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In memoriam Fritz Röth Wertschätzung für einen Branchenpionier

| Autor/ Redakteur: Winnie Scheibe / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Am 25. Januar 2020 starb der Unternehmer, Motorrad-Enthusiast und Branchenprofi Fritz Röth im Alter von 80 Jahren in seiner Heimat Hammelbach im Odenwald.

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Die Branchenlegende Fritz Röth ist am 21. Januar 2020 im Alter von 80 Jahren in seiner Heimat im Odenwald gestorben.
Die Branchenlegende Fritz Röth ist am 21. Januar 2020 im Alter von 80 Jahren in seiner Heimat im Odenwald gestorben.
(Bild: Winnie Scheibe)

Die Nachricht vom Tod von Fritz Röth hinterlässt in der Motorradbranche große Trauer. Ein halbes Jahrhundert war Röth im Motorradgeschäft aktiv. Der Südhesse war einer der ersten Honda-Händler in Deutschland. Kein anderer hat wie er später so viele Motorradmarken importiert, darunter die großen Namen Moto Guzzi, Ducati und Suzuki. Röth war schon zu Lebzeiten eine Legende. „Das schönste jemals über mich geschriebene Porträt hat Winni Scheibe verfasst“, sagte mir Fritz Röth bei einem persönlichen Aufeinandertreffen im Jahr 2003. Damals holte der blutjunge »bike und business«-Redakteur Stephan Maderner eine Testmaschine ab, eine Moto-Guzzi California. Der Presse-Fahrzeugpool war damals dort angesiedelt. Bei der Gelegenheit bestaunte ich mit großen Augen auch das grandiose Zweiradmuseum vor Ort. Zum zweiten Mal traf ich Fritz Röth, als ich mit seinem damaligen Vertriebsleiter Robert Schön (inzwischen bei Peugeot Motocycles) vom Odenwald aus auf eine Voxan-Pressereise nach Frankreich aufbrach.

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Die Vita dieses Mannes ist so interessant und lehrreich, dass wir die Lebensleistung gerne ausführlich würdigen möchten. Aus diesem Grund haben wir bei Winnie Scheibe nachgefragt, ob wir seinen Text und die verwendeten historischen Fotos nochmal abdrucken können. Er hat dem Projekt zugestimmt. Lesen Sie das Porträt „Fritz Röth – das Urgestein“ in ungekürzter Fassung. An der Schreibmaschine: Winni Scheibe.

Das Portrait: Fritz Röth

„Ein halbes Jahrhundert ist Fritz Röth im Motorradgeschäft aktiv. Der Südhesse war einer der ersten Honda-Händler in Deutschland. Kein anderer hat wie er später so viele Motorradmarken importiert, darunter die großen Namen Moto Guzzi, Ducati und Suzuki.

Für den Wirtschaftsfaktor ist der Standort immens wichtig. Stimmt die Lage, kann das Geschäft zur Goldgrube werden. Besonders dann, wenn die Kundschaft kurze Wege hat und einem die Bude einrennt. Hammelbach klingt so, als läge es am Ende der Welt. Um etwas zu besorgen, fährt kaum ein Mensch extra in den Odenwald.

Normalerweise! Für Motorradfahrer allerdings war der Ort im idyllisch gelegenen südhessischen Mittelgebirge lange das Zentrum ihres Zweiradkosmos, allen vorweg die Italo-Fraktion. Das angepeilte Ziel in Hammelbach war der Zweiradbetrieb von Fritz Röth.

Freund von Motorrädern italenischer Provenienz

„So lange ich denken kann, haben Motorräder aus Italien eine große Faszination auf mich ausgeübt. Sie waren einfach anders als die Maschinen von NSU, Horex, BMW oder aus England, und aus den USA sowieso. Fast alle großen italienischen Marken von Aermacchi über Benelli, Bimota, Ducati, Moto Morini bis zur Azzurri-Legende Moto Guzzi haben wir importiert und über unser deutschlandweites Händler-Netz vertrieben. Daneben waren wir immer direkter Ansprechpartner für unsere Motorradkunden vor Ort. Manche kamen nur auf einen Plausch vorbei, andere um sich Ersatzteile zu besorgen oder eine Fahrzeuginspektion durchführen zu lassen oder ihre neue Maschine bei uns persönlich in Empfang zu nehmen. Der Standort war nie ein Nachteil für uns. Ganz im Gegenteil. Viele unserer Kunden genossen die Fahrt in den Odenwald, verbanden den Besuch bei uns mit einer Motorradtour“, erinnert sich Fritz Röth.

Technik, die fasziniert

„Noch heute kommen ehemalige Motorrad-Kunden vorbei, um einfach mal Hallo zu sagen oder um sich das Museum anzusehen. In der kleinen aber feinen privaten Oldtimer-Sammlung fühlt man sich gleich in die Zeit von Gestern und Vorgestern zurück versetzt. Wenn es passt, kümmert sich der Chef persönlich um die Besucher. Zu jeder Maschine kann der bewanderte Motorradexperte etwas erzählen, macht aber vorsorglich gleich eine Einschränkung: „Sollte ich spontan aufzählen, von wann bis wann wir diese oder jene von den gut 40 Marken importiert oder vertrieben haben, muss ich mich jedoch entschuldigen. Bilanzen, Kalkulationen und Bürokratie haben meine Mitarbeiter erledigt, mein Interesse galt vorrangig der Technik. Denke ich zurück, fallen mir allerdings viele Episoden ein. Manche haben sich im Gedächtnis so festgebrannt, als hätte ich sie gestern erlebt.“

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