Harley-Davidson Rostock: Die Tourismusmanager von der Ostseeküste

Die Zukunft des Motorradhandels

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Martina Eicher

Eine Frauenquote wie bei Harley-Davidson dürfte in der Motorradbranch einzigartig sein. Da hat Chef Michael Brose (ganz rechts) gut lachen.
Eine Frauenquote wie bei Harley-Davidson dürfte in der Motorradbranch einzigartig sein. Da hat Chef Michael Brose (ganz rechts) gut lachen. (Foto: Jan Rosenow)

Michael Brose uns sein Team von Harley-Davidson Rostock belegten den 2. Platz beim »bike und business«-Award-„Motorradhändler des Jahres 2014“

Die Ausgangslage für Harley-Davidson Rostock ist, gelinde gesagt, suboptimal. „Viele Kühe, wenig Kunden“, fasst Inhaber Michael Brose die Situation knapp und treffend zusammen. „Wenn ich alle wirtschaftlichen Rahmendaten zusammenrechne, müsste ich pro Jahr minus 24 Maschinen verkaufen.“

Doch wer dem Lokalpatrioten jetzt mit den üblichen Meck-Pomm-Klischees kommt, der kann sich auf eine saftige Abfuhr gefasst machen – zu Recht. Denn sein geschäftlicher Erfolg beweist, dass ein gut geführtes Unternehmen auch auf einer dürren Wiese gedeiht und dass, wer rührig ist, den Erfolg verdient hat. Denn geschenkt wurde Michael Brose wahrlich nichts.

Fast schon trotzig hat er die vielen Absagen, die er in den neunziger Jahren von Harley-Davidson bekommen hat, im Showroom aufgehängt. Die Company konnte sich damals nicht vorstellen, dass man in Rostock Motorräder für 30.000 D-Mark verkaufen könnte. Seit 1992 selbstständig, kam Brose über die Marke Buell schließlich 1998 mit den Amerikanern ins Geschäft und konnte ein Jahr später den ersehnten Kontrakt in Empfang nehmen.

Die Ausrede von Harley lautete zuvor stets: „Dieses Gebiet ist für uns nicht vertriebsrelevant.“ Welches Gebiet? Der Rostocker hatte gar nicht vor, sich auf seine Heimatregion zu beschränken – auch wenn er das größte Vertragsgebiet aller deutschen Harley-Partner beackern muss. Von Anfang an stand für ihn fest: Nur das Internet kann seinem Geschäft eine stabile Basis verschaffen. 2005 schaltete er den ersten Harley-Onlineshop in Europa frei. Von anfänglich 150.000 wuchs das Angebot bis heute auf unglaubliche 825.000 Artikel. Brose war nach eigenen Angaben auch der erste, der komplette Motorräder über das Netz verkaufte.

Seinen Laden im Zentrum der Hansestadt – eine ehemalige Schnapsfabrik – gestaltete er mit viel Eigenleistung in ein Gesamtkunstwerk aus rotem Backstein und 42 Tonnen unbehandeltem Stahl um. Auf zwei Etagen ist ein Angebot an Bekleidung und Merchandising-Artikeln zu sehen, das den unvorbereiteten Besucher erst einmal sprachlos verharren lässt. Die Vielfalt an Jeans, Shirts und Jacken schlägt jeden herkömmlichen Bekleidungsladen, von einem normalen Motorradhaus ganz zu schweigen. Und die unzähligen HD-Devotionalien von der Tasse bis zum Tannenbaum bewegen sich zwar teils hart an der Kitschgrenze, sorgen bei angefixten Markenfans aber immer wieder für ein offenes Portemonnaie.Das Geschäft gleicht einem Kaufhaus, in dem die Motorräder fast schon wie Staffage wirken. Aber das sind sie nicht, betont der Chef: „Das Motorrad ist der Türöffner zur Harley-Welt. Doch mit unserem Angebot an Bekleidung holen wir die Nicht-Motorradkunden ab, die einfach nur eine coole Lederjacke kaufen wollen, und sorgen dafür, dass unsere Motorradkunden immer etwas Neues finden, wenn sie zu uns kommen.“

Und sie kommen. Jeden Monat findet ein sogenannter Shop Talk statt, in dem es um Fachthemen wie Finanzierung oder Umbauten geht. Ebenfalls monatlich veranstaltet das Unternehmen unter dem Motto „Zurück auf's Bike“ geführte Kurztouren für Wiedereinsteiger.

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