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Gruezi, Online-Motorradhandel in Deutschland

| Autor / Redakteur: Katrin Amling / Elena Koch

Der Handel im Internet boomt in vielen Branchen, auch im Motorradgeschäft. Doch immer mehr Händler und Käufer weigern sich, weiterhin die Preishoheit der Marktführer zu akzeptieren. Das große Vakuum hinter Mobile.de und Co. wird durch einen neuen Player aus der Schweiz wieder ein Stück mit Leben gefüllt.

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Derzeit umfasst der Motorradbestand der neuen Onlinbörse rund 8.000 Fahrzeuge.
Derzeit umfasst der Motorradbestand der neuen Onlinbörse rund 8.000 Fahrzeuge.
(Bild: bike und business/Marcel Gollin)

Eigentlich haben wir genaue Vorstellungen von dem, was wir haben möchten. Leistung, Ausstattung und Preisrahmen sollen möglichst genau unseren Wunschvorstellungen entsprechen. Die Suche beginnt, sollte in Zeiten des Internets ja kein Problem mehr sein. Doch nach einigen Stunden der ausgiebigen Recherche in den Tiefen des Netzes macht sich Ernüchterung breit. Die Augen sind bereits müde und müssen doch immer wieder die gleichen Angebote von den gleichen Händlern auf den gleichen Portalen unter die Lupe nehmen. Frustriert verschieben wir die Suche auf einen anderen Tag. Die Überzeugung, dass die Traummaschine dort draußen irgendwo auf uns wartet, ist schon ein wenig kleiner geworden. Eine ähnliche Situation haben bereits viele erlebt, die sich im Internet auf die Suche nach einem neuen Motorrad begeben haben. Die Angebote sind überteuert und stammen meist von den großen Marktführern der Branche. Alternativen gab es bisher kaum.

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Alternative zu den Platzhirschen

Circa 4,3 Millionen Motorräder gibt es laut Statista in Deutschland. Sichtbar zum Verkauf durch professionelle Händler stehen aber nur rund 100.000 davon, die stille Reserve ist groß. Das macht es für Käuferinteressenten so schwer, genau die Maschine zu finden, die sie sich wünschen. Die Marktführer Mobile.de und 1000 PS beherrschen das Feld und lassen wenig Platz für Konkurrenz. Daher sind Preiserhöhungen für das Inserieren von Motorrädern problemlos machbar, was sich auf die Verkaufspreise niederschlägt. So steigen in Deutschland seit vielen Jahren die Kosten für Händler und Käufer immer stärker. Eine Entwicklung des deutschen Online-Motorradmarktes, die nicht zum Vorteil der Nutzer ist.

Das neue Verkaufsportal Motomarkt.de möchte dieser Entwicklung gegensteuern. Die Plattform ist Teil der A-Commerce AG, die seit 16 Jahren das Pendant Motorradhandel.ch in der Schweiz betreibt und dort Marktführer ist. Die deutsche Version Motomarkt.de ist seit knapp einem Jahr online. Mittlerweile verfügen sie über 120 Händler und ca. 8.000 inserierte Fahrzeuge. Bis Ende des nächsten Jahres soll die Zahl auf bis zu 12.000 Maschinen steigen.

Das Vakuum hinter Mobile.de

Michael Neugebauer, Leiter des Vertriebs, möchte das schweizerische Erfolgskonzept auch in Deutschland etablieren. Auf der »bike und business«-Fachtagung in Würzburg erklärt der Mann mit Brille und zurückhaltender Art seine Strategie: „Wir wollen das Vakuum, das hinter Mobile.de entstanden ist, schließen. Die Preisentwicklung ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Für viele Händler lohnt es sich nicht mehr, ihre zum Verkauf stehenden Fahrzeuge herzurichten und im Netz zu inserieren – ganz einfach, weil die Kosten zu hoch sind.“ Das Preismodell von Motomarkt.de ist einfach. Für 79 Euro können Händler beliebig viele Fahrzeuge präsentieren – das ist nur ein Bruchteil der Preise der großen Marktführer.

Denn neben den Käufern leiden unter der Übermacht von mobile.de und Co. vor allem auch die kleineren und privaten Händler. 500 bis 600 Euro müssen Anbieter bei den Marktführern bezahlen, um ihre Motorräder in den Online-Portalen anzubieten. Motomarkt.de hat vor seinem Start viele Händler dazu befragt, welche Anforderungen sie an eine Vertriebsplattform stellen. Herausgekommen ist, dass sich neben bezahlbaren Preisen der Großteil auch die Möglichkeit wünscht, Zubehör und Ersatzteile auf der gleichen Plattform anbieten zu können. Mit diesen Erkenntnissen konnte Motomarkt.de sich am schweizerischen Mutterportal orientieren und mit dem bereits vorhandenen Know-how sehr schnell eine deutsche Version entwickeln. „Ohne unsere Expertise von Motorradhandel.ch hätten wir viel länger gebraucht, um Motomarkt.de auf die Beine zu stellen. So haben wir es geschafft, genau zum richtigen Zeitpunkt in den Markt einzugreifen. Wären wir ein Jahr später gekommen, hätten wir die Entwicklung verpasst. Denn die Diskussionen um nicht angemessene Preise bei Mobile.de haben sich immer mehr zugespitzt.“

Unsere Homepage soll schöner werden

Doch das Portal will Händlern auch helfen, ihren eigenen Online-Auftritt zu verbessern. Michael Neugebauer kennt viele Websites, die den heutigen Ansprüchen der Nutzer nicht mehr genügen: „Es gibt immer noch sehr viele Seiten, die statisch sind und mobile Geräte nicht erkennen. Da ein großer Teil der Nutzer heute aber über Smartphones oder Tablets auf Händlerseiten zugreifen will, ist ein Responsive Design Pflicht. Das heißt, die Seiten müssen sich beim Zugriff durch mobile Geräte entsprechend verändern und anpassen. Andernfalls ist das Risiko zu hoch, dass der Nutzer die Seite nicht wieder besucht.“ Neugebauer, der selbst seit zehn Jahren in der Schweiz lebt, richtet sich mit seinen Tipps bewusst an Neulinge in diesem Bereich. Denn auch Profis im Verkauf seien in Sachen Webauftritt oft noch völlige Anfänger.

Die zukünftige Entwicklung des Motorradhandels im Internet hängt vor allem von den Händlern und Käufern ab. Wenn diese nicht länger bereit sind, mehrere hundert Euro an eine Plattform zu zahlen, werden sie sich zwangsläufig nach Alternativen umsehen. Ein Nischenprodukt wie Motomarkt.de, das sich auch explizit an kleinere und freie Händler richtet, gab es bisher einfach nicht. Die Chancen, das Wunschmotorrad zu einem bezahlbaren Preis zu finden, steigen also wieder – viele frustrierte Zweirad-Liebhaber wird das freuen und den Handel auch. Entstehen ihm doch weniger Kosten.

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