Intermot 2018: Werk braucht Feuer

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 40/II), Folge 634: Noch bis Sonntag läuft die Intermot in Köln und noch ist es zu früh, ein Fazit zu ziehen. Aber Zeit für ein paar grundlegend konstruktiv-kritische Anmerkungen möchte ich mir...

...an dieser Stelle doch nehmen. Denn die Motorradmesse sorgte bereits an den ersten drei Tagen für Gesprächsstoff unter den Fachleuten. Bei vielen meiner Gespräche mit Ausstellern und Händlern schwang irgendwie so ein negativer Unterton mit. Woran lag das? Am Presse- und Fachbesuchertag am Dienstag zum Beispiel gab es definitiv zu wenig richtige Motorradneuheiten zu bestaunen, abzuzählen an den Fingern einer Hand (siehe Bericht meines Kollegen Jan Rosenow in diesem Newsletter).

Intermot 2018: Messe der begrenzten Möglichkeiten

Intermot 2018: Messe der begrenzten Möglichkeiten

04.10.18 - Die Hersteller halten sich in Köln mit echten Neuheiten zurück. Lobenswerte Ausnahmen sind Indian mit der FTR 1200 und Triumph mit der überarbeiteten Street-Baureihe. Und Suzuki hofft auf den Katana-Effekt. lesen

Neuheiten-Feuerwerk geht anders! KTM, Yamaha und Honda verzichteten komplett auf ihre traditionellen Pressekonferenzen. Wichtige Player wie Held, Motoport, Schuberth wurden vermisst. Der Stand von Platzhirsch BMW Motorrad schrumpfte auf Regionalmessen-Größe. Die Präsentation der neuen wichtigen Modelle R 1250 GS und R 1250 RT, die bereits zwei Wochen zuvor der internationalen Presse in Portugal vorgestellt wurden, wurde von Henning Putzke und Timo Resch zwar professionell vorgetragen, doch von Show und Pomp, den man auf einer zuvor groß angekündigten Weltpremierenmesse hätte erwarten dürfen, fehlte jede Spur. Beachten Sie hierzu meine Anmerkungen im Speedlog vom Dienstag.

Intermot 2018: Weißwurst statt Weltpremiere?

Intermot 2018: Weißwurst statt Weltpremiere?

02.10.18 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 40/I), Folge 633: Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann haben vor 45 Minuten Gerald Böse von der Messe Köln und Reiner Brendicke und Ralf Keller vom Industrie-Verband Motorrad (IVM) das diesjährige Motorrad-Messehighlight... lesen

Was haben meine Kollegen Journalisten publiziert? Ein bekannter Blogger in BMW-Foren verschaffte seinem Ärger mit folgendem harschen Kommentar Luft: "BMW-Motorrad, DER deutsche Motorradhersteller, Marktführer in Deutschland, hat auf dieser Intermot der Idee/Institution Intermot den Gnadenschuss gegeben. Von den acht für diesen Herbst angekündigten Premieren laufen sechs auf der Eicma in Mailand, die neue GS und RT kannten wir ja bereits vor Köln. Und warum hat sich der neue BMW-Motorradchef in Köln nicht blicken lassen?"

Marcus Lacroix schrieb: "Parallel zu Stephan habe ich mir fürs Kradblatt heute die Füße platt gelaufen, bin von einer Pressekonferenz zur nächsten geeilt. Fazit des Tages: hätte ich nicht viele nette Menschen getroffen, hätte ich mir den kompletten Tag (und den morgigen), Anreise und zwei Mal Hotel sparen können. Die persönlichen Kontakte haben es rausgerissen. Als echte Neuheitenmesse kann man die diesjährige Intermot getrost vergessen. Von den Großen überzeugten allenfalls Suzuki mit der Katana und Indian mit der FTR 1200 (wobei die auch am Vortag durch einen leakenden Blogger vorzeitig online ging)."

Fazit

Intermot-Macher, hört die Signale! Die Messe Köln und der federführende Industrie-Verband Motorrad (IVM) sollten schnellstmöglich zur Manöverkritik blasen. Es geht jetzt darum, die Weichen für eine Intermot 2020 zu stellen, die mit neuem Schwung und neuen Ideen wieder wettbewerbs- und zukunftsfähig(er) wird. Angekündigt ist sie bereits für 30. September bis 4. Oktober 2020. Oder sollte die Intermot sogar bereits 2019 stattfinden - selbstbewusst im Einjahres-Rhythmus? Vielleicht sogar mit modifiziertem Konzept, das darauf abzielt, die immensen Kosten für die Aussteller wieder herein zu holen, indem sie zum Beispiel die Kaufbegierden der Besucher vor Ort und Stelle in ökonomische Transaktionen auf Premiumlevel umwandelt? Wäre eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Der Kampf mit der EICMA Mailand, wer die Nummer eins Weltleitmesse ist, scheint entschieden. Doch war beileibe nicht alles schlecht auf der Intermot 2018 - im Gegenteil. Der Besuchertraffic am ersten Fach- und Journalistentag passte und sowohl am Feiertag und am darauffolgenden Donnerstag war die Intermot-Hütte voll. Viele wichtige Aussteller wie Matthies, Hartje, Niemann + Frey, Rukka, Motul oder Keckeisen äußerten sich zufrieden bis sehr zufrieden über den Besucherandrang und die Qualität der Fachgespräche. Auch bei den Vertretern von Kawasaki, Kymco und Indian zeigte der Daumen nach oben. Die Initiative Ladies @ Intermot sprühte vor Herzblut, Frauenpower und Community-fördernder Intellektualität. Klasse auch der Auftritt des Händlers MCA Altendiez in Halle 10. Leider blieb das Experiment, dem Besucher auf einem Gemeinschaftsstand das Thema Konnektivität und Motorrad-Sicherheit näherzubringen, eines, das weniger Besucher anzog als erhofft.

Eigentlich hat Gerald Boese, Chef der Koelnmesse, auf der Eröffnungs-Pressekonferenz am vergangenen Dienstag den Weg bereits aufgezeigt: "Messen von heute sind mehr als nur die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. Gefordert sind Events, die neben dem wirtschaftlichen Aspekt Werte, Trends und Themen, die die jeweilige Branche bewegen, erlebbar machen und überzeugen. Moderne Messen sind ein Mix aus Business und emotionalen Events, die zusätzliche Anreize schaffen, Impulse setzen und Märkte bewegen."

Mit noch mehr Herz, mehr Esprit, mehr Empathie und Feuer ans Werk, meine (Damen) und Herren. So muss die Devise lauten. Dringend angezeigt ist aus meiner Sicht, dass der IVM beginnt, das gewaltige (jugendliche) Kapital aus dem Facebook-Kanal Vivalamopped besser zu aktivieren, das über eine Viertel Million User zählt. Frischer, frecher, spontaner, authentischer und interaktiver muss das digitale Marketing werden: Gesicht zeigen und Storytelling heißen die Stichwörter. Wir müssen brennen für das, was wir tun, sonst bleibt das Werk ohne Feuer.

Was meinen Sie - wie haben Sie Ihren Intermot-Besuch 2018 empfunden? Was hat Ihnen gut gefallen, was haben Sie vermisst? Und vor allem: welche Verbesserungsvorschläge hätten Sie auf Lager, dass der Motorradstandort Deutschland auch in Zukunft eine starke Intermot hat?

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