Hechler Motor: Die Krönung einer fast 50-jährigen Laufbahn

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Martina Eicher

Hechler Motor in Gerstetten-Dettingen hat es beim »bike und business«-Award „Motorradhändler des Jahres“ 2016 auf Anhieb in die Top Five geschafft. Vater Raymond und Tochter Mirjam Hechler führen den Traditionsbetrieb gemeinsam und haben ihn zukunftsfähig aufgestellt.

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Das Hechler-Team freute sich mächtig über die Top-Five-Platzierung. Mit dem neuen Betrieb haben Raymond und Mirjam Hechler alles richtig gemacht.
Das Hechler-Team freute sich mächtig über die Top-Five-Platzierung. Mit dem neuen Betrieb haben Raymond und Mirjam Hechler alles richtig gemacht.
(Bild: bike und business/Marcel Gollin)

Wie? Sie kennen Gerstetten-Dettingen nicht? Als BMW-Fahrer im Großraum Ulm wüssten Sie Bescheid. Gerstetten-Dettingen liegt nördlich von Ulm am Rande der Schwäbischen Alb, und dort befindet sich einer von Deutschlands schönsten BMW-Motorrad-Betrieben. Raymond und Mirjam Hechler von Hechler Motor haben 2013 in enger Zusammenarbeit mit dem Münchener Hersteller einen ehemaligen Bio-Supermarkt (!) zum Zweiradgeschäft umgestaltet. Mit seiner in drei Baukörper aufgelösten Konstruktion und dem Verzicht auf eine große Glasfront unterscheidet sich das Gebäude äußerlich von der üblichen Fahrzeughandels-Architektur und sieht modern und spannend aus. Innen öffnet sich ein riesiger Showroom ohne störende Zwischenwände, der durch das Sheddach lichtdurchflutet und freundlich wirkt. Ein toller Bau!

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„Mit dem neuen Betrieb ging unser Traum von einem modernen, großzügig und technisch top ausgestatten Zweiradfachgeschäft in Erfüllung“, erzählten uns Vater und Tochter Hechler unisono. Der sportlich-schlanke Firmenchef, dem man seine 67 Jahre nicht ansieht, möchte sich in den kommenden Jahren schrittweise aus der Verantwortung zurückziehen und an Tochter Mirjam übergeben, die bereits Gesellschafterin ist und deren Lebensgefährte ebenfalls im Betrieb arbeitet. Und da Mirjams Tochter Pina ihre Ausbildung hier absolviert, kann man von einem echten Dreigenerationen-Motorradhaus sprechen. Doch vor dem Ruhestand investiert der Senior noch einmal kräftig: Gegenwärtig entsteht eine neue, 420 Quadratmeter große Halle für die Wintereinlagerung, die Platz für rund 100 Bikes bieten soll.

Einer der ersten mit BMW-Händlervertrag

Das Unternehmen gibt es bereits seit 1922 – also ein Jahr, bevor BMW sein erstes Motorrad vorstellte. Damals gründete Raymond Hechlers Großvater Wilhelm Maier in Bolheim eine mechanische Werkstätte. In den Nachkriegsjahren vertrat er als Händler die Fabrikate NSU, Kreidler, Heinkel, Herkules und Zündapp. Raymond Hechler war 1969 einer der ersten, der einen BMW-Händlervertrag unterschrieb. 1970 startete er dann mit der Hechler Motor GmbH durch. Im Laufe der Zeit handelte der Unternehmer auch mit vielen japanischen Marken, doch BMW blieb die einzige Konstante. Neben dem weißblauen Bestseller-Fabrikat vertreten die Hechlers heute noch Peugeot, TGB und Daelim. Ins Auge fällt auch der eigene Wunderlich-Shop.

Mit seiner Konzentration auf BMW ist der Betrieb in den letzten Jahren gut gefahren. Der Umsatz wuchs in jedem Jahr zweistellig, wobei der 2013 erfolgte Umzug noch einmal einen Schub ausgelöst hat. In manchen Jahren legte das Geschäftsvolumen um bis zu 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu!

Das ist weit mehr, als sich nur mit der guten Performance der Marke BMW erklären ließe. Das aktive Gebrauchtgeschäft mit Zukauf ist dafür ebenfalls verantwortlich. Die Hechlers verkaufen viele Maschinen an Fahrschulen, und die kommen dann zwei Jahre später als Gebrauchte zurück. Auch ist der Betrieb Partner im Premium-Selection-Programm von BMW, in dem junge Gebrauchte (maximal sechs Jahre und 50.000 Kilometer) mit Prüfzertifikat vertrieben werden. Die Grenzen für das Gebrauchtbusiness setzt nicht die Nachfrage, sondern die mangelnde Verfügbarkeit im Angebot – ein Problem, das viele Händler kennen.

