Honda Gold Wing: Motorrad-Ikone in ihren besten Jahren

421 Kilogramm Lebendgewicht

| Autor / Redakteur: sp-x / Stephan Maderner

Die Honda Gold Wing des Modelljahres 2015.
Die Honda Gold Wing des Modelljahres 2015. (Foto: Honda)

Nach vier Jahrzehnten kommt die Honda Gold Wing offenbar erst in ihre besten Jahre. Mit 1,8-Liter-Sechszylinder-Boxer, Airbag, Navi und vielen Komfort-Extras versüßt sie seit 1975 die weite Tour. Zum Jubiläum 2015 gibt’s ein Sondermodell.

Wassergekühlter Sechszylinder-Boxer mit 1,8 Litern Hubraum, Airbag, Tempomat, Rückwärtsgang, sechsfach verstellbare Sitzheizung, 80 Watt-Surround-Soundsystem – was jedem Pkw gut zu Gesicht stehen würde, gehört inzwischen zur äußerst großzügigen Ausstattungsliste eines legendären Motorrads: des japanischen Luxusliners Honda Gold Wing. 1975 zog sie zunächst mit vier wassergekühlten Zylindern und 1,0 Liter Hubraum die Blicke auf sich und setzte seitdem regelmäßig Standards im Motorradbau – unter anderem 2006 mit dem ersten und bis heute einzigen Serien-Airbag in einem Motorrad oder später mit voll integriertem GPS-Navigationssystem. Was so manchem Biker zu viel des Komfortablen ist, führte in den letzten vierzig Jahren bei einer großen Fangemeinde zum Lebensmotto: „Einmal Gold Wing, immer Gold Wing.“

Zum Modelljahr 2015 legt Honda ein überarbeitetes Jubiläumsmodell in drei Lackvarianten auf. Den Zeitpunkt des Verkaufsstarts sowie die exakten Preise verraten die Japaner erst zur Herbstmesse EICMA, die vom 5. bis 9. November in Mailand stattfinden wird. Fest steht jetzt schon: „40 Jahre Gold Wing“ sieht man den Modellen an dank Chassis und verschiedenen Anbauteilen in Schwarz sowie anhand von Jubiläums-Emblemen auf der Verkleidung, im Cockpit, am Deckel der Topbox sowie am Zündschlüssel. Aktuell kostet die Honda GL 1800 Gold Wing 31.600 Euro, die gestrippte Flacheisen-Variante Gold Wing F6B (ohne Topbox und mit niedriger Scheibe, 28 kg leichter) 24.590 Euro. Auch vom Cruiser F6B gibt es 2015 ein Jubiläums-Modell mit Extras wie Tempomat, Rückwärtsgang, Sonderlackierung und diversen Jubiläums-Emblemen.

421 kg Lebendgewicht – so viel Masse der klassischen Gold Wing will erst einmal bewegt werden. Doch das Rezept der Honda ist einleuchtend, denn der flache Boxermotor unterstützt einen niedrigen Schwerpunkt, und ein elektrischer Rückwärtsgang erhöht die Manövrierfähigkeit. Nur 0,74 m Sitzhöhe erleichtern ebenfalls den Umgang mit der schweren Fuhre. Dazu vereinfacht ein ausladender Lenker die Steuerung und fördert gleichzeitig den ohnehin großzügigen Fahrkomfort. All das summiert sich zu einem Leckerbissen für Langstrecken-Biker unterschiedlicher Art. Die Extrovertierten beschallen ihre Umwelt mit mächtigen 80 Surround-Watt, Introvertierte bevorzugen es, ihrer Lieblingsmusik aus einem Kopfhörersatz für Jet- und Integralhelme zu lauschen. Der steht ebenso auf der üppigen Zubehörliste der Gold Wing, wie etwa eine Kühltasche sowie Innenbeleuchtung und Teppichset für den Kofferraum.

Insgesamt 150 Liter Gepäck lassen sich in der aktuellen Honda Gold Wing verstauen. Da wird so mancher Roadsterfahrer neidisch. Gleiches gilt auch für hyper-luxuriöse Serien-Ausstattung wie eine fünffach verstellbare Griffheizung, ein sechsstufiges Belüftungs- und Heizsystem für die Füße oder eine fernbedienbare Hupe, um das Fahrzeug auf einem großen Parkplatz leichter wieder zu finden.

Für standesgemäß souveränen Vortrieb sorgt beim japanischen Reisedampfer derzeit ein mächtiger, wassergekühlter 1,8-Liter-Boxermotor mit sechs Zylindern. Exakt 1.832 cm³ Hubraum sind es sogar, die dem Triebwerk zu 85 kW/116 PS Leistung verhelfen, ihm vor allem aber üppigen Durchzug und satte Kraftentfaltung verleihen: 167 Nm Drehmoment liegen bereits bei 4.000/min an. Dazu die sprichwörtlich hohe Laufkultur eines Sechszylinders – das ist offenbar eines der wichtigsten Merkmale, die nach 40 erfolgreichen Jahren hinter dem Kultstatus der Honda Gold Wing stecken.

1975 schlug sie ein wie eine Bombe: Plötzlich stand da ein Motorrad mit wassergekühltem Mehrzylinder-Boxermotor im Showroom der Honda-Händler, ein wahres Kraftpaket. Damals zunächst mit vier Zylindern aus 1,0 Litern Hubraum. Jedoch waren unter anderem die Leistung (61 kW/82 PS) und drei Scheibenbremsen durchaus beeindruckend, und von Beginn an glänzte die dicke Honda dank wartungsfreundlichem Kardanantrieb mit hohen Reisequalitäten. Der Durchbruch als Luxus-Tourer kam spätestens 1988 mit der GL 1500 und dem Sechszylinder-Boxer. 2001 folgte die Aufstockung zur GL 1800 von heute.

Anfängliche Fahrwerksschwächen bügelten die Honda-Ingenieure im Laufe der Generationen mehr und mehr aus. Heute gilt die Gold Wing als erstaunlich wendig trotz ihres hohen Gewichts. Beitrag dazu leisten vor allem ein Aluminium-Chassis (bei dem der Motor tragende Funktion hat) mit stabiler Brückenkonstruktion und der tiefe Schwerpunkt. Außerdem ist die mächtige 45 mm-Vorderradgabel mit Anti-Dive-Funktion ausgestattet, hinten bringt eine steife ProLink-Einarmschwinge Stabilität. Perfekt ins Bild des legendären Luxus-Tourers passt schließlich, dass sich die Federvorspannung der Hinterradaufhängung mit zweifacher Memory-Funktion elektronisch steuern lässt. Wünsche bleiben da kaum noch offen.

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