Hein Gericke in der Klemme

Sanierungsplan soll bis November 2012 stehen

| Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Stephan Maderner

Hein Gericke ist wegen seiner Auslandstöchter finanziell in Schieflage geraten. Jetzt muss ein Sanierungsplan her.
Hein Gericke ist wegen seiner Auslandstöchter finanziell in Schieflage geraten. Jetzt muss ein Sanierungsplan her.

Hein Gericke hat beim Amtsgericht Düsseldorf ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt.

Wie erst heute offiziell bekanntgegeben wurde, hat die Geschäftsführung der Hein Gericke Deutschland GmbH bereits am 30. Juli 2012 beim Amtsgericht Düsseldorf Antrag auf Anordnung eines eigenständigen Sanierungsverfahrens gestellt. Gleichzeitig beabsichtigt das Unternehmen, seinen Gläubigern bis Anfang November 2012 einen Sanierungsplan vorzulegen.

„Die Geschäfte werden vom bestehenden Management uneingeschränkt fortgeführt“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Georg F. Kreplin aus Düsseldorf bestellt, der in sehr enger Zusammenarbeit mit dem Management den eingeschlagenen Sanierungsweg begleitet. „Unser Unternehmen wird vollumfänglich fortgeführt”, betont Herr Achim Wirths, der seit 2009 neben Christoph Hansen und Ralf Baches,Geschäftsführer der Hein Gericke ist. „Wir haben uns bewusst entschieden, die Möglichkeiten des neuen Rechtes zu nutzen, um Hein Gericke im Rahmen der Eigenverwaltung für die Zukunft neu aufzustellen und den Weg der Sanierung umzusetzen.” Alle Arbeitsplätze sollen erhalten werden.

Hein Gericke ist nach eigenen Angaben drittgrößter Anbieter von Helmen, Bekleidung und Motorradzubehör in Deutschland. Mit seinen aktuell 67 Shops in Deutschland und einem stark wachsenden Online-Geschäft ist Hein Gericke seit über 40 Jahren im Markt bekannt. Die gesamte Gruppe beschäftigt im In- und Ausland 288 Mitarbeiter.

Der vorläufige Sachwalter ist der Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Georg F. Kreplin aus dem Büro Kreplin & Partner aus Düsseldorf. Dieser verfüge über große Restrukturierungserfahrungen und gilt als erfahrener Sanierer. Zusätzlich wird das Management durch erfahrene Berater unterstützt. Die Geschäftsführung und Georg F. Kreplin haben die Mitarbeiter im Rahmen einer Betriebsversammlung über die vorgesehenen Maßnahmen informiert. „Das von der Geschäftsführung vorbereitete Sanierungskonzept ist in sich schlüssig und verspricht, erfolgreich umgesetzt zu werden“ teilte Kreplin mit. Dem entsprechend habe der vorläufige Gläubigerausschuss in seiner ersten Sitzung einstimmig beschlossen, die Eigenverwaltung des Unternehmens im Schutzschirmverfahren zu unterstützen.

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) zum 1.3.2012 soll die Eigenverwaltung, die bei der Abwicklung von Insolvenzverfahren bisher eine völlig untergeordnete Rolle spielte, gestärkt werden. Unter dem Eindruck der Finanzkrise wollte der Gesetzgeber Gesellschaften, die frühzeitig den Antrag für das Schutzschirmverfahren stellen, bessere Sanierungsmöglichkeiten eröffnen.

So können Unternehmen, die ein plausibles Sanierungskonzept haben und nicht zahlungsunfähig sind, Vollstreckungsschutz beantragen. Das Gericht hat sodann eine Frist zur Vorlage eines den Gläubigern zu unterbreitenden Sanierungsplans zu bestimmen. Hein Gericke wird als eines der ersten Unternehmen die Vorteile des neuen Rechtes nutzen.

Den gesetzlichen Anforderungen entsprechend war mit dem Antrag bei Gericht die Bescheinigung einer renommierten Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft verbunden, dass die angestrebte Sanierung Aussicht auf Erfolg hat und keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Die Gründe für die Schwierigkeiten der Hein Gericke lagen vornehmlich im Bereich der Auslandstöchter, die zeitgleich restrukturiert werden sollen.

„Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit dem Sachwalter und sind überzeugt, in Abstimmung mit unseren Geschäftspartnern ein optimales Ergebnis zur nachhaltigen Neuausrichtung von Hein Gericke zu finden” erklärte Wirths in der Betriebsversammlung, in der ihm die volle Unterstützung der Belegschaft bei dem angestrebten Sanierungskonzept zugesichert wurde.''

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