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Hilfe, ohne die Omas geht uns der Sprit aus!

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 23/2015/II). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Würzburg, den 5. Juni 2015 – Wie lange reicht das Erdöl noch? Dieser spannenden Frage gehen wir in diesem Newsletter auf den Grund. Nach einem starken Rückgang in den 80er Jahren sieht die aktuelle Situation deutlich positiver aus. Es besteht eine noch nie da gewesene Menge an Erdölreserven. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Ölkrise Anfang der siebziger Jahres sowie die damaligen Erdkunde-, Biologie- oder Geschichts-Lehrer, die uns Pennälern die skeptischen und düsteren Thesen des „Club of Rome“ in dessen Bericht „Limits to Growth“ (Die Grenzen des Wachstums) eintrichterten. Der Duktus war stets folgender und Widerspruch zwecklos: Das Öl geht bald zur Neige. Energie- und Spritsparen ist angesagt, sonst geht uns rasend schnell, höchstens in zwanzig Jahren, der fossile Treibstoff aus. Autofreie Sonntage gab's, der Benzinpreis kannte nur eine Richtung: Nach oben. Die Befüllung meiner Hercules Supra 4 ließ regelmäßig mein komplettes Taschengeld draufgehen. Hätte ich damals nicht meine liebenswerte und spendable Oma gehabt (Merke: Großmutter kommt von großzügig!), hätte ich meine Zweiradmobilität schnell an den Nagel hängen müssen. Danke, liebe Oma, dafür (und wegen vieler anderer Gründe natürlich auch) schließe ich dich auf ewig in mein Herz.

Nicht dass ich irgend etwas gegen Spritsparen, alternative Energien und neue ressourcenschonende Methoden der Fortbewegung hätte - was mich in der öffentliche Debatte schon immer gestört hat, ist das fatale Schwarz-Weiß-Denken, der fast (öko)-diktatorische Diskussionsansatz, das radikale Friss oder stirb der Thesen, das einen vernünftigen und sachlichen Austausch von Argumenten unmöglich macht. Was muss ich heute lesen, vierzig Jahre, nachdem der Club of Rome - mit der Aussage „Das Ende des Öls ist nah“ - auf den Plan getreten ist? Die Erdölreserven sind laut einer BP- und Statista-Studie von 135,7 Milliarden Tonnen im Jahr 1990 auf 238,2 Milliarden Tonnen im Jahr 2013 angestiegen!

Der Fortschritt der Exploration und Fördermethoden macht's möglich. Gut so, dass die Menschheit immer wieder erfinderisch und fantasiereich genug war und ist, mit neuen Technologien (auch auf die ökologischen Herausforderungen) des Wirtschaftens auf unserem Planeten Antworten zu finden. Dazu gehört auch die Risikoabschätzung von Kernkraft oder des Frackings. Insofern stehe ich sogar vorbehaltslos hinter den Leitlinien des Club of Rome: Es lohnt sich, für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft der Menschheit einzutreten. Think global, act local!

Bezogen auf unsere Branche: Gleich ob es benzinverfeuernde sowie Höllenlärm verursachende und Spaß produzierende Maschinen auf zwei, drei oder vier Rädern sind, ob drehmomentstarke und saubere Pedelecs und Strommotorräder von Zero, Brammo & Co., Automobile der Marke Tesla oder selbstfahrende Pkw von Google oder Apple – den Ingenieuren von Bosch, BP & Co. sei gedankt, dass die Menschheit fortschrittlich und optimistisch in die Zukunft blicken darf.

Und wem das jetzt zu positiv war, der hole sich sein Material für seine Weltanschauung und -verbesserung bitte an anderer Stelle und Quelle. Aber lasse mir bitte meinen Glauben an Fortschritt, Nachhaltigkeit und einer besseren Zukunft der Menschheit. So viel ist sicher: Der Wandel kommt, ob mit oder ohne Öl. Noch in diesem Jahrhundert. Oder im nächsten.

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