Horex meldet Insolvenz an

Geschäft läuft „in vollem Umfang“ weiter

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Dunkle Wolken über Horex: Wie geht es nach der Insolvenz weiter?
Dunkle Wolken über Horex: Wie geht es nach der Insolvenz weiter? (Foto: Horex)

Der Augsburger Motorradhersteller ist in schweren Nöten. Trotzdem läuft das Geschäft „in vollem Umfang weiter“, wie es in einer Meldung des Unternehmens heißt. Kontakte zu möglichen Investoren gibt es ebenfalls bereits.

Die Horex GmbH in Augsburg hat am 28. August 2014 den schweren Gang zum Insolvenzrichter antreten müssen: Das Unternehmen stellte beim Amtsgericht Augsburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über ihr Vermögen. Als vorläufigen Insolvenzverwalter setzte das Gericht den Rechtsanwalt Rainer U. Müller ein. Die Geschäfte des Unternehmens laufen laut einer Pressemitteilung derweil „in vollem Umfang weiter“. Geschäftsleitung und vorläufige Insolvenzverwaltung würden eng zusammenarbeiten, um das Unternehmen in eine sichere Zukunft zu führen. Ziel ist ein „strukturierter Verkaufsprozess. Hierzu werden in naher Zukunft konstruktive Gespräche mit möglichen Investoren und Kaufinteressenten geführt.“

Nach Informationen von „bike und business“ hat Horex bereits vor der Insolvenz Kontakt zu möglichen Investoren aufgenommen. Bei einem davon soll es sich um einen internationalen Konzern aus der Automobilbranche handeln. Die Verhandlungen seien aber nicht so schnell vorangekommen, dass sich die Insolvenz hätte vermeiden lassen.

Die Gründe für die Horex-Misere

Das vor vier Jahren mit pompösem PR-Einsatz gestartete Projekt der Wiederbelebung einer klassischen deutschen Motorradmarke steht damit am Scheideweg. Dabei klang das Konzept der Horex-Macher Clemens Neese und Fritz Rombach anfangs überzeugend und tragfähig. Kein Retro-Motorrad mit Einzylinder, sondern eine moderne Konstruktion mit einem am Markt einzigartigen VR6-Motor sollte es sein.

Auch beim Vertriebskonzept ging das Augsburger Unternehmen eigene Wege. Der Händler fungierte nur als Vermittler, eigentlicher Verkäufer war die Augsburger Manufaktur. Statt einer Marge erhielt der Händler eine Provision. So wollte Horex die Verkaufspreise konstant halten. Um die Marke vertreiben zu können, mussten Händler allerdings zwei Maschinen – ein Ausstellungsmotorrad und einen Vorführer – sowie Werbematerial und Zubehör einkaufen: für viele Betriebe eine zu hohe Hürde. Im Ergebnis finden sich heute nur 23 Vertriebspartner auf der deutschen Händlerliste von Horex. Um auf eine für das Werk auskömmliche vierstellige Stückzahl zu kommen, müsste jeder von ihnen 50 Einheiten verkaufen – illusorisch.

Auch bemängeln manche Partner den unzureichenden Informationsfluss aus dem Werk, technische Probleme mit dem Maschinen (beispielsweise mit der Kupplung oder der Abdichtung des Auspuffs) sowie lange Lieferzeiten für Motorräder und Teile. Auch konnten einige technische Features, die Horex anfangs versprochen hatte – etwa die Kompressoraufladung – nicht umgesetzt werden.

Doch das Hauptproblem lag sicher im Absatz: Nachdem der erste Nachfragepeak gestillt war, ließ das Kundeninteresse spürbar nach. „Die Nische war wohl doch zu klein“, meinte ein Händler.

Trotz aller aktuellen Schwierigkeiten sollte der Stab über Horex nicht vorschnell gebrochen werden – nicht zuletzt, um den Abverkauf der vorhandenen Bikes nicht zu gefährden. Außerdem greifen heutzutage viele Unternehmen zum Mittel des geordneten Insolvenzverfahren, um ihr Geschäft neu aufzustellen. Eine Spekulation sei gestattet: Vielleicht nutzt der Daimler-Konzern ja sein neuerwachtes Motorradinteresse, um statt einer italienischen eine deutsche Traditionsmarke aufzukaufen. Wer weiß?

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