Judiths Motorrad-Premiere

Erfahrungsbericht einer unerfahrenen Sozia

| Autor / Redakteur: Judith Leiterer / Judith Leiterer

Stephan und ich bei unserer ersten Pause vor Kloster Bronnbach.
Stephan und ich bei unserer ersten Pause vor Kloster Bronnbach. (Bild: bike und business)

Ihre erste Mitfahrt im Sattel eines Motorrads fand im Rahmen des 5. Vogel-After-Work-Rides am 11. August statt. Was Judith Leiterer, aktuelle »bike und business«-Redaktionspraktikantin, dabei erlebt hat, lesen Sie in ihrer mitreißenden Reportage.

Wenn ich in meinem Praktikum schon jeden Tag in der Theorie mit Motorrädern zu tun habe und über Zubehör, Marktentwicklungen und Händlermeinungen schreibe, dann sollte ich doch wenigstens einmal richtig erlebt haben, was es heißt, Motorrad zu fahren. Das dachte sich auch »bike und business«- Chefredakteur Stephan Maderner und nahm mich mit auf den 5. Vogel-After-Work-Ride, eine Art Feierabendausflug der Biker des Verlags. Ich als Angsthase konnte mir zwar nie vorstellen, dass ich am Motorradfahren Spaß haben könnte, doch ich überwand mich und nutzte meine Chance auf eine tolle Erfahrung.Gestern war es dann so weit – Meine erste richtige Motorradtour, die länger als drei Minuten dauerte. Als Kind war ich einst ein paar hundert Meter die Straße auf und ab gefahren. Natürlich als Mitfahrerin, wie auch dieses Mal bei Stephan auf der Triumph Tiger 1050. Mit einigen bikebegeisterten Kollegen starteten wir einen Vogel-After-Work-Ride in Richtung Main-Spessart.

Kleine Startschwierigkeiten

Als Stephan mich einlud, eine „kurze Tour durch Würzburg“ zu machen, erwartete ich eine halbe Stunde Umherfahren bei höchstens 50 Sachen. Als ich erfuhr, dass wir doch ein bisschen länger und schneller unterwegs sein würden, bekam ich es mit der Angst zu tun. Ist das überhaupt sicher, so ganz ohne angeschnallt zu sein? Doch meine Angst, runterzufallen, war am ersten Kreisverkehr schon verflogen. Außerdem war ich dank des Testpools der »bike und business«-Bekleidungskammer sicherheitstechnisch mit Hose, Jacke und Handschuhen gut gerüstet, dazu den Helm einer Freundin. Ich merkte, dass ich stabil saß und fühlte mich in voller Motorrad-Montur und bei Stephan auf dem Motorrad sicher. Gerade als ich Gefallen am Fahren fand, gerieten wir auch schon in den ersten Stau am Zeller Bock.

Nachdem einer unserer Mitfahrer mir beim Warten zeigte, dass man ein Visier auch öffnen kann, drohte ich auch nicht mehr zu ersticken. Mit Ausnahme dieses Anfängerfehlers machte ich mich aber ganz gut, wie Stephan mir später erzählte.

Als der Stau und die ersten Ampeln überwunden waren, sammelten wir noch ein paar Kollegen von Vogel-Druck ein und es konnte richtig losgehen. Mit insgesamt 10 Maschinen, darunter zwei, die gerade zum Testen zur Verfügung stehen, starteten wir. Da Philipp Dotzler die Führung übernahm, bildeten Stephan und ich das Schlusslicht, was uns den schönen Ausblick auf die „Perlenkette“ von Motorrädern bot, die sich durch die Landschaft schlängelte.

Zwischen Angst und Fahrspaß

Zwischen meinem Bike-Piloten und dem Topcase war ich auch ohne Gurt gut fixiert und so fing ich an, die Fahrt zu genießen. Ich legte mich mit Stephan in die Kurven und lugte gespannt auf den Tacho, wenn er beschleunigte. Von der Rückseite seines bunten Helms grinste mich eine Schildkröte an, doch speedmäßig verhielt er sich kein bisschen wie dieses gemächliche Geschöpf. Mit jedem km/h stieg meine Anspannung, aber auch das aufregende Gefühl, in einer Achterbahn zu sitzen, nur ohne den Hydraulik-Bügel, der mich vor dem sicheren Tod bewahrt. Motorradfahren bringt immer ein Risiko mit sich, aber wie sagt man so schön: No risk, no fun.

