Hein Gericke: Der Kampf um die Markenhoheit und -wahrheit

Feel the ride – feel the Streit

| Autor: Stephan Maderner

Feel the ride - feel the Streit – der Kampf um die Zukunft Hein Gerickes geht in die nächste Runde.
Feel the ride - feel the Streit – der Kampf um die Zukunft Hein Gerickes geht in die nächste Runde. (Foto: Vogel Business Media)

Wem gehört die Marke Hein Gericke? Die Hamburger Hein Gericke Group hat sich nach eigenen Angaben jetzt beim Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum die internationale Wortmarke „Hein Gericke“ im Markenregister rechtskräftig eintragen lassen.

Lange schwiegen die Kanonen im Kampf um die Zukunft der Marke Hein Gericke. Nachdem die Gläubigerversammlung Anfang Februar dem Insolvenzplan der Düsseldorfer Hein Gericke Europe GmbH (Kürzel: HGE) mit großer Mehrheit zustimmte, war erst einmal Ruhe an der Schlagzeilenfront. Doch jetzt bringt sich das Hamburger Pendant, die Hein Gericke Group, im Streit um die Markenrechte des Traditionsunternehmens „Hein Gericke“ wieder in Position und teilte am 27. April mit, einen „weiteren wichtigen Teilerfolg“ erzielt zu haben. Das Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (Euipo) habe der Hein Gericke Group (Kürzel: HGG) jetzt mitgeteilt, dass die internationale Wortmarke „Hein Gericke“ für sie im Markenregister endgültig eingetragen ist; ein Widerspruch der HGE Düsseldorf, gegen die Anmeldung, sei rechtskräftig zurückgewiesen worden. Die HGE habe kein Rechtsmittel gegen die Entscheidung eingelegt.

In der Interpretation der Hamburger sind die „wertvollen Markenrechte damit zu Gunsten der HGG gegen eine weitere Entwertung der Traditionsmarke durch die Chinesen gesichert“ worden. Man spricht vom Versuch einer feindlichen Übernahme des Traditionsunternehmens Hein Gericke durch die chinesische Liao-Gruppe. Für diesen Übernahmeversuch durch Paul Liao sei eigens eine Gesellschaft mit Namen Hein Gericke Europe GmbH in Düsseldorf gegründet worden. Im Rahmen eines Asset-Deals ist der Geschäftsbetrieb der insolventen deutschen Tochtergesellschaft Hein Gericke Deutschland GmbH der HGG erworben worden. Der Umfang der von der HGE erworbenen Wirtschaftsgüter ist streitig. Fakt ist jedenfalls, dass im Oktober 2015 die von Liao gegründete HGE selbst wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein Verfahren nach § 270 b Insolvenzordnung anmelden musste.

Aus Sicht der Hein Gericke Group wurden die Verbindlichkeiten der HGE im Rahmen dieses insolvenzrechtlichen Verfahrens unter Federführung der beiden Geschäftsführer Paul Liao und Emil Rinckens entwertet: „Die von den Chinesen eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen haben im Rahmen des Insolvenzplans bei Lieferanten und anderen unbesicherten Gläubigern der Gesellschaft zu hohen Insolvenz-Verlusten mit einem Forderungsverzicht in Höhe von 95 Prozent geführt. Der Schaden dieser Gläubiger belief sich damit auf mehr als 8 Millionen Euro“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Hein Gericke Group zeigt sich erstaunt darüber, dass dieses Insolvenzplanverfahren von der Gläubigerversammlung und dem Insolvenzgericht durchgewunken worden sei, obwohl der Sanierungsgeschäftsführer, Rechtsanwalt Emil Rinckens, in der Gläubigerversammlung vom 2. Februar 2016 erklärt habe, dass es keinen Jahresabschluss zum 31. Dezember 2014 gebe.Tatsächlich ist offenbar bis heute kein Jahresabschluss 2014 veröffentlicht worden.

Ein bemerkenswerter Vorgang. Warum? „Weil die im Frühjahr 2015 von den Chinesen geschasste Geschäftsführung der HGE zunächst einen Jahresabschluss 2014 aufgestellt hatte, der eine völlig andere Finanzierungsstruktur als das im Rahmen des insolvenzrechtlichen Verfahrens von der späteren Geschäftsführung präsentierte Zahlenwerk aufwies“, schreiben die Hamburger in ihrem Medienbrief. Karl Ulrich Gorny, Sprecher der HGG: „Unsere größte Sorge ist es, dass die einstige Qualitätsmarke ‚Hein Gericke‘ unter der Chinesischen Herrschaft von einer A-Marke zu einer billigen C-Marke gemacht wird. Wir haben bereits vor drei Jahren entschieden, uns vom eigenen Einzelhandelsgeschäft zu trennen. Zu befürchten ist jetzt, dass das aktuelle Erscheinungsbild der Zubehör-Läden dem Anspruch der Hein Gericke-Kunden nicht gerecht wird und das gute Image von Hein Gericke als Hersteller hochwertiger Funktionsbekleidung hierunter leidet. Das von den Chinesen durchgeführte insolvenzrechtliche Verfahren schadet dem Ansehen zusätzlich.“

