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Gefahren: Rewaco RF1 LT-2

| Autor / Redakteur: Jens Rehberg / Jens Rehberg

Extravagant zu unüberhörbaren Zylinderfanfaren vorfahren, um sich nach einer Schaurunde zügig dem Kurvendiebstahl zu widmen. Das geht gut mit dem Rewaco-Trike.

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Die 305er-Walzen hinten überstimmen manchmal das Solo-Vorderrad.
Die 305er-Walzen hinten überstimmen manchmal das Solo-Vorderrad.
(Foto: Rehberg )

Wenige Kraftfahrzeuge polarisieren so wie Trikes. Offene Missachtung auf der einen Seite, unverhohlener Neid auf der anderen. Der Redakteur hörte beim Entladen des Testfahrzeugs einrastende Spielautomat-Walzen in seinem Kopf – Hauptgewinn. Das Mischgefährt aus Pkw und Motorrad weckt archaische Urinstinkte: impulsives Zurückschrecken vor der vermeintlichen Missgeburt oder eben die Sehnsucht, auf der mächtigen Schimäre den Feind mühelos niederreiten zu können.

Aber zurück zur Sachlichkeit: Wir haben ein Chromgebirge aus Doppelscheinwerfern und einer Trapezlenkgabel, dahinter einen Bike-Tank, der keiner ist, mit einem transplantierten Schaltknüppel oben drauf, dahinter einen Sport-Liegestuhl, dahinter einen Fernsehsessel, montiert auf einem Diffusor-bestückten Roadster-Heck. Es gibt keinen Brems- beziehungsweise Kupplungsgriff, dafür zwei Pedale. Soweit alles klar?

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„Den kalten Motor nicht so hoch drehen, Bremse ist rechts unten“, sagt der Überführer. Danke. Zündung. Der 1,6-Liter-Ford-Vierzylinder-Turbo fährt hoch. Durch die nicht existierende Motorraumdämmung ist jede Klangnuance des laut-heiseren Heavy-Metal-Tracks zu vernehmen. Kupplung, erster Gang. Unwirsch zieht das Trike an und mit Nachdruck muss der linken Hand befohlen werden, sich vom Griff zu lösen, um das 5-Gang-Getriebe zu schalten. Das sitzt aber nach ein paar Kilometern, genauso wie der Tritt auf die Bremse, nachdem die Finger ein paar Mal ins Leere gegriffen haben.

Wirklich gewöhnungsbedürftig sind dagegen die Fahrzeugmaße. Schließlich hat der Fahrer primär das schlanke Vorderrad im Blick, ist aber tatsächlich mit einer hinteren Spurweite unterwegs, die der eines Audi A8 entspricht. Daher fährt es sich innerstädtisch nicht so entspannt – rechnet man doch ständig damit, dass die einzeln aufgehängten 305er-Walzen mit irgendetwas kollidieren.

Hinter dem Ortsschild wird aber alles gut. Die Fahrzeugbreite beeindruckt jetzt mehr den Gegenverkehr als den Fahrer; die entgegenkommenden Autos tendieren angesichts der nahenden dreibeinigen Jagdspinne respektvoll zum Fahrbahnrand hin.

Das Fahrerlebnis ähnelt am ehesten dem auf der Kartbahn. Natürlich lässt sich das Trike auch in Grenzbereichen deutlich kontrollierter steuern. Aber die sehr tiefe und luftige Sitzposition, das hart ausgelegte Fahrwerk und die spektakuläre Dynamik in kurvigen Passagen lassen Kartsportgefühle aufkommen. Gerade die holprigen Schubber-Drifts, die enge Kehren mit Fahrbahnunebenheiten mit sich bringen, sind aus der Halle wohl bekannt. Und das alles ohne brennende Armmuskulatur – das Handling des breiten Dreirads mit seinem tiefliegenden Schwerpunkt ist jederzeit gut zu bewältigen.

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Technische Details

Abmessungen (L/B/H): 3.570/1.880/1.100 mm; Gewicht: 635 kg; Motor: Vierzylinder-Reihenmotor (VCT), wassergekühlt mit Turbolader; Hubraum: 1.596 cm3; Leistung: 148 kW (201 PS); Max. Drehmoment: 250 Nm bei 3.800 min-1; Höchstgeschwindigkeit: 200 (abgeregelt); Beschleunigung 0-100: 4,5 sek.; Kraftübertragung: Fünf-Gang-Schaltgetriebe, Rückwärtsgang; Bremsen: Scheibenbremse; Reifen: 200/50 ZR 17 vorn, 305/30 ZR 19 hinten; Vorderachse: Trapezlenkgabel mit Zentralfederelement; Hinterachse: Einzelradaufhängung mit Bilstein-Gasdruckdämpfer; Tankinhalt: 40 Liter; Preis: 40.490 Euro

Es sei denn, der Turbolader wird beim Anfahren an der Kreuzung direkt sportlich belastet; lenkt man dann gleichzeitig ein, schieben die Hinterräder das Fahrzeug – keine Überraschung – ausschließlich geradeaus. Das einsame Vorderrad ist bei Trikes nun einmal beständig in der Unterzahl.

Allein bei Nässe ist erhöhte Aufmerksamkeit angeraten, denn dann rutscht die Stiefelsohle an der nur spärlich gummierten Bremse leicht ab. Aber Alltagstauglichkeit ist für diese Art der Fortbewegung auch kein Maßstab. Wer sich ein Rewaco-Trike der getesteten Reihe zu Basispreisen ab knapp 28.000 Euro zulegt, der will extravagant zu unüberhörbaren Zylinderfanfaren vorfahren, um sich nach einer Schaurunde zügig dem Kurvendiebstahl zu widmen. Oder einfach nur in exponierter Position gerade Bahnen cruisen; diese Bedürfnisse erfüllt das Trike zur vollsten Zufriedenheit.

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