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Harley-Davidson: Von Altersschwäche keine Spur

| Autor / Redakteur: Mirko Stepan / mid / Viktoria Hahn

Wer intensiv in die Welt von Harley-Davidson eintauchen möchte, der sollte ein Groß-Event des Motorradbauers aus Milwaukee besuchen - wie die Feierlichkeiten zum 115. Geburtstag in Prag.

Stilikonen unter sich: Harley-Davidson und Rock'n'Roll passen einfach zusammen.
Stilikonen unter sich: Harley-Davidson und Rock'n'Roll passen einfach zusammen.
(Bild: Harley-Davidson / Frank Ratering)

Vier Tage lang war die tschechische Metropole an der Moldau europäische Harley-Hauptstadt. Rund 100.000 Besucher - davon Zehntausende mit den eigenen Maschinen vor Ort - verwandelten die Stadt in eine mobile Motorrad-Ausstellung mit Party-Meile. Live-Konzerte, Fahrevents und Stunt-Shows, Shops mit Merchandising, ein Museum mit Meilensteinen der Marke - alles was das Biker-Herz begehrt war in Prag am Start.

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Schwarz-orangenes Blut

Harley-Fahrer aus über 70 Ländern ließen es sich nicht nehmen, sich und ihre Passion zu feiern. „Mein Blut ist schwarz-orange“, sagt Bill Davidson, Vize-Präsident bei der Harley-Davidson Motor Company und Urenkel von Firmen-Mitbegründer William A. Davidson, mit Blick auf die Farben der Marke. Als wichtigstes Motorrad der Firmengeschichte bezeichnet er das „Model 1“, die erste in Serie produzierte Maschine von Harley-Davidson. Denn sie habe die 115-jährige Geschichte eingeläutet, die Tradition begründet, den Grundstein für die Faszination gelegt, die diese Marke damals wie heute ausmacht. In Verbindung mit den amerikanischen Motorrädern fallen immer wieder Begriffe wie Freiheit und Individualität. Abgenutzt sind sie dennoch nicht und sie sind weit entfernt von Schlagworten, die in einer Marketingabteilung erfunden worden sind.

Marke mit Zugehörigkeitsgefühl

Keine Harley auf dem Veranstaltungsgelände in Prag gleicht der anderen, und bei kaum einer anderen Marke ist die Identifikation der Kunden mit dem Produkt so ausgeprägt - Jacken, Hemden, Jeans, Gürtel, Helme - sogar Flipflops mit dem Markenlogo gehören zum Sortiment, das ein echter Fan und Fahrer trägt. Geld scheint kaum eine Rolle zu spielen, wenn es darum geht zu zeigen, wofür das Herz schlägt. Genau dieses Zugehörigkeitsgefühl ist es, was in Prag zu spüren ist. Es gehe darum, Träume wahr werden zu lassen, sagt Bill Davidson, und wieder ist es kein Marketing-Geschwafel. Wer sich unter die Biker mischt, spürt das. Aus Australien und Mexiko sind sie angereist, aus nahezu allen europäischen Ländern - Harley-Davidson ist der Name einer großen internationalen Familie, die alle Altersklassen in ihren Bann zieht und die gemeinsam einen Traum wahr werden lässt. Aber auch Menschen, die selbst nicht Motorrad fahren, scheint die Marke magisch anzuziehen. Unterwegs in Prag mit einer Iron 1200, mit knapp 11.000 Euro eher am unteren Ender der Harley-Preisliste angesiedelt und auch optisch deutlich zurückhaltender als viele andere Modelle mit dem „Bar & Shield“-Logo, dauert es nicht lange, bis Passanten bei einem kurzen Foto-Stopp in der Altstadt neugierig um das Motorrad herumschleichen und schließlich wissen möchten, um welche Maschine es sich denn dabei handelt - und zwar ohne mit irgendwelchem Getue für Aufmerksamkeit zu sorgen. Maschine parken, warten, fertig.

E-Harley 2019

Ergründen, was hinter diesen Reaktionen steckt, lässt sich nicht bis ins Letzte. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Marke immer wieder neu erfunden hat, ohne dabei die eigene Identität aufzugeben. Der nächste große Schritt folgt 2019 - dann kommt die erste Harley-Davidson auf den Markt, die von einem Elektromotor angetrieben wird. Und auch sie wird wie fast alle bisherigen Modelle seit 115 Jahren Menschen rund um den Globus elektrifizieren.

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