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Karin Munk: Motorrad-Powerfrau und Change-Moverin

| Autor / Redakteur: Renan Schmid / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Sportlich topfit und auch im Beruf ständig auf Achse – Karin Munk ist eine Powerfrau. Die Generalsekretärin der Arge2Rad gibt nicht nur auf ihrer BMW ordentlich Gas, auch in der Männerwelt Motorrad weiß sie zu überzeugen.

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Karin Munk, Generalsekretärin Arge2Rad, ein Glücksfall für die österreichische Motorradlobby.
Karin Munk, Generalsekretärin Arge2Rad, ein Glücksfall für die österreichische Motorradlobby.
(Bild: Privat)

Gablitz um 5 Uhr 30 – eine Marktgemeinde mit knapp 5.000 Einwohnern in Niederösterreich, 20 Kilometer von Wien entfernt. Der Wecker von Karin Munk klingelt, wie jeden Tag in der Früh, wenn Schule ist. Sie weckt ihren 14-jährigen Sohn, macht ihm Frühstück, denn er muss um 6 Uhr 35 mit dem Bus in die Schule. Solange er noch so „klein“ ist, macht ihr das Spaß, meint sie. Doch sobald der Sohnemann aus dem Haus ist, wird Karin sportlich aktiv, macht etwas nur für sich.

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Ihr Haus liegt direkt am Wald, eigentlich sogar im Wald. Kaum geht sie aus der Tür, schon steht sie in der Natur. Ihr Ruheort. Ein Rückzugsplatz, den sie ebenso sehr liebt wie den Sport. Die Bewegung an der frischen Luft. Etwas nachdem sie, wie sie selbst zugeben muss, mittlerweile sogar ein bisschen süchtig ist. Fünf Mal die Woche sportelt sie, wie sie das so schön in ihrem leichten Wiener Dialekt sagt. Entweder sie schwingt sich aufs Mountainbike, oder geht laufen. Erst vor kurzem hat die 55-jährige auch noch mit dem Kickboxen angefangen, Aerobic, Kardiotraining - und natürlich Motorradfahren. Sie kann alles, macht alles, ist einfach eine echte Powerfrau. Sie ist zweifache Mutter, Arbeitsmensch, topfit und topmotiviert.

Karin sieht zufrieden aus. Sie sitzt vor ihrem Laptop im Home-Office und wirkt frisch an diesem Morgen, obwohl sie den Sport schon hinter sich hat – oder vielleicht gerade auch deswegen. Jetzt geht es an die Arbeit, wobei sie so einen richtigen Arbeitsalltag gar nicht hat. Dafür ist ihr Beruf zu abwechslungsreich. Karin ist Generalsekretärin bei der Arge2Rad, dem Dachverband der österreichischen Zweiradimporteure und Zweiradindustrie. Außerdem hat sie noch ihre eigene PR & Consulting Agentur. Sie ist selbstständig. Seit nunmehr 16 Jahren lebt sie ihren Job mit vollster Überzeugung und absoluter Professionalität. Langeweile? Fehlanzeige im Hause Munk.

Wenn man sie nach ihrem Beruf fragt, sprudelt es aus ihr heraus. Sie kennt sich aus in der Branche, weiß über alles Bescheid. Beim Thema „Fahrverbot für laute Motorräder in Tirol“ verschwindet das sonst so sympathische Lächeln. Sie ist sichtlich genervt. Es wurden fünf wichtige Motorradstrecken vom 10. Juni bis zum 31. Oktober für Maschinen gesperrt, die mehr als 95 dB im Zulassungsschein stehen haben. Ein Kampf, den die Arge2Rad in jedem Bundesland führt, welches Grün besetzt ist. Über das Tirol-Thema will sie schon gar nicht mehr reden, denn die letzten zehn Tage haben sie sichtlich beschäftigt und auch einfach nichts gebracht. Sie muss sich eingestehen, dass sie diesen Kampf verloren hat. Wenn sie sich aufregt, dann kommt das Wienerische wieder etwas zum Vorschein. Sie ist eben kein „Wunderwuzi“, gesteht sie sich ein.

