Harley-Davidson Rocker C: Mein blaues Wunder

Autor / Redakteur: Tom Müller / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Das reinrassige Factory Custom Bike aus Milwaukee und wie sie Tom Müller, Art Director Vogel Business Media, Verlagsbereich Auto Medien, erlebt hat.

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Tom Müller riss sich das Testbike Harley-Davidson Rocker C gerne unter den Nagel und erlebte sein persönliches „blaues Wunder“.
Tom Müller riss sich das Testbike Harley-Davidson Rocker C gerne unter den Nagel und erlebte sein persönliches „blaues Wunder“.
( Archiv: Vogel Business Media )

Ich erinnere mich noch genau an die Worte meines Vaters, als ich im zarten Alter von 17 Jahren plante, neben dem Auto- auch den Motorradführerschein zu erwerben: Du wirst dein blaues Wunder erleben“ und „…lern’ erst mal Autofahren“. Okay, den Bikeführerschein habe ich schließlich heimlich gemacht, und auf das „blaue Wunder“ musste ich warten bis 2010 – in Form einer quietschblauen Harley-Davidson Rocker C mit blau züngelndem Flammen-Design.

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Surprise – Surprise

Wer glaubt, das Thema Harley sei durchdekliniert, der irrt. Die Bike-Strategen der Kultschmiede in Milwaukee erfinden immer wieder neue Originale des American Way of Bike. Und so hat sicher auch die 2010er Harley-Davidson Rocker C das Zeug zum Klassiker. Einmal aufgesattelt und den Motor per E-Starter zum Donnern gebracht, gefällt mir schon auf den ersten Metern das ansprechende Fahrverhalten. Das immense Drehmoment von 121 Nm landet unmissverständlich auf der Straße. Durch den flachen Lenkkopf mit 53 Grad hat die Rocker C eine angenehm flache Design-Kulisse, die auch durch die niedrige Sitzposition von 641 Millimetern unterstrichen wird. Mit klaren Formen, viel blendendem Chrom (Sonnenbrille nicht vergessen!) und effektvollem Lack präsentiert sich die Rocker C als reinrassiges Factory Custom Bike, was sich leider auch auf den stolzen Anschaffungspreis von 21.175 Euro niederschlägt.

Nix Starr-Rahmen

Der Doppelschleifen-Stahlrohr-Rahmen mit komfortabler Hinterradfederung kommt nur optisch wie ein Starr-Rahmen daher. Hinten sorgen zwei Federbeine für einen dynamischen Fahrkomfort, wie ich ihn bei den Softtails zurückliegender Baureihen nicht kannte. Der Clou: Die Federbeine sind verborgen verbaut und durch den zirka fünf Liter fassenden, in Zylindermanier geriffelten Öltank kaschiert.

Guter Reifen macht sich bezahlt

Mit dem neuen Dunlop D408F 90/90 R-19 (52H) vorne und der Dunlop-Walze D407 240/40 R18 (79V) hinten ausgestattet, fährt das Bike wie auf Schienen. Gutmütig lässt es sich mit leichter Kniearbeit am großzügig geratenen 18,9-Liter-Tank auch in leichte Kurvensequenzen drücken. Nur sollte man es nicht übertreiben, denn die vorderen Fußrasten melden frühzeitig, wann mit der Seitenneigung Schluss ist. Insgesamt lässt sich die Maschine leichter bewegen, als man auf den ersten Blick vermutet. Freihändig fahren bis 90 km/h, persönliche Topspeed von knapp 180 km/h (... beide Hände am Lenker) – beides machbar. Kann man, muss man aber nicht. Denn Harleyfahren ist bekanntlich anders gedacht: Cruisen mit Blubbern um die 90 km/h und auf die inneren Werte vertrauen. Wohl wissend, dass man mit diesem Bike notfalls Baumstämme aus dem Wald ziehen könnte. So habe ich die kurvenreichen Landkreise um Würzburg völlig neu erfahren. Untermalt von leichtem Donnerschlag.

Bei Stopp ist Schluss

Die Bremsanlage verdient ihren Namen. Ein Gefährt von gut sechs Zentnern Gewicht (ohne Fahrer!) will erst mal verzögert werden. Beide Bremsen packen kraftvoll zu und reagieren sensibel auf jeden Fingerzucker. Das kommt einem bei Regen und auf feuchter Straße zugute und bedeutet. Sicherheit, auf die man vertrauen kann.

Zu guter Letzt

Unterm Strich ist das „blaue Wunder“ wohl eher für den Feierabend zwischen Biergarten und Barbecue gedacht. Für lange und mühevolle Touren in jeder Wettersituation ist die Rocker C zu schade und auch einfach viel zu schön. Der Soziussitz – ausklappbar unterm Fahrersattel verborgen – ist bestenfalls für Notfälle geeignet. Und Hand aufs Herz. Wer mit so viel Kult unterm Hintern nicht alleine posen will, ist selber schuld. Zehn Punkte auf der Auffälligkeits-Skala.

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