Gefahren: Suzuki V-Strom 650

Massenkompatible Mittelklasse-Reiseenduro

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Joram Schweizerhof

2017 schickt Suzuki die V-Strom 650 in zwei Varianten ins Rennen: zusätzlich zur Standardversion (mit Zehnspeichen-Aluminiumrädern) gibt es eine XT-Ausführung.
2017 schickt Suzuki die V-Strom 650 in zwei Varianten ins Rennen: zusätzlich zur Standardversion (mit Zehnspeichen-Aluminiumrädern) gibt es eine XT-Ausführung. (Bild: Suzuki)

Die Mittelklasse-Reisemaschine V-Strom 650, seit 14 Jahren im Suzuki-Programm, ist einer der Aktivposten des japanischen Herstellers. Eine gründliche Überarbeitung hebt das Allrounder-Bike auf ein neues Niveau.

Erfolgsverwöhnt ist Suzuki zuletzt nicht gerade: 6.704 Neuzulassungen wies der Industrieverband Motorrad 2016 für die japanische Marke aus, das sind etwa 200 Fahrzeuge weniger als alleine die BMW R 1200 GS im Vorjahr zustande brachte. 2001 war Suzuki mit knapp 30.000 Einheiten noch Marktführer in Deutschland gewesen – jedes fünfte Motorrad war seinerzeit eine Suzuki.

Mittlerweile ist der Marktanteil von gut 20 auf 5,7 Prozent zurückgegangen. All die Jahre über hat die 2003 präsentierte V-Strom 650 die Suzuki-Fahne hochgehalten. Fast immer war dieses mit breit gefächerten Fähigkeiten ausgestattete Bike unter den 25 bestverkauften Modellen des deutschen Marktes zu finden. 2017 tritt die Mittelklasse-Reiseenduro gleich in zwei Varianten an: Zusätzlich zur Standardversion (mit Zehnspeichen-Aluminiumrädern) gibt es eine XT-Ausführung, die mit goldfarbenen Drahtspeichenrädern sowie mit Motorverkleidung und Handprotektoren für rund 9.000 Euro erhältlich ist.

Schon der erste Blick offenbart, dass Suzuki die 650er auf ein neues Niveau hieven will: Die optischen Ähnlichkeiten zur leistungsstärkeren V-Strom 1000 sind unübersehbar. Beide weisen den gleichen, senkrecht gehaltenen Doppelscheinwerfer auf, beide haben die gleiche Silhouette. Die Unterschiede lassen sich erst auf den zweiten Blick erkennen. Ganz klar: Die V-Strom 650 wirkt deutlich erwachsener und attraktiver als bislang. Erst recht als XT-Version: Bei ihr verdeckt eine ausladende schwarze Kunststoff-Verkleidung die vielen Kabel und Schläuche des V2-Motors und die goldfarbenen Drahtspeichenräder machen durchaus was her. 600 Euro zusätzlich verlangt Suzuki für die XT gegenüber der Standardversion.

Sehr wettbewerbsfähiger Preis

Im Fahrverhalten gibt es aufgrund der technischen Identität beider Versionen keine nennenswerten Unterschiede. 8.990 Euro lautet der Preis für die XT, 8.390 kostet die Standardversion der Suzuki V-Strom 650. Im Wettbewerbsumfeld darf das als günstig gelten.

In Zuge der erforderlichen technischen Überarbeitung zur Erfüllung der Euro-4-Vorschriften hat der 645 Kubikzentimeter große V2 keine Leistung eingebüßt – im Gegenteil: Für die 2017er Auflage gibt Suzuki mit 52 kW/71 PS kW sogar 2 PS mehr bei leicht reduziertem Verbrauch an. Das Triebwerk arbeitet bei jeder Drehzahl kultiviert und agiert insbesondere bei mittleren Drehzahlen angenehm druckvoll. So ist es keine Kunst, mit 4 bis 4,5 Litern Benzin 100 Kilometer weit zu kommen, ohne deshalb bummeln zu müssen. Erstmals weist die V-Stom 650 eine elektronisch arbeitende Traktionskontrolle auf: Sie bietet zwei Empfindlichkeitsstufen und arbeitet sehr sensibel. Dank des extrem hohen Grip-Levels der für die ersten Testfahrten genutzten spanischen Landstraßen drängte sich das System nicht in den Vordergrund. Seine Wirksamkeit und die hohe Regelgüte bewies es jedoch beim provozierten Gasaufreißen auf nassen Zebrastreifen.

Klasse Fahrwerk

Ausgesprochen gut zurechtgekommen sind wir mit dem nur leicht überarbeiteten Fahrwerk der 650er: Die Gabel wurde etwas straffer abgestimmt. Zusammen mit dem neu entwickelten Bridgestone-Reifen vom Typ Battlax-Adventure 40, der nur auf der XT-Version montiert wird, ergab sich ein vorzügliches, extrem ausgeglichenes Fahrverhalten. Wechselkurven gehen leicht von der Hand, beim Hineinbremsen in Kurven zeigt sich nicht einmal ein Ansatz von Aufstellneigung. Der Fahrkomfort ist gut, nur sehr böse Schikanen der Straßenbauer erschüttern die Arme bzw. den Rücken des Fahrers.

Der Lenker ist allerdings etwas zu stark gekröpft und auch etwas zu schmal ausgefallen, so dass sich eine nur wenig aktive Sitzposition ergibt. Der neue, komfortablere Sitz wie auch die Sitzhöhe gefallen. Zufriedenheit herrscht auch beim Blick ins Cockpit: Der runde Analog-Drehzahlmesser dominiert, er ist bestens ablesbar. Auch die restlichen Digitalanzeigen inklusive Ganganzeige sind klar strukturiert, zudem ist der Bordcomputer vom Lenker aus bedienbar. Durchaus nützlich ist die automatische Leerlaufanhebung um einige hundert Umdrehungen, die beim Einkuppeln wirksam wird und das Abwürgen des Motors beim Anfahren zuverlässig vermeidet.

Ein Bike auch für Einsteiger

Doch nicht nur deshalb würden wir die V-Strom 650 auch Fahrerinnen und Fahrern empfehlen, deren Motorradkarriere erst beginnt: Die Suzuki ist ein sehr ausgewogenes, leicht zugängliches und bei allen Fahrmanövern transparent wirkendes Motorrad, mit dem sich nach sehr kurzer Eingewöhnungszeit hohes Fahrvergnügen realisieren lässt. Gerne dürfen es auch längere Reisen sein, denn die Entwickler haben sich entschlossen, der V-Strom ein eng anliegendes Gepäcksystem mit auf den Weg zu geben; das bislang nötige Rohrgestell hat ausgedient.

Man darf davon ausgehen, dass diese Suzuki auch weiterhin einen Erfolgsfaktor für die japanische Marke darstellen wird. Für uns ist sie die bei weitem beste V-Strom 650 auf dem Markt.

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