Immer mehr (E-)Bikes auf den Straßen

Boomende Eurobike spiegelt den Markt wider

| Redakteur: Melissa Mager

Euro-Bike 2019: Auch die Besucher durften die Fahrräder ausprobieren.
Euro-Bike 2019: Auch die Besucher durften die Fahrräder ausprobieren. (Bild: Messe Friedrichshafen)

Mehr als 75 Millionen Fahrräder besitzen die Deutschen, davon rund 4,5 Millionen E-Bikes. Ob City- oder Tourenrad, Rennmaschine, Mountainbike, Singlespeed oder Liegerad, alle Modellgruppen sind inzwischen sowohl mit als auch ohne elektrische Unterstützung erhältlich.

Die Eurobike 2019 ist die globale Leitmesse rund ums Thema (E-)Bikes. Sie fand vom 4. bis 6. September für Fachbesucher statt und am 7. September waren alle Bikefans auf dem Eurobike Festival Day willkommen. Nun ziehen der Handelsverband Zweirad (VDZ) und der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) ihre Bilanz.

Marktdaten Fahrrad und E-Bike

Zwischen Januar und Juni 2019 wurden laut dem ZIV ca. 2,93 Miollionen Fahrräder und E-Bikes verkauft, was einem Plus von rund 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Auch die Produktion konnte noch einmal gesteigert werden. In den ersten sechs Monaten wurden 1,47 Millioen Fahrzeuge produziert, was einem Zuwachs von ca. 5 Prozent entspricht. Die Importe von Fahrrädern und E-Bikes sind im Betrachtungszeitraum um rund 6 Prozent gestiegen. Deren Anteil an E-Bikes lag bei gut 26 Prozent. Die Exportmenge stieg zwischen Januar und Juni um knapp 14 Prozent. Dabei machte der E-Bike-Anteil rund 36 Prozent aus.

E-Bike Verkäufe erneut deutlich gestiegen

Der Fachhandel konnte im ersten Halbjahr 2019 eine Umsatzsteigerung von ca. 10 Prozent verbuchen. Am meisten profitierten die Unternehmen, die ihr Waren- und Dienstleistungsangebot auf den wachsenden Anteil der E-Mobilität im Zweiradverkehr ausgerichtet hatten. Der ZIV schätzt, dass im 1. Halbjahr 2019 rund 920.000 E-Bikes verkauft wurden. Für das Gesamtjahr 2019 rechnet die Industrie deshalb mit über 1,1 Millionen verkaufter Fahrzeuge. Dies entspräche einem Wachstum von rund 12 Prozent. Die Preise im Fachhandel blieben weitgehend stabil, da vorwiegend Qualität gefragt gewesen sei.

Das Fahrrad trifft den Zeitgeist

In den Medien, in der Gesellschaft und bei den Verbrauchern nähmen Fahrrad und E-Bike heute einen hohen Stellenwert ein. Einfallsreichtum und Qualität der Erzeugnisse der Fahrradindustrie begeistern und sorgten dafür, so der Verband, dass der Markt für Fahrräder, E-Bikes, Komponenten und Zubehör seit Jahren immer wieder Umsatzrekorde verzeichne. Ein Erfolgsgeheimnis sei aber auch, dass Fahrrad und E-Bike Lösungen für viele wichtige aktuelle und künftige gesellschaftliche Herausforderungen böten. Zum Beispiel die Reduzierung von Staus und Emissionen. Das verbessere die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Städten und Kommunen. Das Fahrrad sei außerdem das effizienteste Verkehrsmittel. Es helfe Fahrt- und Infrastrukturkosten zu reduzieren und fördert eine gesunde und aktive Individualmobilität. Daher werde es weiterhin wesentlicher Bestandteil der politisch gewollten „Verkehrswende“ bleiben. Das E-Bike ermögliche es darüber hinaus größere Distanzen zu bewältigen. In diesem Zusammenhang habe die Zunahme von Fahrradunfällen – vor allem mit E-Bikes – in der letzten Zeit verstärkt die Öffentlichkeit beschäftigt und zu unterschiedlichen Empfehlungen geführt. Nach Auffassung der Fahrradwirtschaft wird eine Besserung in erster Linie von der Schaffung von ausreichend guten und sicheren Radwegen abhängen, vor allem in den Ballungsräumen. Die konsequente Trennung der Verkehrswege, für die nun von der Bundesregierung eine Milliarde Euro zu Verfügung gestellt wird, schafft am ehesten Sicherheit. Auch im Tourismus werden durch Fahrrad und E-Bike neue Potenziale erschlossen – insbesondere im Bereich des nachhaltigen Reisens.

