Gefahren: Suzuki Burgman 400

Aktives Reiserollern

| Autor / Redakteur: Thilo Kozik/SP-X / Vivian Wetschera

Der Suzuki Burgman 400.
Der Suzuki Burgman 400. (Bild: Suzuki)

Im Grunde genommen gehören Roller in die Stadt: Das man damit auch reisen kann, ist allerdings keine ganz neue Erkenntnis. Suzuki hat seinen Reise-Klassiker jetzt erneuert.

Vor fast zwanzig Jahren war Suzukis Burgman 400 der erste reiselustige Mittelklasse–Scooter. Seitdem haben sich die Burgman–Modelle von 125 bis 650 Kubik den Ruf rollernder Sofas erworben. Doch mit dem neuen Burgman 400, der ab Oktober zum Einführungspreis von 7.290 Euro in den Handel kommt, betonen die Japaner die dynamische Seite der Großrollerfamilie.

Dafür sorgen zuallererst die taillierteren Kunststoffteile, assistiert von modernen LEDs bei Scheinwerfer, Tagfahrlicht und der Heckleuchte. Insgesamt erscheint der Mittelklasse–Scooter durch die kompaktere Form und die nach hinten aufstrebenden Linien insbesondere in der schwarzen Version mit roten Felgen richtig modern. Das neue, stark gestufte Sitzmöbel wahrt eine erdverbundene Position in 75 Zentimetern Höhe, die unter allen Bedingungen einen beidbeinigen Stand sicher stellt. Hinter dem moderat gekröpften Lenker sitzt der Fahrer aufrecht, dennoch entspannt, und genießt die wirkungsvolle Unterstützung des unteren Rückens durch die verschiebbare Rückenlehne. Aus der einst chopperartigen Haltung ist eine aktive Positionierung geworden.

Zum Starten wird, wie bei Rollern üblich, der Bremshebel gezogen, dann das Knöpfchen gedrückt, und schon läuft der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder rund. Aus 399 Kubizentimeter Hubraum generiert der laufruhige Vierventiler solide 31 PS, von einer CVT–Automatik nahtlos ans Hinterrad weitergeleitet. Obwohl das Hinterrad dadurch sehr sanft und eine Spur verzögert antritt, erarbeitet sich der Burgman aus dem Stand weg einen kleinen Vorsprung gegenüber dem restlichen Verkehr, was in der Stadt nicht zu verachten ist. Die gelungene Abstimmung der Variomatik und das früh anliegende maximale Drehmoment von 36 Newtonmeter sind aber auch dafür verantwortlich, dass auf dem mitunter schlüpfrigen Untergrund der Turiner Innenstadt das Hinterrad durchdreht – eine Traktionskontrolle stünde dem Japaner durchaus gut zu Gesicht.

Sieben Kilo weniger als bei der Vorgängerin sind der Fahrdynamik zuträglich, auch wenn die restlichen 215 Kilogramm immer noch viel Roller darstellen. Den guten Fahreindruck nicht nur im Stadtgewühl, sondern auch im Asphaltgeschlängel vor den Toren verdankt der Burgman seiner rollerunüblichen Fahrwerkskonstruktion: Vorn rotiert nun ein relativ großes 15–Zoll–Vorderrad, das mehr Präzision und Neutralität beim Einlenken bringt. Hinten stützt sich die Triebsatzschwinge über ein unter dem Motor liegendes, progressiv angelenktes Federbein gegen den Stahlrohrrahmen ab. Und die Abstimmung liefert statt des schwammigen Komforts klassischer Reisesofas eine stabile Straßenlage, was zusammen mit der aktiven Fahrerhaltung eine engagierte Fahrweise ermöglicht.

Konzeptgemäß zurückhaltend verzögern die Schwimmsattelzangen im Vorderrad – ehrlich, entsprechend der relativ hohen Handkraft mit zunehmender Wirkung, aber ohne hinterlistige Bissigkeit. Mit dem nicht zu früh eingreifenden ABS liegt der Suzuki auf der sicheren Seite, in dieser Klasse sollten einstellbare Bremshebel jedoch der Standard sein.

Davon abgesehen fällt die Ausstattung sehr manierlich aus: Das Cockpit mit zwei Analoguhren und einer LCD-Anzeige ist vollständig und auch bei Sonne fast blendfrei ablesbar. Eine Feststellbremse sichert gegen unbeabsichtigtes Wegrollen und unter die vom Zündschlüssel entriegelbare Sitzbank – leider ohne Beleuchtung – passen zwei Helme; zwei Handschuhfächer im Bug nehmen weitere Kleinigkeiten auf und bieten eine 12–Volt–Bordsteckdose. Gegenüber dem Vorgänger ist das Stauvolumen jedoch deutlich kleiner, und auch der Windschutz hinter der kleineren Scheibe ist nicht mehr allumfassend.

Das ist eine Folge des überarbeiteten Konzepts, das dem 400er einen merklichen Dynamikgewinn ohne höheren Verbrauch beschert, im Gegenteil: Der Neue begnügt sich bei rund vier mit einem halben Liter weniger als der Alte. Ob der renovierte Burgman 400 damit neue Freunde gewinnen kann, wird sich ab Oktober zeigen, wenn er zum Einführungspreis von 7.290 Euro beim Händler steht.

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