Hein Gericke muss unter den Schutzschirm

Eine Traditionsmarke will die Zukunft gestalten

| Redakteur: Jacqueline Neumann

Rutian „Paul“ Liao muss mit Hein Gericke erneut auf Sanierungskurs gehen.
Rutian „Paul“ Liao muss mit Hein Gericke erneut auf Sanierungskurs gehen. (Foto: Hein Gericke)

Der Motorradzubehör-Spezialist Hein Gericke hat ein Schutzschirmverfahren wegen drohender Insolvenz eingeleitet. Sanierungsmaßnahmen sollen für ein nachhaltiges Wachstum sorgen.

Die Hein Gericke Europe GmbH, Eigentümer der Traditionsmarke Hein Gericke und drittgrößter Filialist für Motorradzubehör und -bekleidung in Deutschland, hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung nach §270b InsO beantragt. Diesem Antrag wurde am 2. Oktober 2015 stattgegeben. Die Hein Gericke Europe GmbH hatte diesen Antrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt.

Das Unternehmen wird nun innerhalb einer Frist von drei Monaten in Eigenverwaltung einen Insolvenzplan mit den notwendigen Sanierungsmaßnahmen erstellen. Rechtsanwalt Emil Rinckens, Partner der bundesweit tätigen Sozietät FRH Fink Rinckens Heerma, wird als Chief Restructuring Officer in die Geschäftsführung berufen. Der Restrukturierungs- und Sanierungsexperte verfügt über weitreichende Erfahrungen in Schutzschirmverfahren sowie im Handel. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Georg F. Kreplin, Partner der überörtlich tätigen Kanzlei Kreplin & Partner, bestellt. Er kennt Hein Gericke bereits aus vorherigen Insolvenzen und hat schon zahlreiche Restrukturierungen, auch im Rahmen von Schutzschirmverfahren, begleitet.

Eigentümer Rutian „Paul“ Liao, der Hein Gericke nach einer Insolvenz im Februar 2014 übernommen hatte, hat in den vergangenen anderthalb Jahren erheblich in das Unternehmen investiert – mittlerweile in Höhe eines Jahresumsatzes. Trotz dieses finanziellen Engagements und erfolgreich eingeleiteter Maßnahmen zur Verbesserung der Schlagkraft am Markt konnte das Unternehmen noch nicht nachhaltig zukunftsfest aufgestellt werden. Ursächlich hierfür sind finanzielle „Altlasten“ sowie überdimensionierte Strukturen, die beim Kauf des Unternehmens mit übernommen wurden. Durch das bisherige Management wurde auf Basis der übernommenen Personal- und Filialstrukturen eine zu optimistische Planung für 2015 aufgestellt, die trotz eines voraussichtlichen Wachstums im laufenden Geschäftsjahr nicht erreicht werden kann.

Als Konsequenz aus der Entwicklung hatte sich Liao bereits im Mai diesen Jahres von der neu eingesetzten externen Geschäftsführung getrennt und fungierte seitdem als Alleingeschäftsführer. Zuvor hatte er sich vor allem auf die strategische Weiterentwicklung von Hein Gericke konzentriert. Eine Straffung des Filialnetzes und eine damit einhergehende Anpassung der Personalstruktur sind aus derzeitiger Sicht unumgänglich. Genauere Planungen werden jetzt im Rahmen des Schutzschirmverfahrens erstellt.

Die Zulassung zum Schutzschirmverfahren ist nur dann möglich, wenn ein Unternehmen von der Insolvenz bedroht, aber noch nicht zahlungsunfähig ist und das Unternehmen saniert werden kann – diesen Sachverhalt sieht das Amtsgericht Düsseldorf gegeben. Das jetzt laufende Verfahren hat keinen Einfluss auf den aktuellen Betriebsablauf sowie bestehende oder zukünftige Lieferbeziehungen. Das Unternehmen ist derzeit zahlungsfähig. Während des Schutzschirmverfahrens neu geschlossene Lieferverträge mit Lieferanten sind durch den Eigentümer abgesichert.

„Das Schutzschirmverfahren eröffnet jetzt die Möglichkeit, notwendige Sanierungsschritte, die im Zuge des vorherigen Insolvenzverfahrens schon hätten erfolgen können, zu ergreifen. Wir werden jetzt eine tragfähige und wettbewerbsfähige Plattform schaffen, um die bestehenden Wachstumsoptionen mittel- und langfristig wahrnehmen zu können. Entscheidend ist, dass mit Rutian Liao ein weitsichtiger Unternehmer hinter Hein Gericke steht, der die Restrukturierung mitträgt und sich weiterhin langfristig engagieren will. Mit seiner tragfähigen unternehmerischen Vision für die Marke Hein Gericke werden wir den zukünftigen Erfolg des Unternehmens sicherstellen“, erläutert Emil Rinckens.

„Mein Herz schlägt für das Motorrad und für Hein Gericke“, sagt Rutian „Paul“ Liao. „Ich sehe nach wie vor ein enormes Potenzial, Hein Gericke als preiswürdige Premium-Marke für unsere Kunden attraktiv zu machen. Dafür setze ich mich auch in Zukunft mit aller Kraft ein.“

Rutian „Paul“ Liao ist ein etablierter Unternehmer im Motorrad-Zubehör-Bereich. Die Familie des Eigentümers hat die Liao Group aufgebaut. Die Liao Group ist spezialisiert auf die Herstellung und den Vertrieb von Produkten für den Motorradfahrer. Das breite Portfolio besteht aus Motorradbekleidung, Helmen und Gepäck. Die Produkte zeichnet laut Herstellerangaben ein „exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis“ in allen Preissegmenten aus. Die Gruppe beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter und beliefert mehr als 45.000 Händler in 85 Ländern.

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