Kann E-Mobilität den Verbrennungsmotor ersetzen?

Ein Blick in die Zukunft

| Autor / Redakteur: Vivian Wetschera / Vivian Wetschera

(Bild: ©evan_ers/Fotolia.com [M] – Haselmann)

Vor der Wahl ist nach der Wahl. Wie gewohnt werfen Politiker mit Wahlversprechen um sich, von denen abzuwarten bleibt, ob diese schlussendlich auch erfüllt werden. In diesem Jahr spielt der Verbrennungsmotor eine entscheidende Rolle bei der Frage um die Koalitionsbildung nach der Bundestagswahl 2017. Soll er bleiben oder verschwinden?

Für die Grünen ist es keine Frage, dass der Verbrenner aus Klimaschutzgründen verschwinden muss. Am besten soll ab 2030 kein einziges Verbrennerauto mehr zugelassen werden dürfen. Das Ende der Ära Verbrennungsmotor ist also Koalitionsgrundlage und nicht verhandelbar, so Cem Özdemir. Horst Seehofer hingegen sieht mit einem Ende des Verbrenners auch den Untergang des Autostandorts Deutschland kommen. Man würde die Axt an die Wurzel unseres Wohlstands legen, so der bayerische Ministerpräsident. Hier noch einmal der Speedlog zum Thema:

R.I.P. Verbrennungsmotor?

R.I.P. Verbrennungsmotor?

25.08.17 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 35/2017/I), Folge 532: Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir machte am Wochenende ein Ende des Verbrennungsmotors zur Bedingung für eine Koalition nach der Bundestagswahl, während die CSU einen Ausstieg als nicht verhandelbar bezeichnet. Die genaue... lesen

Im Folgenden lassen wir einige unserer Leser zum Thema E-Mobilität versus Verbrennungsmotor zu Wort kommen:

Alles heiße Luft – Deutschland ist noch nicht bereit für das E-Auto

J. Vater: „Ich mache mir da noch keinen Kopf, denn unsere Politiker, die mit Schlagworten Wahlkampf betreiben, werden vor der Wirtschaft so oder so den Kürzeren ziehen! Die können poltern, zedern, prusten und pusten, ein massives Steinhaus kann so schnell nichts erschüttern! Und nur weil ein kleines grünes Licht versucht, heller zu brennen, muss man auf die bösen Verbrennungsmotoren einprügeln!

Wahrscheinlich hat Herr Özdemir keinen unnützen verbrennungsbetriebenen Sportwagen in der Garage stehen! Ich frage mich jetzt schon:

  • Wo sollen wir die ganzen Akkus für die Millionen von Fahrzeugen in Europa herbekommen?
  • Wo soll der ganze Strom her kommen? Eventuell aus einem französischen Atomkraftwerk?
  • Wer soll in so kurzer Zeit alle Fachkräfte auf Kfz-Elektronik/Hochstrom umschulen?

Erst schafft man den Kfz-Elektriker ab, verpackt diese Ausbildung mit dem Kfz-Mechaniker zu einem Beruf, der in 3,5 Jahren erlernbar sein soll, und nun gräbt man den einfach so wieder aus? Viele unserer „Schrauberkollegen“ haben ja schon ein Problem mit der jetzigen Kfz-Elektrik und -Elektronik. Heute können die Schrauber fast nur noch das Fehlerdiagnoseorakel befragen und hoffen, dass nach dem fünften Teilewechsel der Fehler des Übergangswiederstandes in der Zuleitung und Stecker der Zündspule zufällig mit ausgetauscht wurde. Alle auf Verdacht getauschten Teile werden natürlich berechnet.

Solange ein Mechaniker die Funktion eines Vergasers und dessen Zusammenspiel der Komponenten NICHT verstanden hat, wird das auch nichts mit dem E-Auto.“

Die Branche braucht politischen Druck, um Innovationen voranzubringen

Ein nicht registrierter User: „Özdemir macht das schon ganz richtig. Druck muss aufgebaut werden, damit unsere „BungaBunga-Pkw-Vorstände“ und -Aufsichtsräte sich nicht nur selber feiern sondern auch mal wieder in Sachen Innovation liefern. Das geht nun mal nicht, wenn man an einer Steinzeit-Antriebsart kleben bleibt. Am Ende überzieht Özdemir bewusst aber das ist angesichts der Betonköpfe auf der anderen Seite leider nötig.“

Als Antwort darauf meldete sich J. Vater erneut zu Wort: „Irgendwie muss ich dir Recht geben, aber wenn man schaut, welche Energiedichte in einem Liter Kraftstoff steckt, werden maximal 25-30 Prozent davon in Vorschub und nicht in Wärme umgewandelt. Und dann gibt es noch lange keine Alternative zum Verbrenner. Um heute, technischer Stand jetzt, 1. 000 Kilometer mit einem Diesel zu fahren braucht es knapp, ohne den Taschenrechner anzuwerfen, 55 Kilogramm Kraftstoff, also Diesel. Schau mal, wohin du mit 55 Kilogramm Batteriepack kommst – Reicht gerade mal, um dein Handy vier Wochen unter Volllast zu betreiben.“

Solange der Strom ebenfalls schmutzig produziert ist, wird ein E-Auto nicht zum Klimaschutz beitragen

Harry S.: „Ist E-Mobilität wirklich umweltschonender? Solange der Strom produziert werden muss, glaube ich nicht. Hier mehr dazu.“

Synthetische Kraftstoffe werden vernachlässigt und nach dem Wahlkampf Versprechen bekämpft

G. Hofmann per E-Mail an die Redaktion: „Fast alle Wahlkämpfer diskutieren über den Verbrennungsmotor – die einen machen sein Ableben, die anderen sein Weiterfahren zur absoluten Bedingung für einen Eintritt in welche Koalition auch immer. Nach dem Wahltag wird allgemeine Versprechensbekämpfung folgen. Ganz vergessen – und von der Regierung vernachlässigt – wird darüber die unbedingt notwendige Diskussion über die synthetischen Kraftstoffe (Designer Fuels), z.B. die Oxymethylenether – aus CO2 und grünem Wasserstoff produzierte Treibstoffe, die rückstandsfrei, also klimaneutral in hergebrachten Dieselmotoren verbrennen.

Gar nicht mehr unumstritten ist dagegen der vor allem zu Wahlkampfzeiten reihum als Königsweg hochgelobte Elektromotor, für den aber (vorerst) zwei Drittel des Stroms aus schmutziger Produktion kommt, und dessen Batterien bereits jetzt ein Umweltproblem darstellen, lange bevor die von Seiten der Regierung versprochene eine Million E-Autos auf deutschen Straßen rollt. Pro: Eine Studie der Grünen und des Öko-Instituts unterstreicht die gute Klimabilanz der E-Autos (hier nachzulesen), Contra: Eine schwedische Untersuchung hegt Zweifel an der Umweltbilanz der Stromflitzer, dazu hält ein Experte die aktuelle E-Mobilität für „nicht zukunftsfähig“ (hier nachzulesen).

Paradox: Einerseits fließen wir über von viel zu viel Kohlestrom – andererseits wurde das Potenzial der Solarenergie extrem unterschätzt. Und zuletzt: Zwei Auseinandersetzungen mit den immer gleichen, immer falschen Behauptungen von Klimaskeptikern, die ich – linguistisch schräg, ich weiß – lieber „Klimaleugner“ nenne: Stefan Rahmstorf und der Stanford-Doktorand Benjamin Franta.“

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