Schnelle Hilfe für Durchreisende ist Pflicht

Auch das Werkstattgeschäft ist mit rund 20 Prozent Umsatzanteil eine Stütze des Unternehmens. Hier liegt Raymond Hechler die Kundenzufriedenheit am Herzen: Es gibt einen Schnelldienst für Durchreisende und ein großes Neureifenlager mit den wichtigsten Größen. Mit einem nahegelegenen Reifengroßhändler hat er zudem eine Vereinbarung; bei einer Bestellung bis neun Uhr ist der Reifen bis Mittag im Haus. Das ist wirklich vorbildlich. Die Werkstatt arbeitet auch samstags – Zeitausgleich gibt es montags. Dann ist der Betrieb geschlossen, sodass die Mitarbeiter Einkäufe, Behördengänge oder Arzttermine ohne Stress erledigen können.

Besonders professionell arbeitet der Betrieb bei der Wintereinlagerung – die neue Halle will schließlich gefüllt werden. Es gibt mehrere Angebote: Das „Luxuspaket“ zu 249 Euro enthält neben der Lagerung auch Transport, Fahrzeugreinigung, Ölwechsel und viele andere Arbeiten. Die reine Unterbringung ist ab 20 Euro pro Monat zu haben. Wer nur reparieren lassen will, der bekommt im Winter zehn Prozent Rabatt.

Eigene Wege geht Hechler Motor beim Bekleidungsgeschäft: Natürlich gibt es das umfangreiche BMW-Programm, aber auch ein sehr gut zusammengestelltes preiswerteres Warenangebot von interessanten Marken, die nicht an jeder Ecke zu haben sind und mit denen junge Fahrer sich von dem üblichen Ketten-Einheitsbrei abheben können.

Das Veranstaltungsprogramm ist umfangreich: Die Hechlers gehen gerne gemeinsam mit ihren Kunden auf Motorradtour und sind bekannt für Events wie das Hechler-Oktoberfest oder den Nikolaustag. Darüber hinaus gibt es Vorträge und Schulungen, beispielsweise zur Bedienung des BMW-Navigationsgeräts. Bei der traditionellen Tages-Ausfahrt, die in diesem Jahr bereits zum 23. Mal stattfand, waren 100 Teilnehmer dabei, die eine Rundum-Organisation vom Servicewagen mit Ersatzmotorrad bis zum Tour-T-Shirt genießen konnten. Die mehrtägige Gardasee-Tour, die der Betrieb ebenfalls anbietet, war nach zehn Tagen ausgebucht. Ein interessantes Konzept sind die Ausfahrten im kleinen Kreis, die Raymond Hechler für ausgewählte Kunden anbietet. Dann geht es auf Neumaschinen zum BMW-Treffen nach Garmisch, auf den Enduropark Hechlingen oder in die Dolomiten.

Griechisches Restaurant im Gebäude als Bikertreff

Die Inhaberfamilie bemüht sich indes nicht nur um ein gutes Verhältnis zu den Kunden, sondern kümmert sich auch um ihre elf Mitarbeiter. Der freie Montag wurde bereits angesprochen; aber auch die mit 37,5 Wochenstunden zivile Arbeitszeit und die Garantie auf einen 14-tägigen Urlaub während der Motorradsaison verdienen Erwähnung. Gemeinsame Essen, Betriebsausflüge und Motorradtouren finden ebenfalls statt.

Apropos Essen: Im Gebäude ist ein griechisches Restaurant ansässig, das die Hechlers verpachtet haben. Hier lässt sich gut und günstig speisen – viele Biker aus der Region nutzen es als Treffpunkt und schauen dann natürlich auch bei Hechler Motor rein.

Im analogen Kundenkontakt macht den Hechlers kaum jemand etwas vor. Doch wie sieht es in der digitalen Welt aus? Hier hält sich der Betrieb noch etwas zurück, vor allem bei den sozialen Netzwerken. Auf ­Facebook ist man beispielsweise noch nicht vertreten. Dafür gibt es eine moderne und gut strukturierte Homepage, und der monatliche Newsletter erreicht rund 600 Kunden. Auch lässt sich auf der Homepage ein Servicetermin vereinbaren.

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