Heißes Eisen Mindestlohn für Azubis

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 9/I), Folge 668: Nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 diskutiert die Politik nun den nächsten Schritt, der die unternehmerische Freiheit von Arbeitgebern einmal mehr beeinträchtigen würde: die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung. Davor warnt....

...der Bundesinnungsverband Zweirad-Handwerk (BIV) im aktuellen Newsletter. Zum Hintergrund: Während nach bisheriger Rechtslage Azubis nicht in den Anwendungsbereich des Mindestlohngesetzes fallen und folglich keinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn haben, könnte sich das bald ändern. Per Gesetz wären dann alle Betriebe – gleich welcher Größe und wirtschaftlicher Kraft – verpflichtet, ihren Azubis einen bestimmten monatlichen Beitrag zu zahlen. Unternehmer und Juristen sind sich einig: Die Politik rückt die Ausbildungsvergütung damit sachwidrig in die Nähe des „Gehalts“ und verwische die Grenze zwischen zwei völlig unterschiedlichen Vergütungsarten.

Denn die Ausbildungsvergütung ist nun mal von ihrer Natur her kein Ausgleich für geleistete Arbeit. Denn Ziel der Ausbildung ist es, junge Menschen auf das spätere Arbeitsleben vorzubereiten. Und das droht in Zukunft zu verwässern. Denn wer durch Gesetz gezwungen wird, einen (keiner weiß, wie hohen) Betrag zu zahlen, wird sich überlegen müssen, wie er diese Summe wieder „reinbekomme“. Darunter könnte das eigentliche Ziel der Ausbildung in den Hintergrund rücken und der Azubi wäre verdonnert, sein Gehalt auch im Wortsinne zu „verdienen“.

Und noch ein Punkt ist aus Sicht der Unternehmer problematisch: Die Ausbildungsvergütung fällt seit jeher in das Aufgabengebiet der Tarifvertragsparteien – auch wenn das Zweirad-Handwerk mangels Masse tariftechnisch längst nicht mehr von der IG-Metall vertreten wird. 2018 sind die Ausbildungsvergütungen bundesweit um 3,7 Prozent gestiegen, mehr als die Gehälter der Arbeitnehmer. Und die Ausbildungstarife für das Zweirad-Handwerk wurden mit der letzten Anpassung in NRW um 20 Prozent angehoben. Im ersten Ausbildungsjahr erhält der Lehrling dort 550 Euro, im zweiten 620 Euro, im dritten 690 Euro und im vierten 740 Euro.

Was meinen die angehenden Zweiradmechatroniker? Ist das eine angemessene Vergütung? Mit welchen finanziellen Vorstellungen geht ihr in eure Job-Zukunft? Sehr ihr euren Verdienst als Ausbildungsvergütung oder als echte Entlohnung? Sind die genannten Summen attraktiv genug, damit ihr tatsächlich einen Ausbildungsplatz im Zweirad-Handwerk anstrebt? Oder ist euch eigentlich Geld gar nicht so wichtig – reizt euch vielmehr die Aussicht, einen technisch anspruchsvollen Beruf zu ergreifen und euer Hobby zum Beruf zu machen? Bin auf das Feedback der Jugend gespannt .

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