Horex: Totgesagte leben länger oder die schwierige Suche nach einem Investor

Intermot-Besuchstipp: Halle 7, Stand E10

| Redakteur: Stephan Maderner

Insolvenzverwalter Vincenz von Braun (Partner bei Anchor Rechtsanwälte) sucht Übernahmekandidaten für Horex.
Insolvenzverwalter Vincenz von Braun (Partner bei Anchor Rechtsanwälte) sucht Übernahmekandidaten für Horex. (Foto: Anchor Rechtsanwälte)

In einem exklusiven Hintergrundgespräch erfuhr »bike und business« vom Insolvenzverwalter Vincenz von Braun und Clemens Neese die Pläne zur Zukunft der Marke Horex. Liefert das laufende Insolvenzverfahren eine Chance für den Neustart?

Ist es möglich, die angeschlagene Motorradmarke Horex (Insolvenzverfahren läuft seit 28. August) qua Insolvenzrecht zu sanieren? Im Prinzip ja, aber – es wird nicht ganz leicht werden. Die gute Nachricht: Auf der Intermot, die kommende Woche beginnt, werden die Motorradfans, die nach Köln pilgern, die Marke Horex auf einem Stand vorfinden. Vom 1. bis 5. Oktober zeigen die Augsburger, dass noch Leben in der Truppe steckt. Schließlich sind die Gehälter der Mitarbeiter bis zum 31. Oktober gesichert und der Geschäftsbetrieb wird bis dahin in vollem Umfang aufrechterhalten. Dazu zählen auch Motorradverkauf und Ersatzteillieferungen. Dies bestätigen der Insolvenzverwalter Vincenz von Braun (Anchor Rechtsanwälte) und Clemens Neese im exklusiven Hintergrundgespräch mit »bike und business«, das am vergangenen Dienstag in der Mannheimer Kanzlei von Anchor stattgefunden hat.

Neese und von Braun äußern sich „zuversichtlich über die Zukunft der Marke“. Nach Gesprächen mit den Gläubigern (im wesentlichen sind dies die Sparkasse Augsburg, Zulieferer und die Bundesagentur für Arbeit) wurde ein Massedarlehen vergeben und sehr schnell der M & A-Prozess (also der Verkaufsprozess) gestartet. Über 100 Interessenten im In- und Ausland seien angeschrieben worden, um Übernahmegespräche zu beginnen.

Inzwischen sind von fünf potenziellen Investoren so genannte Vertraulichkeitserklärungen unterschrieben worden. Sie ermöglichen es, dem interessierten Käufer Einblick in die Bilanzen und die Businesspläne sowie die Substanz des sich in der Insolvenz befindlichen Unternehmens zu verschaffen. Wer kauft schon gerne die Katze im Sack?

„Der potenzielle Investor setzt Geld ein, um entstandene Werte zu kaufen“, bemerkt an dieser Stelle Clemens Neese, der weiterhin sehr engagiert für die Marke kämpft. Das sei fundamental anders, als von null auf ein Start-up-Untrenehmen ans Laufen zu bringen. Neeses als Hauptgesellschafter eingesetztes Kapital ist zwar „verbrannt“, doch glaubt er immer noch an den Erfolg und will mit seinem Team hart dafür kämpfen, dass ein Neustart gelingen kann.

Wichtiges Signal ist – wie bereits erwähnt – die Teilnahme an der Intermot. Die Horex-Truppe wird in Köln in Halle 7, Stand E10, ein Motorrad montieren und den Kunden zeigen, dass „wir die Ärmel hochkrempeln“. Den Markt und die Endkunden soll das Signal erreichen, dass es weitergeht mit der neuen (alten Traditions-)Marke Horex; Totgesagte leben länger.

Wichtig sei es nun, dass bis zum 1. November ein Käufer gefunden werde, welcher das Unternehmen Horex übernimmt. Idealerweise bringe die Übernahmefirma synergetische Strukturen mit an Bord und sei weiterhin gewillt, die Vertriebsstruktur im Handel auszubauen und finanzielle Mittel für das Marketing zur Verfügung zu stellen. Als Kandidaten zählen internationale Investmentfonds, Branchenplayer oder auch OEMs der Automobilindustrie. BMW hat seine Motorradsparte, Audi hat Ducati – warum sollte nicht auch der Autobauer Mercedes-Benz, der ganz offensichtlich gegenwärtig Interesse am Kauf von MV-Agusta hegt, nicht auch Horex als mögliche Motorradperle ins Portfolio kaufen?

Insolvenzverwalter und das Management arbeiten mit Hochdruck daran, Horex für einen Übernehmer attraktiv zu machen. Dazu gehören auch technisch-strategische Überlegungen, den VR6-Roadster mit einem Kompressor mehr PS-Leistung einzuhauchen. „Der von uns konstruierte Motor hält locker Leistungen bis zu 240 PS aus“, so Neese. Technisch sei vieles machbar.

Stärker hervorheben möchten von Braun und Neese auch das Thema „Manufaktur sowie Individualisierung des Motorrades". Vieles steht auf dem Prüfstand; auch Design und Pricing des Bikes sowie eine mögliche Ausdehnung der Modellpalette auf weitere Segmente wie den Cruisersektor. Tüftler Neese hat da wirklich noch ein paar interessante Ideen auf Lager.

Fazit:: Es bleibt spannend, wie es weiter geht mit Horex. Allerdings drängt die Zeit. Da die Saison so gut wie vorüber ist, dürfte es schwierig sein, die Kunden zu überzeugen, noch relevante Käufe zu tätigen. Es muss jetzt eine gute Story für die potenziellen Käufer her. Man sollte sich in Köln Zeit nehmen, sie sich vor Ort anzuhören. Die Leidenschaft für die Marke ist ebenso spürbar wie der Kampf ums Überleben. Das Horex-Feuer lodert in den Herzen der Mitarbeiter – und ist längst noch nicht erloschen.

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