Förderung für „Diensträder“

Als umweltschonende und platzsparende Alternative zu privaten PKWs und motorisiertem Lieferverkehr sind (E-)Lastenräder vielen Städten und Kommunen eine Förderung in Form von Kaufprämien wert. Sogar der Bund fördert den Kauf von E-Lastenrädern für die gewerbliche Nutzung. Die seit diesem Jahr verstärkte steuerliche Förderung von „Diensträdern“ in Verbindung mit Fahrradleasing oder Finanzierung durch den Arbeitgeber, stützt den Verkauf der Elektroräder. Mitarbeiter im öffentlichen Dienst können allerdings auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen die Vorteile der „Dienstfahrzeugregelung“ nicht wahrnehmen. Der Fachhandel bietet seinen Kunden dafür vielfach ein Wohlfühlpaket inklusive Wartung und Reparatur an. Die auf diesem Wege verkauften E-Bikes erreichen im Durchschnitt ein höheres Preisniveau (3.000 Euro zu 2.200 Euro).

Rückgang der Auszubildenden

Gut ausgebildete Mitarbeiter seien im Fahrradhandel nur sehr schwer zu gewinnen und die Zahl der Auszubildenden ging in den vergangen Jahren ebenfalls weiter zurück. Daher wäre es laut ZIV sinnvoll, dass der Fachhandel selbst verstärkt ausbildet und für diese Ausbildung wirbt. Denn die Qualität von Beratung und Service werde auch in Zukunft über die Verteilung der Marktanteile entscheiden.

E-Scooter bisher nur in den Städten

Scooter-Verkehr wird zunehmend in den Großstädten wahrgenommen und sorgt auch im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen für Diskussionsstoff. Die seit dem 17. Mai 2019 geltende Verordnung für „Elektrokleinstfahrzeuge“ wird nach Beobachtung der Entwicklung sicher noch einmal Thema für die Politik. Bisher kann der Fahrradfachhandel noch nicht über eine spürbare Nachfrage in seinen Geschäften berichten. Die Nutzung von E-Scootern als Verkehrsmittel beschränke sich bislang auf größere Städte. Dort machten erst einmal die Verleiher das Geschäft. Auch frage sich der Fahrradfachhandel, ob er bei dem zurzeit vorherrschenden Preisniveau der Scooter, seinen hochwertigen Service wirtschaftlich anbieten kann.

Entwicklungstrends in den Warengruppen

Ca. 40 bis 45 Prozent des Umsatzes werden im Fahrradfachhandel in den Bereichen Bekleidung, Helme, Zubehör und Werkstatt erzielt. Der Verkauf von Zweirädern erbringt einen Anteil in Höhe von 55 bis 60 Prozent. Der Anteil der E-Bikes macht inzwischen bei vielen Händlern die Hälfte aller Fahrradverkäufe aus.

Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes: „Auch in diesem Jahr blickt die deutsche Fahrradindustrie auf ein sehr gutes erstes Halbjahr zurück. Die Produkte der deutschen und internationalen Fahrradindustrie begeistern erneut die Verbraucher. Dienstleistungen wie z.B. das Dienstradleasing, digitale Angebote oder innovative Geschäftskonzepte rund um das Fahrrad unterstützen die gute Entwicklung der Branche. Wir blicken sehr zuversichtlich in die Zukunft und freuen uns auf die weitere Entwicklung von Fahrrad und E-Bike.“

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