Dämpfung sicherstellen soll und die jüngste Entwicklungsstufe von Showa darstellt. In der Tat vermittelte die Gabel in Zusammenspiel mit dem ebenfalls voll einstellbaren Federbein ein erstklassiges Gefühl für Straße und Vorderrad und jede Menge Vertrauen in die Stabilität und das Handling des Bikes. Unterstrichen wird das von einer vorbildlich dosierbaren Gasannahme.

Die Klassenführung aber übernimmt die Kawa, wenn es um die Preispositionierung geht: 17.195 Euro verlangen die Japaner für ihr schwarz-giftgrünes Geschoss. Das bewegt sich am unteren Endes dessen, was die Mitbewerber aufrufen. Auch das Tanken führt nicht in den Bankrott; unser Verbrauch mittelte sich bei 5,6 Liter je 100 Kilometer.

Fazit

Mit der ZX-10R lässt es sich trotz der extremen Zielsetzung gut leben. Man hat sein Auskommen auf der Landstraße und im Alltag, sie bietet aber auch beim Trip über die Nordschleife feinste Voraussetzungen für gute Rundenzeiten. Auch wenn hier und da Kleinigkeiten stören: Das ist Meckern auf sehr hohem Niveau.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44205308 / Bikes)

Aus unserer Mediathek