„Hier geht man zu Witzel – nicht zu BMW!“

Zweiter Platz beim Motorradhändler der Jahres 2018

| Autor / Redakteur: Gerd Hoffmann / Viktoria Hahn

Insgesamt zwölf Mitarbeiter sind bei Motorrad Witzel in Sennfeld beschäftigt.
Insgesamt zwölf Mitarbeiter sind bei Motorrad Witzel in Sennfeld beschäftigt. (Bild: Jan Rosenow)

Das nennt sich Familienbetrieb: Großvater, Vater und Sohn Witzel arbeiten zusammen, um die Marken BMW, Yamaha und Husqvarna in Unterfranken voranzubringen. Die regionale Verwurzelung und Kundenbindung ist dementsprechend eng.

Im unterfränkischen Sennfeld vor den Toren der Industriemetropole Schweinfurt ist der Mehrmarkenhändler Motorrad Witzel mit BMW, Yamaha und Husqvarna daheim. Der Familienbetrieb hat eine über 50-jährige Tradition, die sich in den drei Generationen zeigt; Großvater und Gründer Fritz (84) ist noch regelmäßig im Betrieb. Vater Volker (58) ist aktueller Geschäftsführer, sein Sohn Steven (34) verantwortet Service und Werkstatt. Hier zeigt sich, dass die Leidenschaft für das Motorrad weitervererbt wird. Die zweite erfolgreiche Nachfolge ist gut vorbereitet. Der motorradbegeisterte Clan wird durch das kaufmännische „Hirn“ Elmar Eck ergänzt.

Das Unternehmen startete 1967 mit Sachs, wo der Gründer als Einfahrer Hunderttausende Motorradkilometer gesammelt hatte, und Maico. 1972 nahm der Betrieb dann Yamaha hinzu und verkaufte nebenbei auch BMW von einem befreundeten BMW-Händler. Schon ein Jahr später ergab sich die Gelegenheit, selber einen BMW-Vertrag zu erhalten. Eine jahrzehntelange Motorsportkarriere mit großen Erfolgen, beispielsweise im Supermoto, stemmte Volker Witzel nebenbei auch noch. Dieser Motorradenthusiasmus ist bis heute geblieben und spiegelt sich in Geschäftsleitung und Team wider. Auch Sohn Steven ist Motorradfan, auch wenn er seine Berufsausbildung im Pkw-Bereich von BMW absolvierte, wo er den Servicemeister und eine kaufmännische Ausbildung abschloss. Mit diesem Background übernahm er den Service- und Werkstattbereich von Witzel und führte hier Prozesse und gute Ideen aus der Autowelt ein. Mit Hinzunahme von Husqvarna mit eigenem Showroom 2016 ist nun das Fahrzeugangebot komplett, rund und zukunftsorientiert. Die Kunden erwartet ein 700 Quadratmeter großer Show-Room mit separaten Bereichen für BMW, Yamaha und Husqvarna, einer Gebrauchtmotorräder-Ausstellung und Bekleidungs-Stores sowie einer Serviceannahme.

Schaut man sich heute die Umsatzzahlen an, so liegt das Gebrauchtmotorrad vorne, knapp vor BMW. Yamaha folgt mit etwas Abstand, aber Husqvarna ist schon für 30 verkaufte Einheiten gut. Zu den BMW-Neumotorrädern zählt man auch die Dienstmaschinen (Premium Selection), die über Auktionen zugekauft werden. Witzel bietet bei jeder BMW-Auktion mit, auch um einen Überblick über das Preisniveau zu erhalten. Auch ertragsmäßig liegt das Gebrauchtgeschäft mit einem Anteil von über 40 Prozent vorne; die Werkstatt trägt 15 Prozent bei. Ein Zukauf von weiteren Motorrädern erscheint Witzel aktuell nicht notwendig, da generell ausreichend Inzahlungnahmen anfallen. Die hochwertigen Angebote der Premium Selection von BMW motivieren viele Kunden, ihr Motorrad über die Rücknahmeprämie zu tauschen.

Mit dem Gewinn des Yamaha Incentives zeigte Witzel, dass er auch bei der japanischen Marke zu den Top-12-Händlern in Deutschland gehört. Die Neugestaltung des Showrooms nach dem Yamaha-Coporate-Design steht in nächster Zeit an. Der „jüngsten“ Marke Husqvarna ist ein eigener, abgetrennter Showroom im Vorderbereich der Gebäude gewidmet. Trotz des erst wenige Jahre zurückliegenden Neustarts der Marke unter KTM-Regie hat Witzel hier schon ordentliche Umsatzerfolge zu verzeichnen. Und das Beste: Husqvarna spricht junge Kunden an, weil Supermoto im Trend liegt. Im Bekleidungsgeschäft konzentriert sich Witzel stark auf die Angebote seiner Marken. Paketangebote für Rollerfahrer werden sehr intensiv genutzt. 75 Prozent der Kundschaft sind Stammkunden. Nach dem Kauf kommt das Erlebnis Motorrad, und auch dafür hat Witzel ein großes Programm im Angebot. Der jährliche Veranstaltungsplan umfasst von März bis Dezember Messebesuche, Markenevents (BMW, Yamaha), After-Work-Rides, exklusive Ausfahrten für Frauen mit weiblichem Tourguide, Sicherheitstrainings, Endurotrainings, Schrauberkurse, Navigationsschulungen und große Motorradreisen, zum Beispiel nach Schottland oder Sardinien.

