Horex: Kapitel zwei Ende

»bike und business«-Redakteur Jan Rosenow kommentiert in seinem Motorrad-Blog „Ras-Mussen“ den wohl endgültigen Niedergang der insolventen Marke Horex.

Jan Rosenow moderierte kürzlich auf der Fachtagung »bike und business« und ist ein ausgezeichneter Kenner der Motorradszene.
Jan Rosenow moderierte kürzlich auf der Fachtagung »bike und business« und ist ein ausgezeichneter Kenner der Motorradszene.
(Foto: Johannes Untch)

Auf Facebook erhielt ich am vergangenen Donnerstag die Mitteilung eines Horex-Mitarbeiters: „Hallo Stephan, bevor Du es aus anderer Quelle hörst, möchte ich Dir mitteilen, dass es Horex in der Form, wie es die Firma seit 2010 gegeben hat, wohl in Zukunft nicht mehr geben wird. Heute haben alle Mitarbeiter ihre Kündigungen durch den Insolvenzverwalter erhalten. Scheinbar gibt es aber noch Interesse von möglichen Investoren. Ob und wenn ja, wie, wann und wo es dann gegebenenfalls weitergehen wird, ist jedoch offen.“

Der Motorrad-Blog „Ras-Mussen“

Das Horex-Spiel scheint zu Ende, obwohl es noch nicht ganz abgepfiffen ist. Da die »bike und business«-Redaktion dafür bekannt ist, sich ganzheitlich mit dem Thema Motorrad auseinanderzusetzen und dafür selbst in der Freizeit beachtliche Aktivitäten entwickelt, möchten wir Ihnen an dieser Stelle einmal den Motorradblog Ras-Mussen unseres Kollegen Jan Rosenow vorstellen. Am 28. November 2014 finden wir darin folgenden Eintrag:

„Als ich vor ziemlich genau viereinhalb Jahren von der Präsentation der neuen Horex in München nach Hause fuhr, war ich mir sicher: Wenn es jemand schaffen kann, eine neue Motorradmarke und -produktion in Deutschland auf die Beine zu stellen, dann diese Leute. Es schien ausreichend Geld zur Verfügung zu stehen, alle Einzelheiten vom Motorenkonzept bis zur Pressearbeit waren generalstabsmäßig durchgeplant, und dann kamen die Macher um Clemens Neese auch noch so sympathisch 'rüber, dass man ihnen einfach alles Gute wünschen MUSSTE.

Doch es hat nicht gereicht. Am 28. November 2014 wurde den Mitarbeitern mitgeteilt, dass sie gehen müssen. Das Horex-Kapitel Zwei scheint zu Ende zu sein.

Ich habe mir wirklich gewünscht, nicht Recht zu behalten, aber wenn ich mir heute ansehe, was ich damals aus Anlass der Horex-Präsentation über vergleichbare Projekte geschrieben habe, dann lag ich nicht so weit von der Wahrheit entfernt: „Business-Pläne und ein paar Millionen in der Hinterhand haben die auch alle, und meistens schaffen sie es ebenfalls, ein faszinierendes Motorrad zu entwickeln und der staunenden Presse darzubieten. Eine Produktion aufzubauen gelingt dann schon nicht mehr in jedem Fall, und wenn doch, dann scheitern sie spätestens an den Mühen der Ebene. Garantiekosten, Rückrufaktionen, Händlerunterstützung, Werbung, Entwicklungskosten für neue Modelle usw. fressen den spärlichen Cash-flow auf, hochfliegende Wachstumspläne verwirklichen sich nicht, und nach ein paar Jahren bleibt nur der Gang zum Insolvenzrichter.“

MV Agusta, Ducati, aber nicht Horex

Diesen hat das Augsburger Unternehmen bereits am 28. August angetreten; seither bemühen sich Clemens Neese und der Insolvenzverwalter um neue Investoren oder Eigentümer. Ein Interessent ist wohl noch im Rennen, aber an einer Übernahme des kompletten Unternehmens inklusive Mannschaft ist dem wohl nicht gelegen.

Noch gestern sagte mir ein Mitarbeiter mit dem typischen Unglauben des enttäuschten Enthusiasten: „Es kann doch nicht sein, dass Clemens Neese damals nur mit einem Blatt Papier in der Hand eine zweistellige Millionensumme auftreiben konnte, und heute gibt es niemanden, er auch nur ein Zehntel dieser Summe für eine komplette Firma mit einem funktionierenden Produkt ausgeben will?“

Das erscheint wirklich unglaublich, wenn man bedenkt, dass Daimler vor ein paar Wochen für wohl sehr viel mehr Geld 25 Prozent an MV Agusta erworben und Audi für Ducati über 860 Millionen bezahlt hat. Andererseits kann man auch sagen: Früher konnte man noch an das Horex-Geschäftsmodell glauben - heute weiß man, dass es nicht funktioniert hat.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group