Immer nur Ärger mit den Herstellern? Oder über den fairen Umgang mit Händlern

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 05/2015/I). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin und gibt redaktionelle Hintergrundinfos preis.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin und gibt redaktionelle Hintergrundinfos preis.
(Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Würzburg, den 27. Januar 2015 – In letzter Zeit landen fast täglich neue Reaktionen meiner treuen Newsletter-Fans in meinem elektronischen Brieffach. Das finde ich wirklich toll und es spornt mich richtig an. Kritische Diskussionen rütteln die Branche wach und sorgen für (positive) Veränderungen.

Auf die zahlreichen Berichte zur Neustrukturierung des MV Agusta-Händlernetzes und das in anderen Markennetzen durchaus äußerst angespannte Verhältnis zwischen Hersteller und Händler erreichte mich folgende E-Mail: „Hallo Herr Maderner, wir sind in der Hauptsache Servicebetrieb für Automobile, betreiben aber mit großer Liebe auch den Motorradhandel mit Service hier in Bayern. Ursprünglich war ich mal Partner einer aufstrebenden europäischen Marke (Name der Redaktion bekannt). Der damalige Netzbeauftragte setzte uns Ende 2007 als Händler ein. Wir steigerten uns kontinuierlich, aber der Deutschland-Zentrale ging es anscheinend nicht schnell genug und man kündigte uns nach nur drei Jahren, ohne dass wir uns haben etwas zu Schulden kommen lassen. So ergeht es meines Wissens im Schnitt derzeit sechs bis acht Händlern dieser Marke pro Jahr. Besonders ärgerlich war es für uns, denn auf massiven Druck der Marke wurde zuvor mit hohen Kosten der CI-gerechte Showroom installiert. Auch war der Hersteller nicht bereit, Schadenersatz zu leisten.Wir konnten trotz der längeren Winter in unserer Gegend etwa 40 neue Motorräder p.a. verkaufen, der Hersteller forderte aber das Doppelte.

Mit MV Agusta habe ich dann einen neuen Partner gefunden. Der Umgang mit dem Händler war ganz anders, einfach eine gesunde Partnerschaft. Einen großen Anteil daran hatten sicherlich Patrick Porten und Marc Wittmann. MV Agusta – tolle Motorräder, super Optik – wir konnten im ersten Jahr 26 neue MVs verkaufen. Jetzt bin ich gespannt auf den neuen Partner AMG-Mercedes. Wir haben schon mal schlechte Erfahrung mit Mercedes gemacht, denn wir waren 26 Jahre lang Chrysler-Jeep-Dodge-Partner. Mercedes hat es innerhalb von neun Jahren geschafft, aus der ehemals guten amerikanischen Marke einen Pleitekandidaten mit miserabler Produktqualität zu machen. Mittlerweile geht es zusammen mit Fiat wieder aufwärts. Bei dem Händlertreffen in Würzburg im Dezember wurde konstruktive Kritik an der MV-Vorgehensweise geübt. Ich hatte den Eindruck, dass sich Michael Burghart und Gabriele Galeani ernsthaft die Sorgen der Händler angehört haben und bereit sind, gewisse Zugeständnisse zu machen. Man muss MV allerdings auch zugestehen, dass ernste Zweifel an manchen Händlern aufkommen, die nicht bereit sind, sich drei aktuelle 2015er Modelle auf Lager zu stellen. Das ist in meinen Augen wirklich nicht zu viel verlangt. Bei dem erstgenannten Motorradhersteller wäre es – erstens – gar nicht zu so einer Aussprache gekommen und – zweitens – die aufbegehrenden Händler wären über kurz oder lang rausgeworfen worden. Dies sind meine bisherigen Erfahrungen mit den Herstellern. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem sehr guten Magazin »bike und business«.“

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