Die Sache ist heiß

Weitere brisante Details sind »bike und business« zugespielt worden. Danach könnte die HGE nicht nur gegen handelsrechtliche Rechnungslegungsvorschriften verstoßen haben, sondern es könnte auch willent- und wissentlich Bilanzkosmetik betrieben worden sein. So hätten Uwe Klinger und Stefan Miklich, die von 2014 bis März 2015 Geschäftsführer der HGE waren und anschließend von Paul Liao entlassen wurden, einen Jahresabschluss für 2014 vorgelegt, der ein weit höheres Eigenkapital auswies, als die im Februar 2016 im Insolvenzplan präsentierten Zahlen. Konkret geht es um Zahlungen, die Paul Liao Anfang 2014 leistete, um das Eigenkapital der HGE zu erhöhen. In dem von der alten Geschäftsführung aufgestellten Jahresabschluss 2014 waren diese Zahlungen als Eigenkapital ausgewiesen, im Insolvenzplan tauchten dann plötzlich Darlehensverträge mit Familienmitgliedern auf, nach denen die Zahlungen als Fremdkapital zu behandeln sind. Oikanterweise seien die angeblichen Darlehen auch noch durch der alten Geschäftsführung bis dato unbekannte Sicherungsübereignungsverträge des Warenlagers und der IP-Rechte besichert gewesen, womit diese Wirtschaftsgüter der Masse entzogen waren, was zu einer massiven Benachteiligung der anderen Gläubiger geführt habe. Der Knackpunkt sei, dass aus Eigenkapital schließlich besichertes Fremdkapital wurde und die sicherungsübereigneten Wirtschaftsgüter so dem Zugriff aller anderen Gläubiger entzogen worden sei. Und noch ein brisantes Detail ist zu klären: Die ursprünglich angeblich von Paul Liao investierten 30 Millionen Euro (was ungefähr einem Jahresumsatz entspricht) sollen wohl nicht von ihm selbst, sondern initial aus einem Investitionsprogramm des chinesischen Staats stammen – zum Zwecke des Aufkaufs kleinerer und mittelständischer Unternehmen in Europa. Zuwendungsempfänger und Investor sei letztendlich eine chinesische Firma namens Foshan Oumeiao Clothing Co. Ltd., die der Liao-Familie gehört.

Hintergrund

Zur Einordnung der wechselhaften Vergangenheit der Marke liefert die Hein Gericke Group Hamburg weitere Hintergrund-Infos. „Für Motorradfahrer in Europa ist die Traditionsmarke „Hein Gericke“ im Bereich hochwertiger, protektiver Motorrad-Bekleidung seit Jahrzehnten ein Begriff. Das Unternehmen Hein Gericke wuchs nach seiner Gründung durch seinen Namensgeber im Jahr 1970 schnell zu einem der bedeutendsten Markenhersteller in Europa für Motorradkleidung und Fachhändler für -zubehör. Nach dem Verkauf an die damalige Eurobike AG im Jahr 1987 hat die Hein Gericke-Gruppe mehrmals den Eigentümer gewechselt. Ende 2012 wurde die Dachgesellschaft der gesamten Gruppe durch Schweizer Industrielle von britischen und deutschen Eigentümern vollständig erworben. Die Hein-Gericke-Group mit seinerzeit sieben Konzerngesellschaften führte die Marke weltweit und betrieb bis Ende 2013 auch eigene Stores in acht europäischen Ländern sowie das gesamte Online-Geschäft mit Kunden in 89 Ländern, unter der Führung des damaligen Group-CEO’s, Dr. Christian Korte.

Fazit: Es ist zu erwarten, dass auf die Juristen nun eine Menge Arbeit zukommt. Die Vorwürfe gegen die Hein Gericke Europe GmbH wiegen schwer. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren gegen die Geschäftsführer Paul Liao und Emil Rinckens eröffnet werden wird. Der Kampf um die Zukunft Hein Gerickes geht weiter. Im Folgenden lesen Sie ein Statement der Hein Gericke Europe GmbH vom 27. April 2016 zu den Vorwürfen.

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