Der Fahrtwind hatte eine ungeahnte Kraft und ich bekam die Geschwindigkeit zu spüren, als ich mein Visier runterklappte und meine Hand beinahe wegflog. Wir überholten ein paar Autos und einen Fahrradfahrer, der offensichtlich ordentlich getankt hatte. Für Motorräder gelten im Straßenverkehr andere Regeln, man kann sich immer irgendwo durchmogeln. Während der Fahrt bemerkte ich auch immer wieder, wie entgegenkommende Biker uns per Handzeichen grüßten und Stephan es ihnen gleichtat. Etwas, was die Szene total sympathisch macht.

Wohltat für alle Sinne

Unser erster Stopp war dann Kloster Bronnbach, wo sich erst einmal alle einander vorstellten. Einige probierten die Testfahrzeuge aus und ließen sich von der Ducati Scrambler und der Honda NC 750 X überzeugen. Meine Mitfahrer erkundigten sich bei mir, wie ich meine erste Motorradfahrt bis jetzt so fand, und das einzige, was ich erwidern konnte war „Krass“, denn ich war immer noch ein wenig im Rausch des Adrenalins. Doch auch hier überzeugte ich mich davon, dass Biker einfach locker drauf sind. Als „Neue“ wurde ich problemlos in die Gemeinschaft aufgenommen.

Es ging mir hervorragend, als wir die Tour fortsetzten. Die Straßen wurden enger und kurviger und führten uns an der beeindruckenden Burg Wertheim vorbei. Ich konnte meine Umgebung viel intensiver wahrnehmen als zum Beispiel beim Autofahren. Ich fühlte mich wie auf einer sehr viel schnelleren Fahrradtour und bemerkte: Beim Motorradfahren ist der Weg das Ziel. Alle meine Sinne hatten etwas von dieser Tour: Ich sah tolle Architektur, idyllische Landschaften, Pferde und Ziegen. Und ich roch sie auch. Aber ich atmete auch frische Landluft und den Geruch von Benzin. Hören konnte ich allerdings nur ohrenbetäubende Motorengeräusche. Gespürt habe ich das Gefühl von Freiheit und geschmeckt hat es mir im Biergarten. Aber dazu später mehr.

Anstrengender als gedacht

Bei unserer nächsten Pause an einem Waldstück holten mich Rückenschmerzen und Verkrampfungen auf den Boden der Tatsachen zurück. Das Soziadasein war anstrengender als gedacht. Während der nächsten Etappe kam dann noch ein Krampf im Bein dazu, was solange man fährt eher ungünstig ist.

In Zellingen legten wir noch einen Tankstopp ein und einige Mitfahrer verabschiedeten sich. Für den Rest von uns ging es auf direktem Weg in den Biergarten. Stephan nutzte die letzte Gelegenheit, um nochmal richtig zu beschleunigen und ich war froh, dass es bei 170 Stundenkilometern blieb. Er muss wirklich ein Adrenalinjunkie sein, so wie wahrscheinlich alle Biker.

Bike-Tour mit Folgen

Ich jedenfalls plane, es nach meiner ersten Motorraderfahrung erst einmal ruhig angehen zu lassen und mir mal die Vespa einer Freundin auszuleihen, um zu sehen, ob ich auch am Steuer einer solchen Maschine eine gute Figur machen kann. Jetzt kann ich auf jeden Fall die Begeisterung für motorisierte Zweiräder verstehen und kann mir vorstellen, auch Teil dieser Community und dieses Lebensgefühls zu werden.

Den Tag, dem die Tour laut einem Mitfahrer einen Sinn verliehen hat, ließen wir bei einem alkoholfreien Feierabendbier und Gesprächen über vergangene und zukünftige Trips ausklingen. Mit dem Wetter hatten wir großes Glück, es war ein sehr milder Augusttag ohne Regen. Jedenfalls bis Stephan und ich wieder am Parkplatz von Vogel Business Media ankamen, denn gerade als ich Helm und Lederjacke auszog, fing es an zu nieseln.

Als Andenken blieben mir am Abend einige Verspannungen, noch immer leicht zitternde Hände und ziemlich zerzauste Haare. Doch das war es definitiv wert, denn es bleibt noch etwas: Die Erfahrung des unglaublichen Gefühls der Freiheit und die Erkenntnis, dass Motorradfahren wirklich so viel mehr ist, als von A nach B zu kommen. Und ich bin stolz und glücklich, dass ich das Abenteuer gewagt habe. Und natürlich bin ich Stephan dankbar, dass er mir das ermöglicht hat.

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