Der 86-jährige Senior führt noch die Ausfahrten an

Bemerkenswert ist die samstägliche Ausfahrt mit Senior Fritz, bei der der 86-Jährige meist auf aktuellster Maschine mit seinen BMW-Freunden tolle Ziele ansteuert. Beim monatlichen After-Work-Ride können die Kunden Motorräder aus dem großen Vermieter- und Vorführerpool fahren; sie tauschen ihre Maschinen während der Tour durch und erleben so immer etwas Neues. Dies führt zielsicher zu neuen Kaufanreizen. Die größeren Reiseveranstaltungen werden an externe Profireiseunternehmen outgesourct, aber von Witzel-Mitarbeitern begleitet. Zusätzliche Saisonauftakt-, Saison- und Saisonabschlussfeiern mit Gastronomie runden die nachhaltigen Kundenerlebnisse ab.

Der jüngste Witzel hat ein Faible für Umbauten

Die Werkstatt schafft 15 Durchläufe pro Tag; dennoch müssen Kunden mit vier Wochen Vorlaufzeit rechnen. Den künftigen Fachkräftebedarf will die Geschäftsleitung durch eigene Ausbildung sicherstellen, wobei aus Qualitätsgründen nicht mehr als zwei Azubis eingestellt werden. Die wöchentlichen Team-Besprechungen in der Werkstatt binden die Mitarbeiter in die Arbeitsprozesse sowie Entscheidungen ein und geben allen einen Überblick, was aktuell ansteht. Werkstattleiter Steven Witzel mit seinem Faible für Sonderumbauten und Veredelungen forciert das Customizing und die Hinzunahme von klassischen Motorrädern als künftiges Geschäftsfeld. Diese Nische wird aktuell bereits getestet, zumal damit auch die Winterauslastung positiv beeinflusst werden kann. Mit einem Werkstattverrechnungssatz von 90 Euro liegt Witzel noch im moderaten Bereich. Welche Fahrzeuge vorrangig in der Werkstatt anzutreffen sind, macht die Aussage von Volker deutlich: „Yamahas gehen so gut wie nie kaputt; bei BMW ist das anders.“ Den Kunden werden in Zusammenarbeit mit der Werkstatt Schrauberkurse angeboten, die äußerst gut ankommen; rund 300 Teilnehmer pro Jahr ist eine stolze Zahl. Natürlich besteht auch die Möglichkeit der Wintereinlagerung für sechs Euro pro Woche; Services wie Wäsche, Frühlingsstart, Batteriedienst und mehr können gegen Aufpreis dazu gebucht werden.

Aktuell wurden die vier Händlerwebsites neu gestaltet (Witzel, BMW, Yamaha und Husqvarna). Alle Websites werden intensiv gepflegt. „Die Witzel-Seite ist aber die wichtigste“, so die eindeutige Aussage. „Kunden kaufen beim Witzel“ und „Kunden kommen zum Witzel“ – das ist der Sprachgebrauch in Unterfranken. Social Media und Websites werden von der Partnerin des Chefs betreut und mit neuen Inhalten bestückt. Vater und Sohn sowie die Mitarbeiter geben ihren Input hierfür regelmäßig dazu. Viel wird auch mit Printmedien gearbeitet. Deshalb wundert es nicht, dass auf den Theken im Ausstellungsraum und an der Kaffeebar viele Aufsteller für individuelle Witzel-Aktionsflyer und -Angebotsprospekte ins Auge fallen. Das Witzel-Team besteht aus elf Mitarbeitern, von denen sieben in der Werkstatt aktiv sind, sowie einem Auszubildenden. Teamaktivitäten sind beispielsweise gemeinsame Barbecues am Feierabend, eine Weihnachtsfeier und ein Betriebsausflug sowie Reisen zu Messen und die Dreitagestour zu den BMW-Days nach Garmisch-Partenkirchen.

Viele Aktivitäten mit den Mitarbeitern

Eine Besichtigung des BMW-Werks in Berlin stand auch in den letzten zwei Jahren auf dem Programm. Regelmäßige Teilnahme an Lehrgängen der Hersteller bilden nicht nur weiter, sondern motivieren die Mitarbeiter zusätzlich. Für Werkstattmitarbeiter ist auch der Karriereweg zum Zweiradmeister konzipiert. Grundsätzlich zahlt Motorrad Witzel faire, marktgerechte Löhne und als Besonderheit ein festes 13. Gehalt.

Bei allem schon Erreichten betonen Volker und Steven Witzel ihren Wahlspruch: „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!“ Entsprechend gibt es bereits Zukunftsplanungen, etwa die Hinzunahme von Klassik-Motorrädern, Sonderumbauten, Ausrichtung auf junge Kunden (125er), Ausbau der Social-Media-Aktivitäten und eventuell ein Neubau, da das bestehenden Gelände und Gebäude ausgereizt ist. Da bleiben auch genug ehrgeizige Ziele für Sohn Steven übrig, wenn die Übergabe an die nächste Generation in den nächsten Jahren erfolgen wird.

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