Händlers Investitionen in die Zukunft

Digitalisierung – IT – Immobilie – Personal

| Autor / Redakteur: Martina Eicher / Martina Eicher

Martin Berning, BBE Automotive: „Investitionen für die Zukunft – wofür muss ich mein Geld ausgeben?“
Martin Berning, BBE Automotive: „Investitionen für die Zukunft – wofür muss ich mein Geld ausgeben?“ (Bild: Johannes Untch/Vogel Communications Group)

Dieses Thema bereitet vielen Motorradhändlern Kopfzerbrechen: Wofür soll ich mein Geld ausgeben und lohnt es sich, in die Zukunft zu investieren? Ganz besonders dann, wenn der Inhaber demnächst in Rente geht. Martin Berning von der BBE Automotive weiß, wofür.

Soll ich oder soll ich nicht? Und wenn ja, welche Investition ist sinnvoll für meinen Betrieb? Ist es besser in eine neue CI (Corporate Identity) zu investieren, oder doch lieber Geld in die Hand nehmen, um die mittlerweile zu eng gewordene Werkstatt zu modernisieren? Vielleicht wäre es sinnvoll, noch einmal ganz neu zu bauen? Hinzu kommt das Thema Digitalisierung. Und was versteht man eigentlich unter Nettolohnoptimierung? Fragen über Fragen, die so manchem Motorradhändler den Schweiß auf die Stirn treibt. Martin Berning von der BBE Automotive in Köln kennt sich aus und weiß was zu tun ist, damit ein Betrieb wirtschaftlich arbeitet und unterm Strich noch etwas übrig bleibt.

Das ungeliebte Thema CI

Viele Händler fragen sich, ob sich die Investition in eine neue CI lohnt und was passiert, wenn er es nicht tut? Ändert sich das Verhältnis zum Hersteller und sind die Verträge dann dauerhaft sicher? Und vor allem: Rechnet sich das? Ja, sagt Martin Berning, denn ein Teil der Ausgaben fließt über den Bonus wieder zurück. Am besten ist es natürlich, wenn der Hersteller sicherere Basisprämien zahlt, egal ob die Ziele erreicht wurden oder nicht. Doch welche Marke macht das schon freiwillig?

Wer in ein neues Erscheinungsbild seines Betriebes investiert, muss sich im Klaren sein, dass diese CI-Investition allenfalls für die nächsten acht Jahre hält. Dann kommen die Hersteller wieder angetanzt und wollen eine neue Lichtinstallation durchdrücken oder einen neuen Fußboden verlegen. Deshalb ist es wichtig, die Kosten vorher genau zu kalkulieren. Denn die Ausgaben müssen innerhalb dieser Zeit wieder erwirtschaftet werden, inklusive Bonus.

Das gleiche gilt bei einer Betriebsübergabe. Innerhalb der Familie ist es oft so, dass der Betrieb einfach an die nächste Generation überschrieben wird. Das sei sehr schade, sagt Martin Berning, denn hier wird die Gelegenheit versäumt, dem Nachfolger eine schöne Bilanz zu übergeben. Ein Betrieb mit CI, neuen Investitionen und neuer Ausstattung lässt sich besser verkaufen, als einer, der schon zehn Jahre vor sich hin altert und auf die Rente wartet. Es empfiehlt sich, ein Gutachten zur Wertermittlung in Auftrag zu geben. Es kostet zwischen 10- und 12.000 Euro. Dieses Gutachten liefert aber nur den Wert der Immobilie. Hinzu kommt der Gebrauchswert der jedoch höher ist, als in der Abschreibung beschrieben. Denn die Werkstattausstattung, EDV, Firmenfahrzeuge usw. können durchaus noch genutzt werden. Hier handelt es sich um stille Reserven. Ergo ist der Gebrauchswert höher, als das, was in der Bilanz steht. Der eigentliche Wert einer Firma ist der Gewinn des Unternehmens. Der bewegt sich gegenwärtig zwischen 1 und 2 Prozent vom Umsatz. Eine GmbH mit einer Rendite von 2 Prozent ist jedoch besser als eine Einzelfirma mit 2,5 Prozent, denn hier ist das Gehalt vom Chef meist nicht berücksichtigt, sagt Martin Berning. Bei einem jährlichen Gewinn von 2 Prozent ist das Unternehmen das 4 bis 6-fache vom jährlichen Gewinn wert. Hinzu kommt der eigentliche Firmenwert.

Investition in Werkstatt und Fläche

Unternehmer die vor haben, in einen Neubau zu investieren, benötigen als erstes ein geeignetes Grundstück in einer Top Lage. Platz für eine große Ausstellungsfläche, eine Werkstatt, am besten mit zwei zusätzlichen Arbeitsplätzen und Platz zum Zwischenparken von Motorrädern im Bereich Auftragsannahme und Abholung. Die Werkstattabläufe müssen professionalisiert werden, das spart Zeit und Kosten. Um investieren zu können, benötigt man neben dem Eigenkapital eine Rendite von mindestens 2,5 Prozent. Hierbei hilft eine Planungsrechnung. Eine Dienstleistung, die Berning gerne zusammen mit dem Händler erstellt.

Ein weiteres Thema ist die Digitalisierung. Jedoch – was fällt alles unter diesen Begriff? CRM (Customer-Relationship), Marketing und Informationen, soziale Netzwerke, Terminbuch online, Terminreservierung online, EDV-Rechnungen und elektronisches Serviceheft, Teilebestellung der Kunden online, eine Software zum freischalten, die entsprechenden Codes für alles, Rückverfolgbarkeit von Teilen, Onlineschulungen und ganz wichtig eine Cyber-Security.

Jeder hat das Personal, das er verdient

Wie fortschrittlich und modern ein Unternehmen arbeitet und ausgestattet ist, ist wichtig für die Personalentwicklung. Wie können wir unser Unternehmen attraktiv machen? fragt Berning. Hier geht es nicht nur um die Bezahlung, sondern auch ums Betriebsklima. Ist das Unternehmen der Zukunft zugewandt, macht es Spaß dort zu arbeiten? Es lohnt sich, in jährliche Fachschulungen zu investieren. Sie können auch helfen, Mitarbeiter auf neue Aufgaben vorzubereiten, wie zum Beispiel der von BBE entwickelte Motorradmanager-Lehrgang. Ein Kurs von 16 bis 20 Teilnehmern, der voraussichtlich ab Oktober 2019 angeboten wird.

Genauso wichtig ist eine leistungsgerechte Bezahlung. Das Problem sei nur, dass die Mitarbeiter von einer Lohnerhöhung oftmals wenig abbekommen, weiß Martin Berning. Doch es gibt daraus den Weg der Nettolohnoptimierung. Hier kann der Steuerberater mit Hilfe von Tabellen eine Lohnerhöhung so umwandeln, dass der Mitarbeiter diese auch spürt.

Fazit: Wir brauchen dringend einen Wandel in der Motorradbranche, damit wir wettbewerbsfähig bleiben, sagt Berning. Der Applaus der Teilnehmer der Fachtagung »bike und business« war ihm gewiss.

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