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Honda MSX 125: Das kleine Spielmobil

| Autor / Redakteur: sp-x/Ralf Schütze / Maxim Braun

Wie vor rund 40 Jahren ist auch Hondas aktueller Zweirad-Zwerg unter dem Kürzel MSX ein extrem kompaktes und wendiges Mini-Motorrad, das mehr hält, als das harmlos wirkende Spielmobil zunächst vermuten lässt.

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Hondas Spaßgerät aus den 70er Jahren feiert seine Auferstehung.
Hondas Spaßgerät aus den 70er Jahren feiert seine Auferstehung.
(Foto: Buenos Dias)

„Klein, aber oho“ lautet das Motto der nur 102 kg leichten Honda MSX 125. Auf ihr muss sich zwar bereits der normal große Biker regelrecht zusammenfalten. Trotzdem kommt beim ersten Lenkeinschlag die erste dicke Überraschung: Selbst mit zwei Metern Gardemaß stoßen die Lenkerenden nicht an die Knie, sondern genießt der MSX-Fahrer unbeschwert – und nur leicht beengt – die extreme Agilität seines Motorrad-Flohs. Die Blicke der Passanten sind ihm stets sicher, so als hätte er gerade einen der weitaus größeren, stärkeren, teureren und spektakuläreren Stars im Honda-Fuhrpark unterm Popometer. Die MSX weckt überall Sympathie – beim Betrachter und selbst nach längerer Fahrt auch beim Piloten. 2.990 Euro kostet die bis zu 90 km/h schnelle Wundertüte auf zwei Rädern.

Im Gegensatz zum historischen Urahn Honda Dax von 1969 kommt die moderne Honda MSX 125 quasi in Vollausstattung in die Garage: Elektro- statt Kickstarter, Blinkeranlage mit Rückstelltaste, konventionelles Viergang-Schaltgetriebe mit Handkupplung statt der Halbautomatik aus den 70er Jahren. Das nur 12 Zoll kleine Vorderrädchen führt eine hochmoderne Upside-Down-Gabel – wie üblich ist auch bei der MSX die technische Finesse in Gold lackiert und setzt sich somit optisch in Szene. 76,5 Zentimeter Sitzhöhe sind zwar stattlich, aber auch für kleingewachsene oder noch junge Biker locker zu beherrschen. So eignet sich die MSX in bester Dax-Tradition auch als Lernfahrzeug für den Biker-Nachwuchs auf abgesperrten Strecken.

Honda MSX 125
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Die 1,2 Meter Radstand sind extrem kurz, die Rädchen vorne wie hinten extrem klein. Folge: unglaubliche Wendigkeit und einfachste Handhabung bei niedrigem Tempo. Ab 75 km/h beginnt die MSX 125 allerdings, sich instabil anzufühlen. Dafür ist sie aber auch nicht geschaffen, sondern vor allem für innerörtliche Straßen, auf denen man sich legal mit 50 km/h bewegt. Die City ist also das Stammrevier der MSX, und hier spielt das nur 1,75 m kurze und 75 cm schmale Bonsai-Bike seine Stärken voll aus. Überall kommt man durch, wieselt flink um schärfste Ecken, und überall weckt der MSX-Reiter positive Reaktionen. Wer sich mit 102 kg Motorrad begnügt, hat nicht mehr nötig, jedenfalls nicht im Moment, und das wirkt offenbar cool und entspannt auf die Umwelt.

Ganz nebenbei ist die Honda MSX für ihre hochwertige technische Ausstattung fair gepreist und sehr günstig im Unterhalt. Das gilt auch für den Verbrauch, denn unsere Testfahrt ergab 2,4 l/100 km. Dadurch sorgt sogar das winzige Spritreservoir von 5,5 Litern für nicht allzu häufige Besuche an der Tankstelle. Wer die Reichweite auch nur ansatzweise ausreizt, bekommt allerdings die Härte der Sitzbank unangenehm zu spüren. Der 125er Einzylinder ist luftgekühlt und liegend wie seinerzeit der Dax-Antrieb. 9,8 PS Leistung und 11 Nm Drehmoment sorgen für ausreichend flottes Vorankommen. Das gilt sogar für die mögliche doppelte Besatzung, wenn es sich nicht gerade um zwei Schwergewichtler handelt. 154 kg Zuladung setzen jedoch erträgliche Grenzen. Das Viergang-Getriebe lässt sich problemlos schalten, die vier Abstufungen reichen für die typischen Geschwindigkeiten vollkommen.

Wie kultverdächtig die MSX ist, zeigt ein interessantes Angebot an Zubehör: So lässt sich zum Beispiel der akustische Auftritt mithilfe eines Akrapovicdämpfers verstärken. Dann ist das markante Bumm-bumm-bumm des Einzylinders immer noch nicht aufdringlich, hört sich aber erstaunlich erwachsen an. Und sogar eine Tuning-Szene gibt es rund um die Honda MSX 125. Beste Voraussetzungen also, um auf einem kleinen, aber feinen Kultgerät von morgen durch die Stadt zu flitzen.

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