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Kawasaki Z900: Famoser Topseller

| Autor / Redakteur: Thilo Kozik/SP-X / Nika-Lena Störiko

Böse sieht sie immernoch aus, aber die Kawasaki Z900 ist tatsächlich vergleichsweise brav, wenn man weiß, wie mit ihr umzugehen ist.

An der grundlegenden Konzeption wurde nicht gerüttelt, die Z900 des Jahrgangs 2020 ist nach wie vor ein stabiles, flinkes und unkompliziertes Motorrad.
An der grundlegenden Konzeption wurde nicht gerüttelt, die Z900 des Jahrgangs 2020 ist nach wie vor ein stabiles, flinkes und unkompliziertes Motorrad.
(Bild: Kawasaki)

Kawasaki hat in den letzten Jahren vieles richtig gemacht. Paradebeispiel für diese These ist der Landstraßenfeger Z900, der seit drei Jahren die Zulassungshitliste aufmischt: Die 900er landete bei uns im letzten Jahr auf Platz Drei. Und doch haben die Entwickler noch ein wenig Raum für Verbesserungen gefunden, auf den ersten Blick nichts Gravierendes, aber sinnvoll im Detail und allen Ecken und Enden.

An der grundlegenden Konzeption wurde nicht gerüttelt, die Z900 des Jahrgangs 2020 ist nach wie vor ein stabiles, flinkes und unkompliziertes Motorrad mit verlässlichen Bremsen und ziemlich aggressivem Auftritt. Ihr grüner Gitterrohrrahmen im Verbund mit der angsteinflößenden Lampenmaske und nach hinten ansteigender Linie verleiht der Z schon im Stand pure Dynamik, unterstützt von rundum moderner LED-Beleuchtung. Aufgesessen in neuerdings 82 Zentimetern Sitzhöhe findet nahezu jeder guten Bodenkontakt bei gleichzeitig entspanntem Kniewinkel. Insgesamt sitzt es sich auf der Kawasaki engagiert mit leicht zum Lenker nach vorn gebeugtem Oberkörper, die gute Integration sorgt für ein inniges Gefühl.

Darunter pocht das Vierzylindertriebwerk mit 946 Kubikzentimeter Hubraum, das bisher schon als eines der besten seiner Klasse galt. Jetzt bietet es elektronische Helfer in Form unterschiedlicher Mappings, die von einem Schalter links am Lenker anwählbar sind und Leistungsentfaltung wie den Eingriff der neuen Traktionskontrolle bestimmen. In den Stufen Sport und Road gibt’s die volle Leistung von 92 kW/125 PS, bei Sport mit progressivem Leistungsanstieg. Bei Road steigt die Leistung linear an, Rain reduziert die Kraft auf 69 PS, und im Rider-Modus kann der Fahrer selbst Leistungsabgabe und den Eingriff der Traktionskontrolle einstellen.

Mit Integration der Fahrmodi ging ein Update der Motorsteuerung einher, was den Reihenmotor sehr sensibel auf Gasbefehle reagieren lässt. Noch beeindruckender stellt sich die Breitbandigkeit dieses Aggregats dar: Im sechsten Gang und knapp 2.000 Touren scharwenzelt die Z900 durchs Dorf, nur um am Ortsende im gleichen Gang formidabel und gleichmäßig bis an den roten Bereich zu beschleunigen. Insofern genügt auf der Landstraße zumeist der Road-Modus, denn Leistung ist in jedem Drehzahlbereich mehr als genügend vorhanden. Von der einstigen Rauheit der Kawa-Vierzylinder ist hier nichts mehr zu spüren. Kultiviertund weitgehend vibrationsfrei geht der Antrieb seiner Arbeit nach, bei 5,9 Liter Durchschnittsverbrauch vielleicht eine Spur zu durstig. Das exakt bedienbare Getriebe und die leichtgängiger gewordene Kupplung mit Anti­Hopping-Funktion komplettieren den tadellosen Antriebsjob.

Zum Fahrgenuss gehört auch ein passendes Fahrwerk, auch da hielt sich die Kritik an der alten Z900 in Grenzen. Jetzt machen eine Verstärkung an der Schwingenaufnahme und neue Dunlop Sportmax RoadSport 2-Pneus die Zett noch etwas agiler als bisher. Ob weite oder enge Kurven, Wechselschräglagen oder Kehren, die Kawa klapptfast wie von selbst in Schräglage und durcheilt die diversen Radien unbeirrbar. Beste Kontrolle und ein Vertrauen erweckendes Feedback sorgen für ein ausgewogenes Fahrverhalten.

Diesem Kurvenspaß angepasst zeigen sich die Federelemente, die nun neben der Vorspannung auch in der Zugstufendämpfung justierbar sind. Mit gutem Ansprechverhalten gesegnet, bieten sie einen gelungenen Abstimmungskompromiss aus sportlich-straff und ausreichend Komfort. Bei den Stopporganen orientieren sich die Kawa-Mannen eher am Normalfahrer als am notorischen Spätbremser. Die Doppelscheibe vorn arbeitet gut dosierbar und effektiv, aber alles andere als giftig.

Zum Mehr der Z900 gehört auch ein TFT-Display als die Informationszentrale. Neben der größeren Informationsvielfalt, vielleicht etwas gedrängt dargeboten, bietet es eine Anbindung ans Smartphone via Bluetooth. Mithilfe der Kawasaki-App Rideology lässt sich dann ein Fahrtenbuch führen und im Display über eingehende Anrufe und E-Mails informieren. Trotz gestiegener Ausstattung fehlen immer noch Gepäckhaken zum Festzurren einer Rolle. Doch sind das Marginalien angesichts des kompletten Angebots und breiten Einsatzspektrums, das Kawasaki mit seiner Z900 für vergleichsweise schlanke 9.495 Euro macht.

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