Händlerreise setzt Herz, Bauch und Kopf unter Strom

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Redakteur: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 41/2015/II). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Würzburg, den 9. Oktober 2015 – Wow, diese Woche hatte es in sich. Herz, Bauch und Kopf stehen noch komplett unter Strom. Gespeist von der positiven Energie von insgesamt sechs Händlern, die uns mit ihrer Bewerbung zum Award „Motorradhändler des Jahres“ mitrissen. Gestern ging unsere knapp 1.000 Kilometer lange Jury-Rundreise zu den sechs Kandidaten des Südens zu Ende.

Wie bereits auf unserer Tour vergangene Woche im Norden erlebten wir wieder zahlreiche hochmotivierte Teams und leidenschaftliches Bike-Business. Zu Gast waren wir bei Zweirad Hösl in Buttenwiesen (Yamaha, KTM, Vespa). Chef Michael Hösl ist ein Paradebeispiel dafür, wie man seinen Weg vom Mann der Werkstatt hin zum intelligent rechnenden Kaufmann vollzieht und seinen Betrieb reorganisiert, wobei er die richtige Mischung zwischen Bauchgefühl und Kalkül hinbekommt. Herzblutschrauber ist er immer noch, aber mit dem absolut notwendigen und erforderlichen Sinn für die Betriebswirtschaft. Denn nur wer am Ende des Tages auch Gewinn erwirtschaftet, sichert Arbeitsplätze und die Zukunft des Betriebs. Die Truppe von Motorradtechnik Laure in Breitenthal um Inhaber Günter Laure brennt regelrecht für ihre Italo-Marken Aprilia, Moto Guzzi, Vespa und MV Agusta. Sehr schicker Laden! Und eine tipp-topp organisierte und leistungsfähige Werkstatt mit Leistungsprüfstand, die Servicekunden von weither anlockt und zufrieden macht! In Laures Herz schlägt ganz laut der Kammerton A. A wie Aprilia. Dabei vernachlässigt er aber keinesfalls die anderen Marken, die er ebenso authentisch lebt und verkauft. Seine Leidenschaft fürs Produkt, seine Technikkompetenz und sein freundliches Wesen bauen Vertrauen beim Kunden auf, das sich in barer Münze auszahlt. Der studierte Maschinenbauingenieur wäre ohne seine „Zusatzausbildung“ zum Zweiradmechanikermeister und den Schritt in die Selbstständigkeit in seinem alten Industriejob verdorrt wie eine Blume ohne Wasser.

In Fürstenfeldbruck begeisterte Adnan Evecan die Jury. Bei ihm schlägt das H in der Brust. H wie Honda. Der Honda-Exklusivhändler hat dort jüngst mit seiner Motorradshop GmbH einen sensationell schönen Neubau eröffnet. Der Inhaber, der den Showroom und seine Werkstatt als sein Wohnzimmer bezeichnet, setzt sogar noch eins drauf und hat im ersten Stock seine Privatwohnung eingerichtet. Evecan, der 1964 mit seiner türkischen Familie nach Deutschland kam („Damals sind wir noch von Euch eingeladen worden“, witzelt er und zielt auf die aktuelle Asyl- und Flüchtlingsdebatte). Der Mann ist immer für einen lockeren Spruch gut und weiß es gekonnt, Motorräder glaubwürdig und gewinnbringend zu verkaufen, ohne dass es in erster Linie um Geld geht. Preisdumping ist ihm ein Gräuel, da versteht er viele Händlerkollegen nicht. Eine Galionsfigur für sein Unternehmen ist zweifellos auch Tommy Wagner. Zusammen mit seiner Frau Claudia, seinen Mitarbeitern (und drei Hunden) kämpft er seit vielen Jahren leidenschaftlich für seine Motorradwelt (Yamaha) und die Tommy Wagner GmbH (BMW) sowie für die Marke Norton. Um in Zukunft noch professioneller aufgestellt zu sein, hat er seinen Freund und Berater Wolfgang Berndt, einen ehemaligen EDV-Projektmanager, ins Boot geholt. Bis 2017 läuft ein ehrgeiziger Restrukturierungsplan. Das Ziel: Prozesse und Arbeitsabläufe effizienter und profitabler machen. Daneben gilt es auch, Tommys Dauerstress zu lindern, der sich zuletzt rund 3.000 Stunden pro Jahr für die Firma aufopferte, weil er sich als Motorrad-Maniac im positiven Sinne persönlich um fast alles kümmerte.

Motorradverrückt im besten Sinne des Wortes, aber keinesfalls Burnout-gefährdet, operieren zwei andere Unternehmer im Allgäu. In Waltenhofen bei Kempten führten uns Stefan Müller und sein Bruder Roland durch ihr kürzlich neu bezogenes KTM-Reich. Im Allgäu hat die Farbe orange durch das Engagement bei den Kunden einen hohen Stellenwert. Werkstattkompetenz gepaart mit verkäuferischem Geschick und viel Teamspirit hat die Jury vorgefunden. Last but not least schlugen wir am Donnerstag mittag noch bei Zweiradtechnik Zepf in Deißlingen auf. Hartmut und Claudia Zepf und ihre Mehrmarken-Mannen (Aprilia, Kawasaki, Suzuki, Triumph und Vespa) drehen dort ein großes Rad. Der Laden ist strategisch günstig gelegen zwischen den Bike-Revieren Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Die Mottos von Hartmut Zepf, der 1988 als damals 23-Jähriger jüngster Zweiradmechanikermeister der Republik seine Motorradhändler-Karriere startete: „Lasst Zahlen sprechen und mit Vollgas in die vierte Award-Nominierung!“ Die Präsentation der Bewerbung war für mich dort so aufregend, dass ich glatt meine Nikon an der Kaffeetheke habe liegen lassen (Danke, Hartmut, fürs Zurückschicken!).

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