Hickhack um Hein Gericke

Wer hat die Deutungshoheit über die Zukunft des Filialisten?

| Autor: Stephan Maderner

Das Imperium schlägt zurück: Die Düsseldorfer Hein Gericke Europe GmbH wehrt sich gegen die Vorwürfe der Hamburger Hein Gericke Group.
Das Imperium schlägt zurück: Die Düsseldorfer Hein Gericke Europe GmbH wehrt sich gegen die Vorwürfe der Hamburger Hein Gericke Group. (Foto: Hein Gericke Group)

Vor dem Landgericht Hamburg streiten die Hein Gericke Europe GmbH (Düsseldorf) mit der Hein Gericke Group (Hamburg) über Markenschutzrechte. Die Zukunft über den weiteren Weg des Filialisten scheint mehr denn je ungewiss.

Die Nachrichtenlage über die Zukunft des angeschlagenen Filialisten Hein Gericke ist diffus. Die unter der Federführung des chinesischen Investors Rutian Liao in Schieflage geratene Hein Gericke Europe GmbH mit Sitz in Düsseldorf musste Anfang Oktober 2015 unter den insolvenzrechtlichen Schutzschirm flüchten (§ 270b InsO). Rechtsanwalt Emil Rinckens wurde damals zum Chief Restructuring Officer bestellt und sollte innerhalb von drei Monaten einen Rettungsplan erarbeiten. Heute nachmittag bekam die Redaktion von »bike und business« Post aus Hamburg. Absender: Hein Gericke Group GmbH, Kurze Mühren 20, D-20095, Hamburg. Im Folgenden lesen Sie die Original-Mitteilung. Absender: Karl Ulrich Gorny, seines Zeichens Sprecher der Hein Gericke Group GmbH, die nach eigenen Angaben als Management- und Beteiligungsgesellschaft die Hein-Gericke-Unternehmensgruppe weiterführt. Die Headline über der Meldung lautet: „Chinesen scheitern mit feindlichem Übernahmeversuch der Traditionsmarke – Europäisches Markenamt versagt die Markenrechte“. Nach Informationen von »bike und business« arbeitet die Hein Gericke Europe GmbH gerade mit Hochdruck an einem Statement zu den Vorwürfen aus Hamburg. Wir bleiben für Sie dran.

Die Original-Mitteilung der Hein Gericke Goup GmbH

„Düsseldorf/Hamburg 16. Dezember 2015 – Dieser Versuch einer feindlichen Übernahme eines Europäischen Markenunternehmens durch einen in China ansässigen Großinvestor ist gründlich schiefgegangen. Die von der chinesischen Liao-Gruppe für eine feindliche Übernahme des Traditionsunternehmens Hein Gericke gegründete Hein Gericke Europe GmbH steckt bereits seit Anfang Oktober wegen drohender Zahlungsunfähigkeit in einem insolvenzrechtlichen Schutzschirmverfahren. Löhne streckt seit Oktober die Bundesagentur für Arbeit vor. Eine mögliche Eröffnung des Regelinsolvenzverfahrens steht bevor.

Damit nicht genug. Jetzt hat das Europäische Markenamt in Alicante mit einer aktuellen Entscheidung den Chinesen die von ihnen für die neu gegründete Hein Gericke Europe GmbH reklamierten Markenrechte abgesprochen. Die neu gegründete Gesellschaft habe nicht nachgewiesen, Inhaberin der „Hein Gericke“-Marken zu sein. Nun dürfte es für die Hein Gericke Europe GmbH der Chinesen, die durch hohe Verbindlichkeiten belastet in den Insolvenz-Schutzschirm ging, schwer werden, am Markt zu bestehen. Das gilt umso mehr, als Rutian Liao, alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH, die Gesellschaft nur mit einem Stammkapital von gerade einmal 500.000 Euro gegründet hat.

Für Motorradfahrer in Europa ist die Traditionsmarke Hein Gericke im Bereich hochwertiger Motorrad-Bekleidung seit Jahrzehnten ein Begriff. Wie Karl Ulrich Gorny, Sprecher der Hein Gericke Group GmbH mitteilt, die als Management- und Beteiligungs-Holdinggesellschaft die angesehene Hein-Gericke-Unternehmensgruppe weiter führt, hatten die Chinesen zunächst über einen Erwerb der Mehrheit an der gesamten, im Jahr 2013 erfolgreich restrukturierten und neu aufgestellten Gruppe verhandelt, es sich dann jedoch anders überlegt. In der Folge fielen zwei wichtige Ländergesellschaften der Gruppe in Insolvenz. „Ohne den Versuch einer feindlichen Übernahme wären diese Insolvenzen vermeidbar gewesen“ ergänzt Gorny. „Aus unserer Sicht nahmen die Chinesen die Insolvenzen bewusst in Kauf, um möglicherweise günstigere Konditionen zu erzielen“. Alle Standorte und Arbeitsplätze in UK gingen sofort verloren. Anfang 2014 gründeten die Chinesen eine neue eigene GmbH unter der Bezeichnung „Hein Gericke Europe GmbH“, und verhandelten mit dem Insolvenzverwalter der deutschen Ländergesellschaft. Anschließend setzten die Chinesen deren defizitäres Einzelhandelsgeschäft mit ihrer neu gegründeten Firma im Stil eines Billig-Discounters in mehr als 50 alten Läden fort. Dieser Plan ging schief.

Vor dem Landgericht Hamburg streiten die Hein Gericke Europe GmbH und die Hein Gericke Group über Markenschutzrechte. „Bisher hat Liao in diesem Verfahren noch nicht einmal einen Nachweis über die Kaufpreiszahlungen für die angeblich erworbenen Marken erbracht“, erläutert Karl Ulrich Gorny den Stand des Verfahrens.

„Auch die jüngste Entscheidung des Europäischen Markenamts in Alicante kann für die Liao-Beteiligung das endgültige Aus bedeuten. Zwar kann Hein Gericke Europe die Entscheidung aus Spanien noch beim Gericht der Europäischen Union (EuG) zur Überprüfung bringen, die Erfolgsaussichten für ein solches Verfahren und dessen baldigen Abschluss dürften indes gering sein. Vor wenigen Monaten verkündete Rutian Liao noch vollmundig, alsbald die Nr. 1 in Deutschland sein zu wollen. Das dürfte sich wohl vorerst erledigt haben“, so Gorny weiter.“ O-Ton der Meldung Ende.

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