Eigentlich ist sie das doch – eine „zupackende Businessfrau, die weiß, was sie will“. So beschreibt sie ihr Kollege aus der Männerwelt Motorrad Stephan Maderner, Chefredakteur der Fachzeitschrift „bike und business“. „Sie ist eine attraktive Powerfrau und Change-Moverin, die mit coolen Sprüchen auf den Punkt kommt und leidenschaftlich für die Branche kämpft.“

Sie tut der männerdominierten Motorradwelt gut. Sie sagt selbst über sich, dass sie das Mädchen für alles ist. Sie organisiert Messen, macht viel Lobbying, fungiert als Mediatorin, kümmert sich auch mal um Kaffee und Kuchen. Sie ist die Arge2Rad. Dort hat sie gelernt, sich durchzubeißen und zu behaupten. Als sie vor 16 Jahren die Arge2Rad als Kunden für sich gewonnen hatte, musste sie erst mal den A-Schein machen. Denn als Generalsekretärin eines Motorradverbandes sollte man den schon haben. Erst mit 39 Jahren hat sie angefangen mit dem Motorradfahren, zusammen mit ihrem Ehemann. Davor ist sie diese „schlimmen Chopper“ gefahren. Seitdem fühlt sie sich sichtlich wohl in der Branche. Die ein oder andere Frau mehr würde sie sich wünschen, aber sie wurde akzeptiert von dem Männerhaufen. In keinem Wort beschwert sie sich über ihr Arbeitsumfeld. Ihre Arge2Rad besteht aus insgesamt 37 Mitgliedern, sie alle hat sie ins Herz geschlossen.

Wenn man sie auf das Motorradfahren anspricht, kommt sie ins Schwärmen. Ihr Sohn ist auch schon auf den Geschmack gekommen und will den Rollerführerschein machen; ihre 21-jährige Tochter möchte nicht fahren. Sie hat das Motorradfahren lieben gelernt, sagt sie. Sobald Karin Munk auf ihrer silbernen BMW F 700 GS sitzt, denkt sie an nichts anderes mehr, wenn sie durch das frisch gemähte Heu fährt, dieses Freiheitsgefühl. Sie sagt selbst von sich, dass sie keine Top-Fahrerin ist, deshalb konzentriert sie sich nur auf das Fahren, darauf jede Kurve so gut wie möglich zu nehmen. Mit ihrem defensiven Fahrstil fühlt Karin sich sichtlich wohl auf dem Zweirad. Doch ab und an wagt sie sich auch mal auf die Schotterpiste mit ihrer Enduro, „auch wenn es vielleicht mal nicht ganz legal ist“, erzählt sie mit einem Grinsen.

Sie genießt jede Sekunde der zwei Motorrad-Ausfahrten, die sie im Jahr macht, sehr. Im Sommer ein paar Tage mit einer Freundin, dann zwei Tage mit den Mitgliedern der Arge2Rad-Familie. Zwischen 3000 und 4000 Kilometer fährt sie jedes Jahr, das lässt sie sich nicht nehmen. Und dabei ist sie stets die Chefin im Rudel voller Männer. Und das funktioniert. Normalerweise. Doch momentan fällt dieser Ausgleich weg. Und das Reisen, das Rauskommen fehlt ihr ungemein. Sie braucht diesen direkten Kontakt, sie will ihren Kollegen direkt in die Augen schauen oder einfach mal nur Plaudern.

Karin Munk ist eine Frau, die sehr auf Harmonie bedacht ist. Die führt und behandelt ihre Mitglieder wie eine Familie. Eine Frau, die bei den Abendessen auch mal gerne über Privates sprechen will, denn genau das mag sie, die Kommunikation, wenn es „menschelt“. „Diese konzerngetriebenen Männer können teilweise nur noch über Zahlen, Zielgruppen und Marktanalysen reden“, sagt sie lachend. Doch sobald Karin am Tisch ist, ändert sich das. Sie hat es geschafft, die ganzen Konkurrenten, den ganzen Haufen irgendwie zu harmonisieren.

Eine liebevolle Mutter, ehrgeizig im Sport und im Beruf. Die Motorradwelt kann froh sein eine Frau wie Karin Munk in ihren Reihen zu haben. Sie harmonisiert die Branche, ist auf Austausch bedacht, aber ganz bestimmt kein „Wunderwuzi“. Die ein oder andere Frau mehr würde der Branche sicherlich guttun.

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