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Kawasaki: Neue Z-eit

| Autor / Redakteur: Norbert Meiszies / Elena Koch

Mit dem Mittelklasse-Roadster Z 650 stellt Kawasaki den Nachfolger des Bestsellers ER-6n vor, ein um 19 Kilo abgespecktes Einsteiger-Bike, das selbst versierte Fahrer begeistern könnte.

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Im Vergleich zur ER-6 speckte die Z 650 insgesamt 19 kg ab.
Im Vergleich zur ER-6 speckte die Z 650 insgesamt 19 kg ab.
(Bild: Kawasaki)

Mit exakt 121.161 verkauften Fahrzeugen in elf Jahren stellt die ER-6-Baureihe das erfolgreichste Motorrad des japanischen Herstellers in Europa. Da hätte man eigentlich erwarten können, dass bei der Frage der Nachfolge über die Namensgebung des Updates keine Diskussionen aufkommen würden. Doch Kawasaki verabschiedet sich vom eingeschlagenen Weg und verpasst der neuen „Erna” – wie sie in der Szene liebevoll genannt wird – neben den zahlreichen technischen Veränderungen gleich noch einen neuen Namen: Z 650. Damit belebt das Modell eine 40-jährige Tradition wider. Bereits 1976 brachte Kawasaki einen namensgleichen Vierzylinder-Roadster auf den Markt, der zu jener Zeit für jede Menge Furore in der damals noch vernachlässigten Mittelklasse sorgte.

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Die Japaner möchten mit der Namensänderung die Modellfamilie international vereinheitlichen. So umfasst die Z-Modellfamilie für 2017 neben der Z 1000 R, Z 1000, Z 900 und Z 300 nun auch eine Z 650. Orientiert haben sich die Kawasaki-Strategen dabei an der erfolgreichen MT-Baureihe von Yamaha. Besonders die beliebte MT-07 muss Kawasaki ein Dorn im Auge gewesen sein. Weshalb es die Entwickler bei der Z 650 nicht bei einer einfachen Überarbeitung beließen. Eigentlich ist der Nachfolge-Roadster ein komplett neues Motorrad, das einige Gene der ER-6n übernommen hat – zum Beispiel den Antrieb. Aber selbst der bewährte, flüssigkeitsgekühlte Reihen-Zweizylindermotor mit 649 cm³ wurde – auch wegen der neuen ab dem 1.1.2017 geltenden Abgasnorm Euro 4 – modifiziert. Was nebenbei eine Gewichtsersparnis von zwei Kilogramm brachte.

Die Neue hat 19 Kilogramm abgespeckt

Dank des neuen, leichteren Gitterrohrrahmens, der neuen Schwinge und einem aktualisierten Bosch-ABS speckt die Z 650 insgesamt 19 kg ab. Da fallen die vier PS weniger Leistung gegenüber der ER-6n gar nicht auf. Mit 50 kW/68 PS und einem maximalen Drehmoment von 65,7 Nm bei 6500/min ist die Z 650 für die angepeilte Zielgruppe (Einsteiger, Führerscheinaufsteiger, Frauen) völlig ausreichend motorisiert.

Die Leistung entwickelt sich sehr gleichmäßig, gegenüber der ER-6 hat man sogar das Gefühl, dass die Gasannahme noch direkter erfolgt. Schon ab 3.000 Umdrehungen spürt der Fahrer ordentlich Vortrieb, um überrascht festzustellen, dass er sich wegen des recht kurz übersetzten Sechsgang-Getriebes fast ständig in der höchsten Gangstufe bewegt. Schaltfaulen Kawa-Treibern dürfte das gefallen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 191 km/h.

Ergonomie passt für kleine und für große Fahrer

Am Grundprinzip eines handlichen, wendigen, einfach zu bedienenden Roadsters ändert auch die sportliche Attitüde der Z-Familie nichts. Die Z 650 bietet eine angenehme Ergonomie mit einer nochmals reduzierten Sitzhöhe von 79 Zentimetern, die selbst kleineren Fahrern/innen auch wegen der schmaler ausfallenden Silhouette der Z mit dem verschlankten Tank ein sicheres Abstellen der Füße auf dem Asphalt garantiert.

Und für Personen mit Gardemaß über 1,85 Meter ist der Kniewinkel nicht zu spitz. Für einen Großteil des ausgezeichneten Fahrkomforts ist die perfekt abgestimmte Telegabel vorn verantwortlich, während das neue, horizontal verbaute Back-Link-Federbein hinten sportlich ambitionierten Fahrern vielleicht etwas zu weich abgestimmt sein könnte. Leider ist das Federbein so montiert, dass sich die Federbasis nur mit einigem Umbauaufwand einstellen lässt. Einschränkungen beim Fahrwerk muss man dennoch keine hinnehmen. Die Z 650 folgt sehr zielgenau Lenkbefehlen, Unebenheiten in der Fahrbahn schluckt sie anstandslos weg ohne Unruhe ins Fahrwerk zu bringen, Wendemanöver werden zum spielerischen Vergnügen.

Bei der Ausstattung bietet die Z 650 Standard ohne Schnickschnack. Das Zweikanal-ABS funktioniert anstandslos, die vordere Scheibenbremse mit Doppelkolben-Schwimmsätteln packt für eine Einsteiger-Maschine sogar recht giftig zu. Praktisch sind die Rutschkupplung, die das Anfahren erleichtert und die einstellbaren Brems- und Kupplungshebel. Im neu gestalteten Cockpit findet man zudem eine Ganganzeige. Für die ab Januar 2017 erhältliche Z 650 verlangt Kawasaki mit 6.695 Euro erfreulicherweise kaum mehr als für die in Rente geschickte ER-6n. Bei Kawasaki haben somit neue Z-eiten angebrochen.

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