Gefahren: Yamaha Xenter 125

Stimmige Lösung

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Vivian Wetschera

3.350 Euro verlangt Yamaha für sein frisch überarbeitetes Großstadtroller-Modell Xenter 125.
3.350 Euro verlangt Yamaha für sein frisch überarbeitetes Großstadtroller-Modell Xenter 125. (Bild: Yamaha)

Die für den Stadtverkehr besonders geeigneten Großradroller wie der Yamaha Xenter 125 machen die größten Stückzahlen auf Europas Märkten. Nicht ganz zu unrecht.

Drei Typologien von Motorrollern hält der riesige Markt bereit: wendige Stadtroller mit kleinen Rädern wie die Vespa, die auch für längere Strecken geeigneten Tourensport-Scooter wie beispielsweise den BMW C 650 Sport und zudem noch souveräne Stadt- und Vorort-Roller mit großem Raddurchmesser. So einer ist der Yamaha Xenter 125, mit dem sich dieser Fahrbericht beschäftigt. Er liegt stark im Trend, stellen die Großradroller in Europa doch mit rund 175.000 im vergangenen Jahr verkauften Einheiten die klare Mehrheit von 42 Prozent der Scooter-Neuzulassungen; damit liegen sie weit vor den Sport-Scootern und noch weiter vor den Kleinrad-Rollern. Hoher Fahrkomfort, große Fahrstabilität dank der großen 16-Zoll-Räder und der flache Boden sind die Haupt-Kaufgründe für den 2012 erstmals präsentierten Xenter, weiß die Marktforschungsabteilung des Herstellers. Wie fährt sich das für 2017 auf das Euro-4-Niveau gehievte Modell?

Die aktuelle „Blue-Core-Engine“ von Yamaha mit 125 Kubikzentimetern Hubraum ist wassergekühlt, doch der Betrachter sieht das nicht; um einen möglichst großen Fußraum realisieren zu können, haben die Entwickler den Kühler seitlich neben dem Motor platziert. In einem weiteren Punkt unterscheidet sich der Xenter technisch von den meisten seiner Mitbewerber; statt zwei Federbeinen arbeitet am Heck ein einzelnes, liegend oberhalb des Triebwerks montiertes Federbein. „Monocross-Hinterradaufhängung“ nennt Yamaha das aus dem Scooter-Flaggschiff T-MAX übernommene System. Es lässt das Fahrzeugheck leicht und luftig wirken, weil keine Stoßdämpfer im Sichtfeld liegen. Die Antriebsleistung von 9 kW/12,5 PS genügt für den städtischen Bereich, führt aber angesichts von immerhin 142 Kilogramm Leergewicht nicht zu überbordenden Fahrleistungen. Ohnehin ist für die Kundschaft eine gleichmäßige Leistungsabgabe sowie ein sanfter Motorlauf in dieser Fahrzeugklasse weitaus wichtiger als ein geringes Plus bei der Beschleunigung. Das Ansprechverhalten des Einzylindermotors wie auch die Geschmeidigkeit der Variomatik gefallen uneingeschränkt.

Absolut überzeugend agiert der Xenter 125 in punkto Fahrwerk: Er lenkt dank seines recht breiten Lenkers leicht ein und vermittelt ein souveränes, sicheres Fahrgefühl. Auch auf holprigen Kopfsteinpflasterstrecken gerät der Xenter, anders als viele Roller mit kleinen Rädern, nicht aus der Ruhe. Zudem bleibt der Fahrkomfort auf solch unebenem Geläuf überdurchschnittlich hoch. Dabei schließen sich hohe Fahrstabilität und leichte Manövrierbarkeit keineswegs aus; es gelingt mühelos, auch schmale Durchfahrten sicher zu nutzen. Zudem lässt sich dieser Roller leicht auf den Ständer stellen. Auch wenn der Xenter 125 mit seiner hinteren Trommelbremse technisch bedingt kein ABS nutzen kann, darf man der Bremse sowohl eine gute Wirkung wie eine gute Dosierbarkeit bescheinigen; der Blockiergefahr wird durch ein Kombi-Bremssystem verordnungskonform Einhalt geboten.

Ein hoher Alltagsnutzen und eine markante Bedienungsfreundlichkeit standen beim Xenter im Fokus der Entwickler. Deshalb hat Yamaha diesem Modell nicht nur ein Ablagefach in der Front, sondern auch speziell entwickeltes Zubehör mit auf den Weg gegeben – insbesondere das 170 Euro zusätzlich kostende Topcase ist wichtig, weil das Staufach unterm Sitz trotz seiner nun verbesserten Formgebung nicht das sonst bei Rollern übliche Volumen erreicht. Die großen Räder benötigen halt mehr Raum als kleine. Sehr zufrieden waren wir bei den Testfahrten weiterhin mit dem hohen Windschild für 120 Euro, die auch den Händen einen gewissen Wind- und Wetterschutz zukommen lässt; die 36 Euro kostenden Halter müssen freilich zusätzlich erworben werden. Auch passende Heizgriffe (170 Euro) hält der Yamaha-Händler für Xenter-Kunden bereit.

Mit nur elf Prozent Käufern, die vorher noch keinen Yamaha-Roller besessen haben, schneidet der Xenter 125 in der „Eroberungs-Statistik“ eher schlecht ab; im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass 89 Prozent – ein Drittel davon sind übrigens Frauen – schon Vorerfahrungen mit der Marke mit den drei Stimmgabeln im Logo hatten. Xenter-Kunden sind dennoch im Mittel die jüngsten unter den Käufern der 125er Yamahas. 3.350 Euro müssen sie mindestens aufbringen, um einen Xenter 125 pilotieren zu können, dazu kommen noch Nebenkosten sowie das erwähnte Zubehör. Dafür gibt’s dann aber ein stimmiges Paket aus ansprechender Dynamik, viel Platz, hohem Fahrkomfort und ausgesprochen sicheren Fahreigenschaften.

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