Harley-Davidson Softail Slim S: Von wegen schlank

Autor / Redakteur: SP-X/Ulf Böhringer / Lena Hofbauer

Harley-Davidson installiert im Bobber-Modell Softail Slim den bisher Sondermodellen vorbehaltenen großen 1800er V2-Motor und nennt das Produkt Slim S.

Harley-Davidson installiert im Bobber-Modell Softail Slim den bisher Sondermodellen vorbehaltenen großen 1800er V2-Motor und nennt das Produkt Slim S.
Harley-Davidson installiert im Bobber-Modell Softail Slim den bisher Sondermodellen vorbehaltenen großen 1800er V2-Motor und nennt das Produkt Slim S.
(Foto: Harley-Davidson)

Slim heißt im Deutschen „schlank“. Das gleichnamige Harley-Modell ist angesichts eines Leergewichts von 321 Kilogramm trotz seines Namens alles andere als das. Jetzt kommt zusätzlich die Version Softail Slim S. Die legt nochmals ein paar Pfund drauf und kostet zudem 1.100 Euro mehr, also 20.845 statt ab 19.745 Euro. Doch dieser Mehrpreis ist gut investiertes Geld, denn dafür erhält der Käufer satte 13 zusätzliche PS, die aus einem Hubraumplus von immerhin 111 Kubikzentimetern stammen. Der 1801 Kubikzentimeter-V2 des Typs Twin Cam 110B ist das größte Triebwerk, das Harley-Davidson jemals gebaut hat. Bisher war es den limitierten CVO-Sondermodellen vorbehalten, jetzt zieht es langsam in die Großserienmodelle ein. Die Softail Slim S macht zusammen mit der Fat Boy S den Anfang.

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Der Motor vom Typ Twin Cam 110B – das B steht für Balancer, gemeint ist die Ausgleichswelle – ist eine Wucht. Denn mehr noch als das Plus an Spitzenleistung beeindruckt der gegenüber dem Twin Cam High Output-Motor vom Typ 103B (1.690 Kubikzentimeter) die Drehmomententwicklung: In jedem Drehzahlbereich gibt es einen Zuschlag, maximal sind 145 Nm bei 4.000 U/min geboten (Standard: 133 Nm). Das ist natürlich auch nicht wenig – aber mehr ist doch einfach besser. Zudem dreht der größere Motor leichtfüßiger nach oben, auch wenn die Kolben noch größere Dimensionen aufweisen.

Mit einem Bobber – Kennzeichen sind der sogenannten „Hollywood-Lenker“, die Ausrüstung mit einem Einzelsitz, ein üppig dimensionierter Kotflügel über dem eher schlanken Hinterrad sowie Speichenräder mit schwarzen Felgen – ist Cruisen angesagt. Es geht also nicht um Hektik oder das Ausnutzen der vorhandenen Leistung, sondern um gelassenes Gleiten. Das beherrscht dieser Motor ausgezeichnet. Zwischen kaum mehr als Leerlaufdrehzahl und etwa 3.500 Touren ist man zumeist unterwegs und hat nie das Gefühl, unter Leistungsmangel zu leiden. Stets stehen mehr als 115 Newtonmeter zur Verfügung. Was die Zahl der nötigen Schaltvorgänge deutlich reduziert. Gangstufe fünf oder sechs ist außerorts selbst bei Überholvorgängen zumeist passend.

Das zweite wichtige Merkmal der Softail Slim S ist ihre Starrrahmen-Optik. Denn dass das Heck eben doch gefedert ist, bleibt unsichtbar; die zwei Federbeine liegen unter dem Getriebe. Die Funktion dieser Konstruktion ist einwandfrei, sieht man mal vom ziemlich begrenzten Federweg ab – hinten sind gerade mal 8,6 Zentimeter gegeben, vorne immerhin deren 13. Auf knapp 9 Zentimetern kann man grobe Stöße klarerweise nicht eliminieren, sondern bestenfalls mildern. Dies immerhin beherrscht das Fahrwerk.

Es kann aber noch mehr, nämlich die Achtzentner-Fuhre (ein schlanker Fahrer ist eingerechnet) durchaus korrekt und gefühlvoll auf Kurs halten. Ausprobiert wurde dies allerdings nicht bis hin zur angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 195 km/, sondern nur bis etwa 140 km/h. Aber auch bei zügiger Landstraßenfahrt bis hin zur Schräglagengrenze – sie wird wegen der tief montierten und recht ausladenden Trittbretter leider ziemlich schnell erreicht – liegt diese Harley satt auf der Straße, folgt jedem Impuls am breiten Lenker wie ein gut ausgebildeter Hund. Sie bremst auch gut genug fürs zumeist anliegende Tempo; zudem ist serienmäßig ein sauber abgestimmtes ABS geboten.

Das Outfit der Softail Slim S mit mattgrüner Lackierung und einem beigefarbenen Stern an den Tankflanken zitiert die WLA-Modelle von Harley-Davidson aus dem Zweiten Weltkrieg; im Anschluss daran wurden sie in großer Zahl in Form von Bobbern „zivilisiert“. Noch nicht gegeben hat es damals natürlich eine Geschwindigkeitsregelanlage; Voraussetzung dafür ist bekanntlich eine Menge an Elektronik. Die Softail Slim S hat das System serienmäßig.

Alles in allem: Wer bekennender Solist und demzufolge mit dem Solositz vollauf bedient ist, bekommt mit der Softail Slim S ein ausdrucksstarkes US-Bike mit XXL-Motorisierung. Bedienung und Handling sind ohne Tadel, die Ausstattung mit Keyless-Fernbedienung, Blinkern mit bestens funktionierender Rückstell-Automatik und Tempomat ist gut. 20.875 Euro sind kein Pappenstil, klar. Insofern darf die Rücklage auf dem Konto nicht allzu schlank sein, sonst wird’s nix mit dem Kauf einer Softail Slim S, auch wenn ihr Wertverlust überschaubar ist.

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