Gefahren: Yamaha MT-09 - Aus einer anderen Galaxie?

Japanisch perfekt und doch anders

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Die dunkle Seite der Macht - Yamahas neue MT-09 wird entsprechend dem Verkaufsslogan inszeniert.
Die dunkle Seite der Macht - Yamahas neue MT-09 wird entsprechend dem Verkaufsslogan inszeniert. (Foto: Yamaha)

Mit der MT-09, Yamahas neuesten Wurf, sorgen die Japaner abermals für Schlagzeilen – diesmal allerdings positive. Verkaufsmotto des neuen Dreizylinder-Bikes: „The dark side of Japan“.

Sie haben etwas gegen Kompromisse? Und Sie denken, Yamaha bringt motorradtechnisch nichts Anständiges mehr auf die Reihe? Dann sind Sie, mit Verlaub, schön blöd! Denn was die Ingenieure des musikalischen Fahrzeugherstellers aus Iwata in Form ihres jüngsten Babys auf die Beine bzw. Räder gestellt haben, verdient nicht Respekt, es verdient Anerkennung. Die MT-09, so die Modellbezeichnung des brandneuen Nakedbikes, dürfte dafür sorgen, dem Ansehen der bekannten Marke zu neuem alten Glanz zu verhelfen.

Dabei sind die Japaner in Sachen lmage nicht gerade glänzend unterwegs – im Gegenteil. Getreu dem Star-wars-Motto „Die dunkle Seite der Macht“ und angelehnt an den Titel der legendären Langspielplatte der Rocktitanen von Pink Floyd erhielt der Roadster den Untertitel „The dark Side of Japan“. Damit möchte die Marketingabteilung in die geistigen Festplatten potenzieller Bikekäufer brennen, dass bei der Entwicklung der MT-09 die klassischen japanischen Werte wie Fleiß, Zuverlässigkeit und Perfektion nicht zwangsläufig mit Uniformität, Charakterlosigkeit und mangelnden Emotionen einhergingen. Stattdessen stand die Subkultur asiatischer Großstadtbewohner mit ihrem Drang nach Spaß, Nervenkitzel und dem Need-for-speed Pate.

Herausgekommen ist dabei eine überaus sportlich-agile und potente Fahrmaschine, die zugleich über sinnvolle Tugenden wie Alltagstauglichkeit und Komfort verfügt – praktisch die Quadratur des Motorradkreises. Dabei haben die Entwickler nicht nur tief in die technische Trickkiste gegriffen, sie haben auch gezielt nach Europa geschielt; schließlich haben sie die alte Welt auch als Hauptabsatzgebiet des neuen Imageverbesserers auserkoren. Über anvisierte Absatzzahlen hüllte sich der Europaimporteur im Rahmen der Pressevorstellung jedoch in vornehmes Schweigen.

Der Motor: leicht und leistungsstark

So verwundert es kaum, dass das Kernstück der eindrucksvollen Fuhre ein vollständig neu entwickelter Dreizylinder ist – Triumph, MV Agusta und Co. lassen grüßen. Der 847cm3-DOHC-Triple bietet laut seinen Erfindern das Beste aus zwei Welten: den perfekten Kompromiss aus einem leichtgewichtigen und platzsparenden Zweizylinder und dem harmonischen Lauf- und Leistungsverhalten eines Vierzylinders, allerdings ohne dessen Gewicht und Breite.

So wiegt das neue Aggregat mit seinen 60 Kilogramm immerhin zehn weniger als das der FZ8, obwohl in ihm sogar eine Ausgleichswelle gegen unerwünschte Vibrationen rotiert. Der Hubzapfenversatz von 120 Grad und die entsprechend regelmäßige Zündfolge bürgt von Haus aus für einen „smooth-ride“. Dabei verläuft das Massendrehmoment nahezu parallel zum Verbrennungsmoment. Somit fällt letzteres sogar höher aus als bei einem Vierzylindermotor. Zusätzlich baut der Krummzahler aufgrund eines Konstrukteurstricks zusätzlich schmaler: Sämtliche Zylinder sind um wenige Grad zueinander versetzt angeordnet.

Befüttert via Ride-by-wire-Technik gesteuerter Drosselklappen, die mit direkt am Zylinderkopf sitzenden Einspritzdüsen interagieren, sorgt dieses Duo zum einen für ein sehr spontanes Ansprechverhalten, zum anderen für eine hohe Effizienz des verfeuerten Sprits. Der findet via Edelstahlkrümmer (für eine gute Optik beschichtet) und tief angebrachten -Schalldämpfer (gut für den Schwerpunkt) den Weg ins Freie. Mit stattlichen 115 PS (85 kW) bei 10.500 min-1 und 85 Nm bei 8.500 min-1 bei gerade einmal 171 kg Trockengewicht (188 kg „nass“) versprechen die nackten Papierwerte jede Menge Agilität und Fahrspaß.

Wählbare Setups als Adrenalinkick

Und den halten sie in der Praxis auch, wie ein 300-Kilometer-Testride über kroatische Berg- und Küstenpisten eindrucksvoll zutage brachte. Eine Drehmomentkurve, die gefühlt einer steilen Geraden und damit eher der von modernen Pkw-Turbomotoren entspricht, sorgt für eine absolut gleichmäßige Kraftentfaltung vom ersten Grad Drehwinkel des Gasgriffs bis zum letzten. Egal ob fahrende Wohnmobil- oder Omnibus-Schrankwand (ruck-zuck geschnupft) oder serpentinenmäßige Bergfahrt (schneller raus als rein in die Kehre): Die MT-09 geht ab wie Schmitz' Katze. Ab rund der Hälfte des breiten Drehzahlbands spürt der Fahrer förmlich die ungerade Zylinderzahl; allerdings nicht in Form rauer Vibrationen, stattdessen kräftigeres „Kribbeln“ –„Yeah baby yeah“, wie Austin Powers sagen würde.

Hingegen wird die Gangwahl des sich perfekt schaltenden und ebenfalls neu entwickelten Getriebes, bei „normaler“ Fahrweise schon fast zweitrangig. Kraft zu jeder Zeit bietet der Dreipötter und zeigt damit neben sportlichen auch überaus hohe Alltagsqualitäten.

Das trifft vor allem dann zu, wenn man mit „B“ die softe Stufe des Motormanagement-Setups gewählt hat. Während sich die Maschine bereits bei der Standardkonfiguration im städtischen und Kolonnenverkehr nervös gibt, ist die „A“-Variante nur etwa für Angaser und Adrenalinjunkies. Aber: Wer nicht will, kann jederzeit per Einfinger-Knopfdruck schnell und einfach wechseln. Letzteres gilt auch der präzise zu dosierenden Kupplung: Dank ihrer verdienen Gangwechsel das Prädikat „easy“.

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