Instandsetzung: Guter Radschlag

Autor / Redakteur: Pistone / Martina Eicher

In Ausgabe 4/2013 behandelte diese Serie die verschiedenen Speichenradausführungen und die erforderliche Wartung. In dieser Folge geht es nun um die Instandsetzung, also das Einspeichen und Zentrieren eines Speichenrads. Dieser Beitrag ist Teil der Aus- und Weiterbildungsserie »bike und business« Profi und erschien erstmalig in der Ausgabe 05-06/2013.

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Bild 1: Bei vielen Motorradfahrern sind Speichenräder sehr beliebt.
Bild 1: Bei vielen Motorradfahrern sind Speichenräder sehr beliebt.
(Bild: Honda)

Dazu vorweg ein Hinweis für eventuelle Reparaturfälle: Der Kostenkalkulation für das zeitintensive Ersetzen der verzogenen Felge eines Speichenrads sollten immer auch die Kosten für den Austausch durch ein Komplettrad gegenübergestellt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass aus der Instandsetzung eines Speichenrads inklusive Arbeitszeit eine deutlich höhere Reparatursumme resultiert, als der Hersteller für ein neues Rad berechnet!

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Einspeichen – eigentlich ganz einfach?!

Das grundlegende Prinzip des Einspeichens erläutern wir hier am Beispiel eines einfachen, symmetrisch aufgebauten Rads. Die überwiegende Anzahl dieser Räder besitzt 36 gleich lange Speichen. Diese teilen sich in 18 innere und 18 äußere Speichen auf. Damit ist die Richtung gemeint, in der die Speichenköpfe in die Nabe eingehängt werden. Die inneren Speichen werden von außen eingefädelt und ihre Köpfe sind von außen sichtbar, bei den äußeren Speichen ist es entgegengesetzt.

Damit die Speichen möglichst spannungsfrei von der Nabe zur Felgenbohrung verlaufen können, unterscheiden sich die inneren und äußeren Speichen häufig in ihrer Kröpfung: Während die Speichenköpfe auf der Außenseite eine Kröpfung über 90° aufweisen, liegt sie bei den Speichen der Innenseite unter 90°. Außerdem können die gekröpften Abschnitte der Innen- und Außenspeichen unterschiedliche Längen aufweisen.

Welche Speiche in welche Nabenbohrung?

Für die ersten Arbeitsschritte legt man die Nabe vor sich auf die Werkbank. Man beginnt mit einer inneren Speiche, fädelt diese in die Nabe ein und richtet sie vorläufig so aus, dass sie – von oben betrachtet – gegen den Uhrzeigersinn weist. Nun wird auf der gegenüberliegenden Nabenseite, um ein Bohrungsloch nach rechts versetzt, ebenfalls eine Innenspeiche eingesetzt und in der gleichen Weise ausgerichtet, das heißt, die Speichen zeigen in entgegengesetzte Richtungen. Zur Vereinfachung können diese ersten Speichen mit einem Klebeband markiert werden, um sie schnell wiedererkennen zu können. Nun werden die weiteren Innenspeichen eingesetzt und wie die ersten Speichen verlegt, wobei immer ein Nabenbohrungsloch übersprungen wird. Hält man sich nicht an die Reihenfolge und beginnt mit dem Einfädeln der Außenspeichen, gibt es später beim Einsetzen der Innenspeichen Probleme, weil diese beim Ausrichten mit den Außenspeichen kollidieren.

Im nächsten Schritt wird über diesen „Radstern“ die Felge gelegt (Laufrichtungsangabe beachten!) und die markierte Speiche des oben liegenden Speichenflanschs in die Nippelbohrung neben der Ventilbohrung eingesetzt. Die Bohrungsausrichtung in der Punzung gibt in der Regel die korrekte Stelle vor. Der Speichennippel wird nur mit wenigen Umdrehungen auf die Speiche aufgeschraubt, um die Verbindung erst einmal zu fixieren. Ein wenig Fett oder Öl auf dem Speichen- bzw. Nippelgewinde verringert die Reibung und verhindert das Festkorrodieren der Schraubverbindung.

Als nächstes wird eine Speiche des untenliegenden Flansches in die zugeordnete Bohrung der Felge eingeschoben und mit dem Nippel verschraubt. Zwischen dieser Nippelbohrung und der Bohrung der ersten Speiche sollten sechs freie Bohrungen liegen. Nun werden die restlichen Innenspeichen beider Flansche über Nippel mit der Felge verbunden, wobei zwischen den Speichen einer Flanschseite immer drei Nippelbohrungen frei sein müssen.

Ergänzendes zum Thema
MERKE
MERKE
  • Die Reparatur eines Speichenrads kann unrentabler sein als ein Austausch.
  • Reihenfolge beim Einspeichen beachten.
  • Speichennippel beim Zentrieren nur in kleinen Schritten nachziehen.

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