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Händler beim Online-Monopoly: Gehen Sie nicht über Los...

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 13/II), Folge 677: Seit vielen Jahren herrscht auf dem Markt der Onlinefahrzeugbörsen aus Sicht der Motorradhändler eine Dominanz weniger großer Anbieter. Nun aber wird die Digitalszene ordentlich durchgerüttelt. Jüngstes Beispiel: Die Scout24-Gruppe, zu der mit Autoscout24 der zweitgrößte Fahrzeugmarktplatz gehört, ist an einer Übernahme der Ebay-Tochter Mobile.de interessiert. Kommt es dazu...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...wäre das für den Handel ein denkbar schlechtes Szenario. Denn Folge einer solchen Übernahme wäre ein neuer Gigant mit noch marktbeherrschender Stellung als bisher schon. Davor warnt jetzt beispielsweise der Auto-Branchenverband ZDK – zu Recht. Denn klar ist, dass marktdominierende Unternehmen leicht ihre Preise diktieren können. Jetzt seien die Wettbewerbshüter gefragt, weil gerade in der Digitalwirtschaft Quasi-Monopole einzelner Anbieter schaden, verlautet es aus Bonn.

Mehr denn je stehen Alternativen für Mobile, Ebay oder Autoscout24 im Fokus. Schlägt nun die Stunde von Bidabike.de, Motomarkt.de, Heybike8.de und Co.? Noch tun sich diese Nischenanbieter – trotz jeder Menge händlerfreundlicher Tools und fairen Gebührenstrukturen – ziemlich schwer mit der Akzeptanz bei Händlern und Endkunden. Denn die Marktmacht, aber auch der zweifellos hohe Professionalisierungsgrad in Sachen erfolgreicher Transaktion von Fahrzeugen der etablierten Börsen sowie deren Marketing- und Vertriebsaktivitäten sind so gewaltig, dass sie alle anderen Aktivitäten von Konkurrenten – und seien sie noch so durchdacht und stringent auf Händler zugeschnitten – in den Schatten stellen.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auf jeden Fall die Entwicklungen bei den Kollegen Auto. Hier hat sich jüngst der Vorstand des einflussreichen Kfz-Branchenverbandes ZDK entschieden, sich als stiller Gesellschafter an der Heycar-Betreibergesellschaft Mobility Trader GmbH zu beteiligen; eine wichtige strategische Maßnahme. Denn damit trägt der ZDK zweifelsohne dazu bei, die seriös operierende und wachsende Heycar-Plattform weiter zu einer konkurrenzfähigen Alternative im Online-Gebrauchtwagenhandel auszubauen und zu etablieren. Ein wichtiges Anliegen, nämlich die Möglichkeit einer Mitsprache des Handels, wurde nun durch die Entsendung von zwei Vertretern in den Händlerbeirat von Heycar erreicht. „Mit unserer Beteiligung haben wir im Interesse der Autohäuser und Kfz-Betriebe gehandelt mit dem Ziel, den Wettbewerb in diesem Marktsegment zu stärken“, sagte ZDK-Vize Thomas Peckruhn.

Es wäre fantastisch und für alle Motorradhändler ein Traum, wenn sich eine solche starke Alternative auch in unserem Markt auftun würde. Was es dazu bräuchte? Selbstbewusste und sich wieder mehr (ehrenamtlich) in Innungen und Verbänden engagierende erfolgreiche Händler. Und was noch? Deutlich mehr als bisher auf ihr Recht und ihren Einfluss pochende Lobbyisten, deren finanzielles Polster dank wachsender Mitgliederzahlen mehr Spielraum gäbe für wirksame Aktionen im Sinne des Motorradgewerbes. Mit dieser Power könnte man es sich zum Beispiel leisten, eine von allen Händlern favorisierte Internetplattform finanziell zu unterstützen und Handels-Know-how einzubringen. Um die Stimme des Zweiradhandels wieder hörbarer zu machen im Konzert unseres Wirtschaftssystems, bedarf es allerdings eines weit größeren Branchenchores als bislang – und Kompostionen eher in Vorwärts-Business-Dur als in Abgesang-Moll.

(ID:45829590)

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