Kawasaki: Der zwitschernde Kraftprotz

Die Kawasaki H2 SX SE im Test

| Autor / Redakteur: Heinrich Gutjahr/SP-X / Florian Fraunholz

Die Kawasaki strotzt mit ihren 200 PS nur so vor Stärke.
Die Kawasaki strotzt mit ihren 200 PS nur so vor Stärke. (Bild: Kawasaki)

Die Kawasaki H2 SX SE tritt das Erbe der Suzuki Hayabusa an: Jede Menge Power und eine Höchstgeschwindigkeit um die 300 km/h machen die Japanerin zu etwas Besonderem. Dafür gilt es, kleine Nachteile in Kauf zu nehmen.

Aufgeladene Motoren werden gerne genutzt, wenn es um möglichst viel Power geht. Im Motorradbau sind sie bislang selten zu finden; auch ohne Aufladung schaffen es die hochdrehenden Triebwerke, genügend Kraft für ihre vergleichsweise leichten Karosserien zu erzeugen. So sind mittlerweile konventionelle Kraftwerke mit mehr als 200 PS keine Seltenheit mehr. Warum also den hohen Aufwand für eine Aufladung betreiben?

Doch das heißt ja nicht, dass man nicht ein wenig experimentieren könnte, sagten sich vor wenigen Jahren die Ingenieure von Kawasaki und stellten die H2R auf die Räder: mit einem von einem Kompressor beatmeten Vierzylinder und sage und schreibe 300 PS. Die war freilich ausschließlich für die Rennstrecke vorgesehen, die Variante für die Straße wurde auf 200 PS gedrosselt.

Neben dem straßentauglichen Sportler wurde das Aggregat in diesem Jahr Basis für eine weitere Variante: einen Sporttourer. Doch eine einfache Transplantation des Triebwerks kam nicht in Frage, seine Manieren waren einfach nicht geschliffen genug. So wurden Ein- und Auslasskanäle erneuert, ebenso wie das Ansaug- und Abgassystem, Steuerzeiten optimiert sowie Kolben und Kurbelwelle überarbeitet. Eines aber blieb unangetastet: die maximale Leistung von 200 PS, die eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 300 km/h ermöglicht.

Ob man so schnell fahren muss oder überhaupt kann, weil es die Verkehrslage nicht zulässt, bleibt jedem selber überlassen. Wichtiger für einen treuen Reisebegleiter sind seine Manieren. Und hier hat Kawasaki erstklassige Arbeit geleistet. Die Motorkraft lässt sich so fein dosieren, dass niemand Angst haben muss, dass sich die Rakete verselbstständigt, zumal man heutzutage über die ausgefeilten Möglichkeiten der Elektronik wählen kann, mit wie viel PS man unterwegs sein möchte. So auch bei der H2 SX SE: Zur Wahl stehen 50, 75 und 100 Prozent der Gesamtleistung. Selbstverständlich ist fast schon die Einstellbarkeit der Traktionskontrolle, und im Falle der Kawasaki lässt sich auch das Motorschleppmoment vom Fahrer regulieren.

Überblicken lässt sich das alles auf einem farbigen TFT-Display, das alle Daten und Werte übersichtlich und jederzeit gut erkennbar anzeigt und das über einen Kippschalter an der linken Armatur bedient wird. Entscheidet man sich nämlich für volle Power, sollte man den Drehzahlmesser im Blick behalten, denn die ungebändigten Pferdestärken durcheilen das Drehzahlband so leichtfüßig, dass man ruckzuck im Begrenzer landet. Dass man bei der Beschleunigungsorgie nicht vom Sitz geweht wird, ist der einen guten Windschutz bietenden Frontscheibe und der leicht nach vorn gebeugten Sitzhaltung zu verdanken, die sowohl eine etwas sportlichere Gangart als auch die komfortable Reise unterstützt. Natürlich fördert ein Schaltassistent für das Hoch- sowie das Runterschalten die Dragsteraktion. Vom Kompressor ertönt beim Beschleunigen bisweilen ein zwitscherndes Sirren, mehr bekommt man von ihm nicht mit.

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