Instandsetzung: Guter Radschlag

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Außenspeichen

Als nächstes werden die Außenspeichen der untenliegenden Nabenflanschseite durch die Nabenbohrungen gesteckt und entgegengesetzt zu den inneren Speichen ausgerichtet. Sie müssten automatisch mit der richtigen Nippelbohrung übereinstimmen. Zwischen jeder Speiche einer Flanschseite sollten ebenfalls drei Nippelbohrungen liegen. Auch in diesem Schritt werden die Nippel nur mit wenigen Umdrehungen auf die Speichen aufgeschraubt. Der Vorgang wird mit den Speichen der gegenüberliegenden Seite wiederholt.

Abschließen des Einspeichens

Zum Schluss werden die Speichennippel mit der Hand Schritt für Schritt so weit beigedreht, dass das Spiel zwischen der Nippelverschraubung und der Felge weitgehend verschwunden ist. Als Anhaltspunkt bei dieser Arbeit dienen die noch sichtbaren Gewindegänge der Speichen, die allmählich gleichmäßig verschwinden sollten. Damit wird der Felge bereits die ungefähre Ausrichtung vorgegeben und das nachfolgende Zentrieren vereinfacht.

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Die Orientierung an den Gewindegängen ist aber nur möglich, wenn die richtigen Speichenlängen zur Verfügung stehen. Weichen diese aus irgendwelchen Gründen ab, stimmt dieser Anhaltspunkt nicht. Hilfreich ist in diesem Fall zum Beispiel das Zählen der Nippeldrehungen ab dem Verschwinden des letzten sichtbaren Gewindegangs. Die Hersteller liefern werkseitig für ihre Fahrzeuge normalerweise die Speichen in der passenden Länge aus. Schwierigkeiten kann es bei Umrüstungen oder Zubehörteilen geben.

Nabenposition

Schon beim Einspeichen sollte die spätere Lage der Nabe zur Felge berücksichtigt werden. Breite Felgen können im Hinterrad eine versetzte Nabe erfordern, damit die Kette noch genügend Abstand zum Reifen hat. Oder die Vorderradnabe ist wegen einer einseitigen Bremsscheibenaufnahme asymmetrisch aufgebaut. Wie die Nabe positioniert werden muss, geht aus den Herstellerangaben hervor.

Bild 8 veranschaulicht, wie die korrekte Lage durch Messen bestimmt wird. Als Anhaltspunkt kann hier zum Beispiel die Fläche des Bremsscheibenflanschs oder die Bremstrommelaußenkante dienen. Um die Nachprüfung des Maßes zu erleichtern, fertigt man eine Schablone zum Beispiel aus festem Karton an. Die Asymmetrie erfordert üblicherweise auch unterschiedliche Speichenlängen. Die Folge davon ist, dass auf jeder Nabenflanschseite zwei unterschiedliche Speichensorten (= vier verschiedene am Rad!) verwendet werden. Hier muss man konzentriert arbeiten, um Verwechslungen der Speichen auszuschließen.

Das richtige Werkzeug

Das Zentrieren sollte auf einem speziellen Zentrierbock erfolgen. Dieser gewährleistet eine verwindungsfreie Führung des Rads und besitzt die Aufnahmen für die Messuhren, mit denen die axiale und radiale Abweichung der Felge gemessen werden kann. Ein normaler Pendelbock, wie er zum statischen Auswuchten verwendet wird, ist hier nur bedingt geeignet, weil er keine axiale Führung des Rads ermöglicht. Hier besteht die Gefahr, dass das Rad beim Drehen seitlich wegläuft und sich das Messergebnis ständig ändert.

Toleranzen

Der zulässige Seiten- und Höhenschlag beträgt – je nach Hersteller, siehe jeweiliges Werkstatthandbuch – bis zu zwei Millimeter. Bei Geländereifen mit grobstolligem Profil macht sich ein maximal „ausgereizter“ Felgenschlag deutlich geringer bemerkbar als bei einem weich und rund abrollenden Straßenreifen. Hinzu kommt, dass ein Seitenschlag die Neigung zum Lenkerflattern (Shimmy-Effekt) erhöht.

Gerade beim Neueinspeichen sollte daher immer versucht werden, die kleinstmögliche Rundlaufabweichung zu erreichen. Zuerst wird mit vier Speichenpaaren, die in 90°-Abständen auseinanderliegen und zum einfacheren Wiederfinden markiert werden können, der Seiten- und Höhenschlag auf das mögliche Minimum reduziert. Die Nippel dieser Speichen sollten auch jetzt noch ohne allzu großen Kraftaufwand erst mit einem Schraubenzieher angezogen werden. Liegt der Felgenschlag innerhalb der Sollwerte, können die dazwischen liegenden Speichennippel beigezogen werden, bis sie an der Felge anliegen und jegliches Spiel verschwunden ist. Dabei immer wieder den Felgenschlag beobachten, um jegliches „Weglaufen“ der Felge sofort unterbinden zu können.

Hauptaugenmerk sollte zu Beginn auf den Höhenschlag gelegt werden, da dieser etwas aufwendiger zu beseitigen ist. Um ihn zu eliminieren, werden einige Speichen auf der dem höchsten Ausschlag genau gegenüberliegenden Seite etwas gelöst und im Bereich des Ausschlags etwas angezogen, um die Felge wieder in die Mitte zu „rücken“. Das Beseitigen eines Seitenschlags erfolgt auf vergleichbare Art und Weise: Falls die Felge übermäßigen Seitenschlag nach links aufweist, müssen an dieser Stelle einige linke Speichen gelöst werden, um die Spannung wegzunehmen. Normalerweise richtet sich jetzt die Felge von alleine aus. Falls nicht, muss die Felge mit einigen rechten Speichen zur rechten Seite gezogen werden. Sollte dazu übermäßige Speichenspannung erforderlich sein, müssen die linken Speichen noch weiter gelöst werden. Auch bei dieser Arbeit immer wieder den Höhenschlag beobachten, da dieser durch das Lösen der Speichen beeinflusst werden kann!

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