Kawasaki W 800: Auferstehung dank Euro 4

Mehr Sound und Spritzigkeit als das Vorgängermodell

| Autor: Jan Rosenow

Kawasaki bietet die W 800 in zwei Versionen an: Street (links) und Café.
Kawasaki bietet die W 800 in zwei Versionen an: Street (links) und Café. (Bild: Jan Rosenow/»bike und business«)

Die W 800 kehrt nach einigen Jahren Abwesenheit ins Kawasaki-Programm zurpück. Und der Retro-Twin befindet sich in der Form seines Lebens.

Auch wenn Kawasaki vor allem dank seiner Z- und Ninja-Modelle im Verkauf so erfolgreich ist – die Grünen haben noch mehr zu bieten. Retrofans lieben schon seit 20 Jahren die W-Modelle mit ihrem einzigartigen Königswellenmotor. Mit der Einführung von Euro 4 haben die Japaner den luftgekühlten Twin 2016 aus dem Programm genommen – und schnell gemerkt, dass das keine gute Idee war: Zum Modelljahr 2019 feierte die W 800 ihre Auferstehung im deutschen Modellprogramm.

Im Vorfeld der Kawasaki Days, die am 25. und 26. Mai stattfanden, konnte »bike und business« die überarbeitete Maschine probefahren. Und nach einem kurvenreichen Ritt durch das Elmsteiner Tal lässt sich sagen: Der Retro-Twin ist in der Form seines Lebens.

Alle selbsternannten Experten, die mit den neuen Abgas- und Geräuschnormen das Ende des Motorradfahrens gewittert hatten, dürfen sich gern die W 800 schnappen und mit der Vorgängerin von 2011 vergleichen. Die Neuauflage agiert deutlich spritziger als das zugestopfte Erstmodell und produziert einen wunderschönen, pulsierenden Twin-Sound, der sich vor seinen Vorbildern, den klassischen Reihenzweizylindern aus England, nicht verstecken muss.

Schön, dass die Königswelle als Alleinstellungsmerkmal geblieben ist – ebenso wie die Auslegung als Langhuber und Gleichlaufmotor. Das sorgt für ein charakteristisches und authentisches Fahrverhalten, wie es die Konkurrenten mit ihren modischen 270-Grad-Twins nicht bieten können.

Einziges Problem der W 800: der Preis

Allerdings: Konkurrenz hat die W 800 deutlich mehr als früher, und die Preispositionierung dürfte ihre Chancen im Verkauf nicht wirklich steigern. Mit 10.145 Euro (inklusive Nebenkosten) ist sie teurer als die erheblich leistungsstärkere Triumph Speed Twin (ab 9.300 Euro) oder die Moto Guzzi V7 (ab 8.900 Euro). Und mit der ebenfalls 35 kW/48 PS starken Royal Enfield Interceptor (ab 6.400 Euro) steht ein neuer, deutlich günstigerer Konkurrent parat.

Trotzdem ist es gut, dass die W 800 wieder da ist. Und mit einem konkurrenzfähigen Preis und vielleicht noch einer modischen Scramblervariante könnte die W 800 im zweiten Anlauf auch zum Erfolg werden.

Ebenfalls für die Saison 2019 neu im Programm ist die Z 400, ein leichtes Mittelkasse-Naked mit betont sportlicher Auslegung. Obwohl die Zweizylindermaschine mit ihrer schmalen und niedrigen Statur eher zu kleineren Fahrern und Fahrerinnen passt, sind ihre Motor- und Fahrwerksreserven trotzdem ausreichend, um auch Größeren Spaß zu machen.

Vor allem auf kurvenreichen Straßen braucht es eigentlich nicht mehr als 33 kW/45 PS, um mit der gerade einmal 167 Kilogramm leichten Mini-Zett an wesentlich stärkeren Maschinen dranzubleiben. Die Handlichkeit ist superb, und der drehzahlgierige Twin schreit förmlich nach einer beweglichen Gashand – ohne dass deshalb gleich gefährliche Geschwindigkeiten erreicht werden. Die vierzylindrigen Wuchtbrummen von der Z 900 bis zur H2 SX, die Kawasaki ebenfalls zum Probefahren mitgebracht hatte, konnten auf den Sträßchen im Hinterland ihr Potenzial nicht ansatzweise ausspielen.

6.500 Fans feiern die Marke Kawasaki

Die Kawasaki Days, die am 25. und 26. Mai am Technik-Museum Speyer stattfanden, waren auch in diesem Jahr ein Publikumsmagnet. Rund 6.500 Gäste nutzten das (größtenteils) perfekte Wetter, um mit Motorrädern aller Marken Kawasaki einen Besuch abzustatten.

Showacts wie der Kawasaki-Stuntpilot Chris Rid oder die MX-Freestyler rund um Robert Naumann waren die bewunderten Attraktionen auf der zentralen Aktionsfläche. Um diese Fläche herum fanden sich zahlreiche Stände von Verlagen, Industrie, Rennteams, Kawasaki-Vertragspartnern und Tunern. Ideal für alle, die intensiv Benzin reden wollten. Fasziniert waren die Besucher auch vom Roboter der Sparte Kawasaki Robotics, der eine Ninja H2R vor deren Augen in die Höhe schwenkte.

Neben dem mobilen Leistungsprüfstand waren die Probefahrt-Motorräder und die Slots auf dem Fahren-ohne-Führerschein-Übungsplatz praktisch rund um die Uhr ausgebucht. So konnten allein über 300 Probefahrten verbucht werden.

Eine Jury kürte zudem den Gewinner der „Green Challenge“, bei der fünf Teilnehmer je eine Z125 und Ninja 125 zum Testen nach Hause geliefert bekamen und sie über Monate auf Instagram in Szene setzen sollten. Videoprofi Jens Kuck, Reporter Vauli (1000PS.de), Youtuber Slaty und ein Vertreter von Kawasaki Deutschland fanden, dass Benjamin Kiwitz diese Aufgabe am besten gelöst hat. Er darf die Z125 ab sofort sein Eigen nennen.

Kawasaki Deutschland bedankt sich bei allen Besuchern und beim gesamten Team für diesen gelungenen Event. Marketingleiter Martin Driehaus fasst es so zusammen: „Für das nächste Jahr liegt die Latte schon ziemlich hoch. Aber wir werden unser Programm sowie die Kapazitäten weiter ausbauen. Die Kawasaki Days haben sich einen festen Platz im Kalender der Fans erobert, und darüber freuen wir uns sehr!“ Termin 2020: 23. und 24. Mai.

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