Fehlende Digital-Infrastruktur bremst Kfz-Gewerbe

ZDK veranstaltet 46. Bundestagung unter dem Motto „Wir können auch digital“

| Autor / Redakteur: Timo Schulz/Andreas Wehner / Christoph Baeuchle

(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Die Digitalisierung wird in der Automobil- sowie Motorrad- und Rollerbranche immer wichtiger. Doch die fehlende Infrastruktur ist für Kfz-Betriebe zunehmend ein Problem. Das muss sich ändern, forderte Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk auf der Automechanika.

Damit Kfz-Betriebe die Vorteile der Digitalisierung nutzen können, ist eine entsprechend leistungsfähige Infrastruktur die Grundvoraussetzung. Dazu gehören der flächendeckende Internetzugang mit Bandbreiten im Gigabit-Bereich und ein 5G-Funknetz ohne Funklöcher für die vernetzte Mobilität.

Bei beidem gebe es in Deutschland noch einen erheblichen Nachholbedarf, betonte ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk bei der Eröffnung der 46. Bundestagung des Deutschen Kfz-Gewerbes in Frankfurt am Main. „Die politischen Entscheidungsträger sind gefordert zu handeln und in die Zukunft zu investieren.“ Das Thema aus der Autoszene ist auch in der Zweiradbranche bekannt und brennt vielen Motorrad- und Rollerbetrieben sowie Zweiradwerkstätten auf den Nägeln.

Vor rund 450 Verbandsvertretern wies Hülsdonk darauf hin, dass die Kfz-Betriebe immer stärker abhängig von digitalen Daten seien. Diese würden insbesondere im Service für Reparatur und Wartung benötigt.

Mit der neuen europäischen Typgenehmigungs-Verordnung (EU) 2018/858 sei hier ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Dort wurde festgelegt, dass die Hersteller für alle Kraftfahrzeuge, unabhängig von der Emissionsklasse, sämtliche Informationen für Diagnose, Instandhaltung, Neuprogrammierung oder Neuinitialisierung über das Internet bereitstellen müssen. „Das ist echter digitaler Mehrwert für unsere Betriebe“, betonte Hülsdonk.

Zu den digitalen Neuerungen gehört auch die Website „Diserva“, die der Verband gemeinsam mit der Unternehmensberatung Steinaecker Consulting aufgelegt hat. Die Plattform mit bereits 450 praxisorientierten Bausteinen für die Digitalstrategie von Autohäusern und Werkstätten wurde im Rahmen der Bundestagung vorgestellt. Per Suche erhalten Kfz-Betriebe einen Überblick über am Markt verfügbare digitale Ansätze, von Portalen für die Fahrzeugvermarktung über Plug-Ins für die eigene Website bis hin zu Helfern im Büroalltag.

Diserva: Suchmaschine und Informationsplattform

Neben einer Suchmaschine für Digitalangebote ist Diserva eine Informationsplattform. Mehr als 240 Fachartikel zur Digitalisierung sollen laut Jörg von Steinaecker, Inhaber von Steinaecker Consulting, zusätzlich Orientierung und Hilfestellung geben. „Die Plattform wird stetig um weitere digitale Produkte und Dienstleistungen sowie um redaktionelle Inhalte wachsen. Zu letzteren gehören verlinkte Artikel, Studien, Checklisten, Empfehlungen und praxisorientierte Leitfäden für den Handel.“ Eine Online-Community für den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern sei geplant.

Als Gastredner ging Oliver Wittke, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, auf die vielfältigen Maßnahmen der Bundesregierung zur Förderung der Digitalisierung ein. So sei das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk Teil der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert werde mit dem Ziel, die Transformation der mittelständischen Betriebe in die digitale Zukunft zu begleiten.

Zur Diesel-Diskussion sagte Wittke: „Wir werden kurz und mittelfristig die ambitionierten Klimaschutzziele nur erreichen, wenn wir auch weiter auf den Diesel setzen.“ Allerdings könne der Staat nicht einspringen, wenn es um die Kosten einer Hardwarenachrüstung von Dieselfahrzeugen gehe. Stattdessen setze man darauf, Busse, Transporter, kommunale Flotten und Taxis nachzurüsten. Diese Fahrzeuge seien ständig in den Städten im Einsatz, während Pendler nur hinein und wieder hinaus führen.

ZDK-Präsident Jürgen Karpinski mahnte hingegen noch einmal dringend die Notwendigkeit einer Nachrüstregelung an, die Rechtssicherheit für nachrüstwillige Kunden und Kfz-Betriebe schaffe. Die Technik dafür sei vorhanden, die Zulieferer stünden bereit, die Wirksamkeit der Nachrüstsysteme sei durch Tests nachgewiesen. Bei rund 350.000 kaum verkäuflichen Euro-5-Diesel-Pkw im Handel im Wert von rund fünf Milliarden Euro sei die Politik gefordert, hier endlich auch im Sinne der unter Druck stehenden mittelständischen Betriebe eine Lösung anzubieten.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Schwesternzeitschrift »kfz-betrieb«.

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